Donnerstag, 5. November 2020

Menschliches Glauben: 7. Kosmonomie: Zeit zur Besinnung

 



Der Alltag vieler Menschen ist bestimmt durch mehr oder weniger lästige Verpflichtungen und ein ebenso mehr oder weniger gedankenloses Freizeitverhalten. Nachweislich greift dadurch eine allgegenwärtige Leere um sich, die trotz relativen Wohlstands den Charakter eines konsumierenden Dahinvegetierens trägt. Wer als Kind in derartiges Milieu hineingeboren wird, hat kein leichtes Lebenslos gezogen, denn sich aus eigener Kraft daraus zu lösen, verlangt spätestens vom heranwachsenden Jugendlichen eine Umorientierung zu Werten hin, die ihm gar nicht oder nur in Bruchstücken vermittelt worden sind.

Die Werte einer kosmonomen Humanität sind durch Nachdenklichkeit einerseits und durch Lebensgefühl andererseits nachvollziehbar; es braucht aber im Alltäglichen immer wieder Zeit zur Entspannung, um einigermaßen unabhängig und relativ frei denken zu können.

Im Gegensatz zur religiösen Meditation spielt sich keine mystisch-weltfremde Entrücktheit ab, sondern eine Lebensbetrachtung mit Gegenwarts- und Zukunftsorientierung mit durchaus idealistischen Ansprüchen. Man ist sich menschlicher Unzulänglichkeiten bewusst, strebt aber nach ihren Minimierungen unter Einsatz von Verstand und humanen Methoden.

Die Suche nach reflektiertem Leben eröffnet Möglichkeiten inneren Reichtums, dabei sind es vor allem die natürlichen Vorgänge um uns herum, die wir in der Verstädterung, in überhitzten Terminplanungen bei oft hektischer Planlosigkeit kaum noch oder überhaupt nicht mehr wahrnehmen.

Verankert an den täglichen Auf- und Untergängen der Gestirne, im wirklich erlebten Detailablauf von Jahreszeiten, den beobachtbaren biologischen Entwicklungen, Veränderungen im Mineralbereich, angeregt durch Fest- und Trauertage im Familien- und Freundeskreis und im Erleben von Geplantem wie Unerwartetem, kann man sich dem Geben und Nehmen von Mitmenschlichkeit öffnen. Wir sind soziale Wesen mit der fantastischen Option hoher persönlicher Freiheit in der Geborgenheit einer starken Gemeinschaft – wenn sie funktioniert. Solche Wechselwirkungen wollen gepflegt werden, damit sie nicht durch egoistische Verirrungen versteinern.


© Raymond Walden

 

 

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