Donnerstag, 27. Januar 2011

Sequenzen von Skepsis (55)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

663
Wir haben nur uns
und begreifen es nicht.

664
Aus Vorhandenem schaffen Geschmack und Geschicklichkeit Gemütlichkeit.

665
„Du sollst nicht töten!“ ist die intellektuelle Überforderung von Gläubigen.
Sie töten sogar ausgezeichnet.

666
Bis zum Überdruss wurde alles variiert und wiederholt.
Es ist alles gesagt.
Man weiß um die Meinungen, Ansichtssachen und Gewohnheiten.
Alles erscheint bekannt, auch auf inzwischen kontroversen Ebenen,
Leben löst sich auf in Schweigsamkeit vom Deja-vu.

667
Nichtbeachtung!
Haben wir sie lediglich verdient?
Oder wird sie uns zuteil, weil wir uns verdient machen?

668
Einen Fehltritt verzeiht man;
den zweiten ebenso, beim dritten wird man sehr nachdenklich,
den vierten kann man schwer verwinden, beim fünften nagt die Verzweiflung.
Ich spreche von mir. Doch es betrifft uns beide.
Uns alle.

669
Mein Selbstbewusstsein nimmt mir niemand. – Aber ich.

671
Der Schnee von gestern wurde nicht geräumt, stattdessen türmt er sich auf und vereist heute die Fronten.

672
Man braucht keine Mondfahrt, um im Meer der Krisen zu landen. Es reicht, hinter dem Mond zu leben.

673
Des Schlafes friedlicher Atem neben mir weckt behagliche Anteilnahme.

674
Tabuisiertes Schweigen brütet schnell die krachendsten Lügen aus.

675
Global überzeugender Umweltschutz beginnt mit effektiver Geburtenkontrolle.

676
Anachronistischer Militarismus wütet als tödlichste Pandemie, martert den Interimsmenschen ohne Aussicht auf Heilung.

677
Schnee deckt die Landschaft zu und die Mängel der Infrastruktur auf.

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Dienstag, 25. Januar 2011

Lebenslang geleimt

Vergleicht man weltweit die Lebensumstände der Menschen, kommt eine erschreckende Armut zu Tage, die scheinbar der so viel gerühmten menschlichen Intelligenz ins Gesicht schlägt: Wenige Reiche prassen auf Kosten von Milliarden Notleidender.
Lässt sich so etwas erklären, vielleicht ändern?

Ganz offensichtlich bescherte das eigene Bewusstsein dem Menschen einen permanenten Zwiespalt der Überlegenheit gegenüber dem Tier und der Unterlegenheit sich selbst gegenüber, da er den Sinn des Lebens und, damit unmittelbar verbunden, den Tod nicht begreift. So wird er zum rigorosen Herrscher über das Tier und zum armseligen schuldbewussten Gottesfürchter, der seine animalische Physis und Wesensähnlichkeit nicht leugnen kann.
Nicht nur im unreflektierten Herdentrieb äußert sich das eigentlich „unmenschliche“ Verhalten.

Es gehört nicht viel Sensibilität dazu herauszufinden, dass Menschen unterschiedlich begabt sind, deutlicher noch wird die Verschiedenheit im Hinblick auf Bildung.

In dem gesamten Szenario erkennt man, wenn nicht ein „Krankheitsbild“, dann zumindest einen hohen Grad von Unreife. Desperados und andere Skrupellose richten sich in dem Chaos ein, und möchten wenigstens für sich und ihre Gesinnungsgenossen das Optimum herausholen.

So werden Religionen, Ideologien, Dogmen und Tabus gestiftet und bald gewohnheitsmäßig als „Ethik“ und „Moral“ überhöht, um das verdummte Volk gefügig und hörig zu halten. Intelligenz spielt bald auf allen Seiten kaum noch eine Rolle, vielmehr stattdessen Opportunismus und Egoismus innerhalb des jeweilig etablierten Systems. Die Unterwürfigkeit wird, falls erforderlich, mit drakonischen Strafen erzwungen und mehr noch im Kampf der ideologisch-religiösen Gesellschaftsordnungen gegeneinander zu höchster Ehre stilisiert und ausgezeichnet. Das befohlene Morden wird zur göttlichen Entmenschlichung, zur Bankrotterklärung des menschlichen Denkvermögens.

Die Masse der Menschheit kam bisher nie über solche Gesinnungsmechanismen hinaus, sie wurden quasi evolutionär vererbt und verankert bis zur heutigen Scheinmoderne. Stets waren es nur einzelne Individuen, starke Persönlichkeiten, die andere Wege aufzeigten, die das menschliche Denken pflegten.
Darüber hinaus hat sich bisher wenig geändert, Archaisches bestimmt die Gegenwart und wohl die nächste Zukunft mit zunehmend technologisch untermauerter Effizienz.
Wo Diktaturen und Kartelle die Intelligenz nicht ganz so offensichtlich ersticken, arbeiten esoterische Narrenfreiheiten gegen jeglichen Verstand und gegen die Würde des Menschen. Sie nennen es Religions- und Gedankenfreiheit!

Gar nicht untypisch treten in dem Verwirrspiel hoch intelligente Menschen auf, die sich durch früheste Erziehung im Kreise drehen. Da widerlegen beispielsweise Christen, unter ihnen sogar Naturwissenschaftler, die Astrologie mit Hilfe der Bibel, als wären die Glaubenskonstruktionen, hier Sternzeichen und Konstellationen, dort Wunder und Himmelfahrt, nicht identisch!

Das Versagen der menschlichen Intelligenz besteht international im Vorgaukeln abstruser, faktisch nicht vorhandener Welten und in der Fata Morgana, dass die Vermittlung dieser Jenseitsphantasien samt ihrer Entstehungsgeschichten etwas mit Menschenbildung gemeinsam hätten. Es handelt sich lediglich um historisches Wissen darüber, wie sich die Menschheit bisher selbst täuscht und hintergeht.

Mit der ersten zelebrierten Jenseits-Begegnung des Kindes – bei Christen zumeist die Taufe – sind die Weichen gestellt: Der noch unmündige junge Mensch wird geleimt, merkt es naturgemäß nicht, er wird eingeklebt in ein imaginäres Weltbild, das ihn über die Wirklichkeit betrügt.
Derartig betrogen wird er zum aufrichtigen Betrüger, in reinster, menschentragischster Gesinnung: Lebenslang geleimt.
Wenige nur entkommen den Fallenstellern. Der geistig so unreife Interimsmensch tobt sich aus.

Freitag, 14. Januar 2011

Sequenzen von Skepsis (54)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

651
Der freie Wille ist immer eine Antwort auf das Milieu. Die Freiheit beschränkt sich auf das Erarbeiten und die Wahrnehmung von Optionen.

652
Der gesunde Körper und der rege Geist sind sexy. Das Verlangen wird kultiviert und gepflegt.

653
Siehst du den vollen Mond am Horizont, wird er leicht zum Spiegel deines Innenlebens, das aber nicht seine Angelegenheit ist.

654
Der Winter beendet die herbstliche Fäulnis und hält das gesunde Leben frisch, sorgt auch für innere Wärme.

655
Jahreszeiten verzieren das jährliche Einerlei,
sie entwerfen Formen, färben ein, versprühen Düfte, komponieren Gesänge.
Sie sind die Kunst des Lebens.

656
Hohe Gebäude als Konzentrationen von Macht verlassen in der Regel den Boden der Demokratie.

657
Im einfachsten Falle schließt der Optimist Augen und Ohren vor Missständen und Gefahren, beschränkt sich auf Hoffnung.
Der Realist sucht nach den Ursachen, wird aktiv und freut sich an Verbesserungen.

658
Zwei Varianten:
Der Tag bricht an, die Träume brechen ab. Ich breche auf und breche ein auf dem Eis der Machtlosigkeit, ich erbreche mich; eines Tages bin ich gebrochen.
Der Tag hebt an, die Träume hebe ich mir auf. Ich erhebe mich, hebe den Kopf und behebe mir Mögliches. Ich bin nicht abgehoben, sehe aber von gehobenem Standpunkt aus manches erhaben.

659
Ökologisch-biologischer Solarwind ist das Treibgas für klimakatastrophale globale Geldströme.

660
Der Friedensnobelpreis basiert auf Dynamit, daher seine Sprengkraft:
Unter den Preisträgern so manche Granate.

661
Braun gebranntes Denken markiert Auserwähltheit.

662
Wer sein Kind liebt, gibt ihm Zeit,
aber auch ein Gefühl für die Zeit, wie sie wertvoll ist.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Donnerstag, 6. Januar 2011

Tausend Quadratmeter kleine Freiheit

Erst recht eine freiheitliche Grundordnung verlangt nach ständiger Kultivierung, die einerseits Gedankenlosigkeit, Mitläufertum und Passivität eindämmt und andererseits Ideologien, Indoktrination, Dogmatismus und Korruption aufdeckt. Nur ein wissbegieriger und gebildeter Mensch als aufrechte und standfeste Persönlichkeit kann dem Anspruch gerecht werden. Die Besinnung auf die eigentlichen und nicht die „offenbarten“ Werte des Lebens stellt die wesentliche Herausforderung für eine menschliche Zukunft dar.

Als Kind glaubte ich, ein erdverbundener Mensch zu sein, konnte ich mir doch kaum ein Leben woanders als am Gudelacksee in Lindow/Mark vorstellen. Die politischen Verhältnisse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlösten mich glücklicherweise, seinerzeit aber sehr schmerzlich, und sollten mich zu völlig anderen Horizonten führen. Nie vergaß ich jedoch so ganz den Duft der harzigen Kiefern und der blühenden Linden. Manche tiefe Ahnung über das Sein entnahm ich dem märkischen Sand, den Seen und den Wasserwegen. Die Menschen empfand ich eher untergeordnet, ohne sie dadurch abzuwerten.
Das war im Alter von dreizehn Jahren.

Heute noch – oder jetzt gerade – relativiere ich Grund und Boden, das Land, im Bewusstsein der kurzen menschlichen Lebensperiode, schöpfe daraus Verbundenheit wie Distanz, vor allem aber klare Positionen gegenüber erdigen Traditionen, einfältigen Deutungen und unsinnigen Religionen.
Es gibt keine anderen Religionen als unsinnige.

Erst in reiferem Alter konnte ich wirklich dazu stehen, besonders wegen der Rücksichtnahme auch auf meine Familie.

Seit einigen Jahrzehnten lebe ich auf einem Grundstück von gut tausend Quadratmetern mit dem schönen Namen „Hohefeld“, einem ehemaligen Acker- und Weidestreifen auf einem Hügel, von dem der Blick Richtung Westen über das tiefer liegende Dorf schweift.
Laut irgendeiner Statistik befinden wir uns in der katholischsten Gegend Deutschlands, also im „schwarzen“ Paderborn.
Ich wünschte vielen Regionen eine ähnlich gute Infrastruktur und eine sich daraus ableitende Lebensqualität!
Geistig allerdings regiert hier die naive katholische Gläubigkeit, mit der man einen Kompromiss schließt, weil man viel reist und Kontakte außerhalb pflegt.

Dennoch, hier kann man Freiheit leben. Der Preis, sollte man sagen, „der Lohn“, ist die weitgehende öffentliche Nichtbeachtung, nicht etwa Verächtlichmachung, eher vielleicht eine Zurückhaltung aus Verunsicherung. Aber das beeinträchtigt nicht meine kleine Freiheit, pardon, es ist eine grandiose Freiheit.

Täglich genieße ich den Blick aus dem großen Westfenster meines Hauses, betrachte die Natur, lese, schreibe, höre Musik (oder nicht), weiß mich, wenn nötig, jederzeit mit aller Welt über vielfältige Kommunikations- und Massenmedien verbunden: Diese Zeit, sie ist Teil meiner Lebenszeit, teile ich nur mit mir lieben Menschen, in meiner eigenen Besinnung und Bestimmung, nie vergessend, dass auch diese Freiheit keine Absolutheit bedeutet.

Aus dem Dorf reckt sich keck ein spitzer Kirchturm in die Himmelsgegend, wo von meinem Logensitz aus die Sonne etwa zur Tagundnachtgleiche, also zum Frühlings- und Herbstanfang untergeht. Im Jahreslauf schwankt der Sonnenabstand zum Turm eindrucksvoll weit nach Süden im Winter und nördlich im Sommer. Die farbenprächtigen Einspielungen des täglichen Sonnenabschieds stehen keiner Urlaubsregion nach, besonders wenn sich die Häuser, Bäume und Felder vor der untergehenden Tagesregentin märchenhaft abdunkeln, hier und da noch ein Glimmen zwischen Giebeln oder Ästen. Auf der Horizontlinie oberhalb des Dorfes verraten weiße und rote Autobeleuchtungen, dass genau hier eine Straße entlang führt. Diffundierende Kondenzstreifen von Flugzeugen durchfurchen die sich immer dunkler öffnenden Himmelstiefen, hin und wieder erstrahlt für kurze Momente einer der Flieger in punktueller Reflexion. Oder Venus als glänzender „Abendstern“ demonstriert – nicht zuletzt an meiner Kirchturm-Bake – ihre Gesetze der Bahngeometrie. Selten lässt sich Merkur, der innerste Planet, entdecken. Und immer wieder der ästhetische Anblick der schmalen Mondsichel nach Neumond, bald auch bei anschwellender Nacht mit aschgrauem Licht der übrigen Mondlandschaften.

Eine Westströmung bestimmt hier zumeist das Wetter, Wolkenformationen werden herangetrieben, bauen sich aber auch erst hier auf, denn vom fernen Meer steigt die Luft erstmals am Eggegebirge empor, dem südlichen Ausläufer des Teutoburger Waldes. Oftmals wirken die Wolkenturbulenzen bedrohlich in ihren Aufhäufungen und Walzen bei stürmischen Lüften. Aufkommende Gewitter zaubern Wetterleuchten weithin, um oft vorbeizuziehen, sich woanders zu entladen.

Beinahe jede der heute modischen „Unwetterwarnungen“ war hier unbegründet, die Winter brachten mehr oder weniger Schnee, die Sommer auch Hitze, manch einer hat sich erkältet oder seinen Kreislauf überanstrengt. Die Sterberate entspricht dem natürlichen Werden und Vergehen.
Das schon allgegenwärtige „Unwetterpotenzial“ fällt trotzdem auf fruchtbaren Boden: Die christliche Gläubigkeit konjungiert mit dem Klimawahn und erzeugt Allianzen von schrulligsten esoterischen und sogar dem Christentum widersprechenden Sichteinengungen. Über solche Blickwinkel lässt sich nicht ernsthaft diskutieren; ich toleriere sie, indem ich sie ignoriere.

Der Morgen lässt das Dorf gegenüber von der Sonne aufwachen, es steht für mich quasi in astronomischer Opposition, in hellstem Licht. Bei ruhigem Hochdruck steigen die Heizungsabgase aus den Schornsteinen senkrecht ins Blau, das Bellen des Kirchturms schallt herüber, das eine oder andere ferne Fenster blendet im Sonnenlicht. Oft jedoch ziert die Szene ein Einheitsgrau; Nebel, Wolken verdecken sogar die modernen Windmühlenflügel rundherum, mit denen Alternative die Strompreise auf Niveau trimmen. Die Totenglocke schlägt um elf Uhr, Pferde wiehern auf der Weide, Schafe blöken, halbstündlich hört man den Bus in die Stadt, im Landeanflug auf Paderborn rauschen vereinzelt Flugzeuge vorüber. Das Radio bringt kilometerlange Verkehrsstaus, Werbung, Katastrophenmeldungen oder Gottes Wort, also gleichbleibend Ähnliches. Getrost schalte ich aus. So frei bin ich ja.

Niemand wirft mir klappernd eines der bunt bebilderten Provinzblättchen in den Briefkasten, ich muss nicht wissen, wer den Vogel abschießt, noch welche Bratwurst gesegnet wird.
Ich suche nach hintergründigen Zusammenhängen, und so nutze ich die reichlichen Optionen des Internets und ausländischer Fernseh- und Rundfunksender. In ihrer offensichtlichen Gleichschaltung werden mir deutsche Medien nur noch suspekter, eine Zumutung auch an Verflachung. Auswärtige Medien sind keineswegs besser, doch im Vergleich ihrer jeweiligen Einfärbungen kommt man dem eigentlichen Wahrheitsgehalt ein gutes Stück näher.

Im Winter zieht das Futterhäuschen am Gartenteich eine bunt gefiederte, hungrige Gesellschaft an: ein fortwährendes Kommen und Gehen von lebensfrohen und lebenstüchtigen Gesellen, schüchtern und scheu, andere frech und dominant, eitel und futterneidisch. Aber keiner geht leer aus; es gibt keine vernichtenden Rivalitäten.
Manche lieben es, zum Eisloch im gefrorenen Teich zu fliegen, um zu trinken und zu baden. Im Wasser verweilen Zierfische, denen die Luftzufuhr eines tiefer liegenden Ausströmsteinchens offensichtlich gefällt.
Unter der Schneedecke schlummert auf den Feldern nördlich meiner „kleinen Freiheit“ die Wintersaat, Spuren im Schnee dokumentieren vielfältiges Leben. In südlicher Richtung, jenseits eines kleinen Tales trotzt ein dichter Mischwald allen Wettern, er sollte gemäß seinerzeitig üblicher Prognosen längst „gestorben“ sein, steht heute stolz wie eh und je und könnte die Menschen „was lehren“.

Schmilzt der Schnee dann irgendwann, beweisen Maulwurfshügel und Verwerfungen von Wühlmäusen, dass auch unterirdisch ein Universum seinen Rhythmen folgt. Noch mit Eisresten in der Uferzone erhält der Teich Besuch von liebestollen Kröten. Die Männchen sind oft so unwirsch, dass sie zu mehreren auf ein Weibchen losgehen, es arg in Bedrängnis bringen, dass es dabei sogar ertrinken kann. Ich beobachtete derartig verblendete Männchen, die auf alles aufzusatteln versuchten, was sich im Wasser bewegte, so auch auf Fische, die sich am seichten Ufer aus winterlicher Trägheit lösten.
Einige Wochen später erst blasen sich die Wasserfrösche begattungsbeflissen auf und quaken ihre Stimmung hinaus in das allgemeine Frühlingserwachen.

Unkenrufe erschallen bereits wieder über die Gefährlichkeit der Sonnenstrahlen. Ozon am Boden oder als Loch in der Hochatmosphäre ist so schädlich, dass es einem den Frühling und Sommer verhageln könnte. Und ach, die Scharen von Wetterfühligen und Wetterfürchtenden, die sich von telegenen Wetterschwätzern einnebeln lassen! Mehr noch die Schadstoffverzeichner, die überall Gift erschnüffeln, verantwortlich für Allergien und Krankheiten und vor allem psychische Schäden. Man glaubt nicht, wie dramatisch ein Wespenstich wird, welche Lebensbedrohung ein Waldspaziergang durch Zeckenalarm darstellt und welche Waldbrandgefahr nach einer Woche ohne Regen emporknistert.
Das Leben, empfunden als ein einziges Risiko, lässt sich versichern gegen alles, vor allem gegen Geld. Und zu Risiken derartiger Verunsicherungen „fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, lesen Sie Gesundheitsmagazine, lassen Sie sich von windigen Geschäftspraktikern übers Ohr hauen, falls Ihre Lauscher nicht sowieso zugedröhnt sind von den Schmerzensschreien der Weichlings-Gesellschaft.
Die wuchernde Bürokratie dieser Spezies regelt Ihre Beziehungslosigkeit zur Natur auf umweltgerechten Papierstößen, ideologisch grün in tristem Grau und alternativer Hoffnungslosigkeit.
Geld verrottet nicht, es verflüchtigt sich wie Alkohol als Schnapsideen umwelttrunkener Weltfremdheit, während es noch rasanter verdampft in hemmungslosen kapitalistischen Schändungen von Mensch und Natur. Das können nicht einmal seriös wirkende Parkettauftritte von Börsenanalysten vertuschen, deren hochtrabendes Aktien-Palaver in den Tagesnachrichten höchstens raffgierige Insider, nicht aber die Allgemeinheit interessieren kann.

Meine Zeit messe ich in wahrer Ortszeit anhand einer individuell gestalteten Sonnenuhr, welche neben der Tageszeit auch das Datum und den Sonnenort im entsprechenden Sternbild zeigt. Ich spreche nicht von sterndeuterischen Sternzeichen, deren Verschrobenheiten auf meiner libertären Terrasse auch nicht ein Pünktchen Platz beanspruchen können. Die Sonnenuhr ruht auf einem Lava-Basaltblock, der für mich gleichzeitig die gewaltigen geologischen Zeitspannen verkörpert, während ich mit meinen bescheidenen Lebensjahren zu Gast bin auf dem „Hohefeld“.
Lange beobachtete ich hier durch das Teleskop meiner kleinen Sternwarte den aktuellen Sternenhimmel, heute richte ich vermehrt meinen Blick auf den Menschen, die Menschheit vor dem Hintergrund des Kosmos und einer technologisch bedingten Globalisierung.

Während unsere Gärten und Felder in der Regel blühen und Früchte zeitigen, stellen sich die Verhältnisse in vielen Teilen der Welt bescheidener dar, und nicht immer sind klimatische Auswirkungen dafür verantwortlich, sondern Weltanschauungen der Bewohner und ideologische Regierungsprinzipien, die nicht selten aus Kolonialzeiten herüber reichen und oftmals nicht ohne europäische Verantwortung die heutigen Notlagen eskalieren lassen. Entwicklungshilfe verpufft, als hätte sie die vorrangige Aufgabe, die reichen Gesellschaften hier in ihrer ungebremsten Ausbeutermentalität moralisch zu beruhigen.
Zu solchen und ähnlichen Gedanken gelange ich, wenn beispielsweise Kraniche über meine „kleine Freiheit“ ziehen oder wenn auf einem entfernten Hügel das britische Militär seine Hubschrauber-Besatzungen etwa für den in nichts zu rechtfertigenden Irak-Krieg trainiert. Nun, könnte man einwenden, es sind doch nur die ausländischen Besatzertruppen, vor allem die amerikanischen, welche die umerzogenen Deutschen gar nicht mehr als Besatzer empfinden, nein, Deutschland führt ja ebenso bereits wieder mit eigenen Soldaten Krieg. – Es regt niemanden auf.
Aber die heraufbeschworene Terrorgefahr trifft die träge Masse tief in ihre verfettete Bequemlichkeit.

Immer wieder verblüffen mich die Intelligenz und das Geschick der Tiere, wie Elstern oder Krähen ihre Nester sturmsicher im Baum verankern, wie die Spechte genau wissen, wo sich das Hämmern lohnt, wie die Schwalben im Sommer Insekten direkt von der Teichoberfläche abfischen. Das Kaninchen nutzt die Deckung einer Senke in absoluter, wacher Bewegungslosigkeit, der Frosch im Moos tut es ihm gleich. Klugheit und Instinkt schützen im Tierreich das Überleben, denn andererseits lauern die taktierenden Jäger überall.
Eigentlich ganz anders der Mensch, er könnte es sich intelligent und entspannt menschlich einrichten, denn unmittelbare Jagdverfolgung hat er im normalen Alltag nicht zu fürchten. Stattdessen aber leidet er in einer intelligent verlogenen und hemmungslosen Gesellschaftsform unter fortwährender Rivalität, die sich vor allem auf beruflicher Ebene gnadenlos stilisiert. Nicht der Geeignete, der Qualifizierte, sondern der Stärkere, der Mächtigere, der skrupellos Gerissenere, der Gefügige, auch der Schleimigere bekommt zu oft den Posten. Die Existenz steht auf dem Spiel, nicht viel anders als beim Tier, das sich tarnt und taktiert. Im modernen Lebenskampf geht es vor allem um eine ungenierte Gier nach materiellem Reichtum, der weltweit die Unterlegenen unter die sogenannte Armutsgrenze zwingt und auch den Hungertod ohne sonderliche Aufregung achselzuckend hinnimmt.
Vergleichsweise wenigen Menschen gelingt es, sich irgendwann aus solchen Gesellschaftszwängen zu lösen, wenn sie bereit sind, ihre eigenen Ansprüche neu zu sortieren, auch mit Traditionen und Tabus zu brechen.

Ausgeprägte Winter zeigen, wie anfällig beispielsweise das Verkehrswesen ist, sie beweisen aber auch, wie die Zivilisation sehr effektiv Schutz vor der Kälte, Nässe, Dunkelheit und auch vor Hunger ermöglicht. Dem Massenmenschen, zumindest in Mitteleuropa und Nordamerika, kam allerdings das Einfühlungsvermögen in die Jahreszeiten abhanden, trotz oder gerade wegen technischer Ausstattungen ist das Verhalten von stupidem, den natürlichen Verhältnissen gegenüber unangepasstem Forderungscharakter geprägt. Läuft es dann nicht mehr so ganz rund, ist ein sinnloses „Spezial“ im Fernsehen die zusätzlich aufbauschende Folge. Dabei könnten einfachste, rechtzeitige Vorsorgemaßnahmen so manchem „Chaos“ von vornherein jegliche Grundlage entziehen.
Der Wechsel der Jahreszeiten inszeniert ein ergreifendes Schauspiel, dem von massenmenschlicher Seite her die Zuschauer mehr und mehr weglaufen – als eine Folge um sich greifender Ignoranz. Damit verliert der Interimsmensch wesentliche Hintergründe der Selbstfindung, er vegetiert im aufgeblasenen Sensationsvokabular von Gedankenlosigkeit und Massenkonformität, die fragwürdig mit Konsumrausch kompensiert werden sollen.

Oft liege ich mit geschlossenen Augen in meiner Sauna, während ich über globale, auch kosmische Zusammenhänge nachdenke. Beim Blick auf die Sanduhr an der Wand kann ich manchmal nicht glauben, dass sie schon wieder abgelaufen ist. Wird eine Abkühlung im Schnee möglich, empfinde ich das folgende Wiederaufwärmen umso anregender. So manches Konzept, so manche Idee verdanke ich diesem kleinen Refugium. Anschließend am offenen Kamin, der durchaus auch eine Absicherung für einen eventuellen Heizungs- oder Stromausfall bedeutet, setze ich meine Entwürfe im Geiste fort oder höre wirklich zu bei einem klassischen Konzert, vielleicht auch bei nostalgischem Rock und Pop. Selten lese ich Romane, denn das Leben schreibt genügend echte. Ich kann mich aber tief einlassen auf bestimmte Sachthemen, das geht so weit, dass ich mich mit den beschriebenen Phänomenen identifiziere, etwa mit der gesicherten Erkenntnis, dass auch der Mensch aus Sternenmaterie besteht. Oder, dass wir ungeahnt viele Gemeinsamkeiten mit den Tieren aufweisen.

Aufbauend auf all den großen und kleinen Zusammenhängen entwickelte ich die kosmonomische Philosophie, eine logische und einfühlsame Sichtweise der Welt.

Ich bin ein Freigeist. Und so sagte mir erst dieser Tage ein Zeitungsredakteur sehr treffend: „Einige Freigeister muss unsere Gesellschaft vertragen können. Es mag schon sein, dass der eine oder andere Sie deshalb auch schneidet.“
Was geschähe wohl, kam mir der Gedanke spontan, wenn kurzfristig immer mehr Freigeister auftauchten?

Doch ich bin Realist, unsere Zahl wird noch über Generationen verschwindend klein bleiben. Denn ein Freigeist, der den Namen verdient, denkt immerhin so komplex, dass er sich keiner Ideologie, damit keiner Partei und schon gar keiner Religion anschließt.

Die Grundfläche meiner „kleinen Freiheit Hohefeld“ erweitere ich im Sommerhalbjahr gerne um knapp zehn Quadratmeter meines Wohnwagens. In diesem Sinne bin ich ein begeisterter Europäer, der den Einigungsgedanken vor allem nach der grausamen Geschichte des Abendlandes zu schätzen weiß. Die Brüsseler Bürokratie jedoch sehe ich als Gefahr für die Bürger, für den Fortbestand der Europäischen Union überhaupt.
Unter den zahlreichen Reisezielen ist seit langer Zeit Südfrankreich mein Favorit, alljährlich verbringe ich mehrere Wochen an der Cote d’Azur und häufig auch im Roussillon.
Das hat fast unbewusst etwas mit den französischen Freiheitsidealen zu tun, aber besonders mit der Freiheit des kultivierten, keineswegs spartanischen Campings. Kontakte ergeben sich zu allen möglichen Nationalitäten und zum Gastland und seinen Leuten, ohne zu eng und aufdringlich zu werden. Reiserouten und Termine stimme ich oft mit Campingfreunden ab.
Fasziniert bin ich seit jeher von der Meeresküste und der nicht zuletzt durch weltberühmte Maler dokumentierten Einzigartigkeit des Lichts in der Provence und an der Cote d’Azur.
Immer wieder zieht es mich noch vor dem Frühstück an den Strand. Früher joggte ich, doch immer häufiger verweile ich einfach stehend, sitzend, liegend, atme die kühle Luft, vergesse die Zeit, empfinde die sanfte Wärmestrahlung der aufgehenden Sonne, beobachte den Horizont, vereinzelte ferne Schiffe und Boote, die weite Dünung, Möwen und springende Fische, begegne eher selten menschlichen Frühaufstehern, vielleicht einem stillen Angler. Sogar bei Seenebel lockt der Strand mit seinen verhaltenen Lebenszeichen im Hintergelände oder durch das Plätschern, auch das aufschäumende Rauschen des Meeres. Skurril meditierende Sonnenanbeter sah ich und überbliebene Strandschläfer der vergangenen Nacht und auch Müllreste der Trinkfesten.
Bei sommerlichen Temperaturen begrüße ich meinen Tag ganz speziell während des unmittelbaren Sonnenaufgangs und schwimme dem Widerschein des Lichts auf dem Wasser entgegen, unbekleidet, in der meiner Meinung einzig natürlich gerechtfertigten Weise. Als ich eines Sonntagmorgens in Kroatien an der Felsenküste eintauchte, klangen von jenseits der Bucht Kirchenglocken herüber. „Natürlich auch hier“, mäkelte ich innerlich, und einige Möwen, nicht weit über mir spotteten. Wahrscheinlich aber über mich – oder vielleicht einfach nur ihrer Gewohnheit folgend.

Gleichgültig, wo ich mich aufhalte, versuche ich so intensiv wie möglich die Situation zu erfassen, ich nenne es, Leben zu vergegenwärtigen. Doch immer wieder zweifle ich auch an meiner Auffassungsgabe, wenn ich in nachfolgenden Erinnerungen Einzelheiten offensichtlich doch nicht so ganz verinnerlichte.

Freiheit kann nur wurzeln in persönlichen bewussten Erfahrungen und Kenntnissen, vor allem in interessierter Wachheit.
Wach kann man überall sein, aber nicht zu jeder Zeit. Man braucht Ruhephasen und Ruheorte.
Ich beklage, dass die gegenwärtigen gesellschaftlichen Gepflogenheiten, dem nicht entsprechen können.

Übrigens Freiheit misst man natürlich nicht in Quadratmetern und nicht in Reisekilometern, sondern verbindet sie mit Eigenverantwortung und Eigeninitiative, den eigentlichen Antrieben bewusster Lebensführung.
Viel zu kurz ist die Zeit, als dass ein gesunder Mensch sie sich selbst überlassen könnte.

Erkennt der Mensch die gegenwärtigen Zusammenhänge, ihre Herleitungen aus der Historie, in ihrer Bedeutung für die Zukunft, entdeckt er die Kräfte, besonders auch die Drahtzieher im Hintergrund, so erlangt er einen freien Überblick, der ihm freiheitliche Entscheidungsmöglichkeiten erschließt, das religiös-traditionelle Jammertal des Mainstreams zu überwinden.

Nicht die eingeschweißten vorgetäuschten Lebensweisheiten, angefangen beim Osterhasen, über Weihnachtsmänner, Engel, Heilige, Wunder, Geister, Dämonen, Teufel, Götzen und Götter bis hin zum reinkarnierten oder „ewigen“ Leben, berühren das Gemüt, sondern die Lebensfreude an aufgeklärter Analyse und einer fundierten, weitgehend angst- und furchtfreien Lebensführung. Die freie Hinwendung zum Leben und nicht zum Totenkult oder zur hohnsprechenden Apokalypse, sondern zur eigenen Wertschätzung wie der des Mitmenschen begründen ohne alberne Verdrängungsmechanismen die Anerkennung, dass auch der Tod sinnvoll und logisch ist.
In konkreten humanen Maßnahmen, Verhaltensweisen und in menschenwürdiger Vorsorge lässt sich das häufige Leiden vor dem Tode nicht nur lindern, sondern minimieren.

Das bisherige Hauptproblem eines Freigeistes besteht in der völligen Unvereinbarkeit seiner Welt mit den „geoffenbarten“ Scheinwelten. Er wird darüber hinaus nicht ohne gewisse Irritationen feststellen, dass mancher angebliche Freigeist so frei war, mit ziemlicher Dünkelhaftigkeit seine Ansichten als „Lehre“ anzupreisen, sodass sich missionierende „Jünger“ und „Gemeinden“ um ihn scharten. Philosophen, Psychologen und Soziologen sind da federführend: Freudianer, Kantianer, Hegelianer oder Epikureer, Marxisten oder „Frankfurter Schule“ und so weiter. Oft erscheint die Sprache solcher Autoren dogmenhaft, absolut, als hätten die Urheber mathematische Beweise für ihre Behauptungen zur Hand.

Die kosmonomische Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Art der Weltbetrachtung, die sich aus der Welt selbst ergibt. Das bedeutet konkret:
Das Leben strebt zum Leben, beim Menschen aber nicht raubtiergemäß, sondern unter menschenwürdiger Nutzung von Intelligenz, Wissenschaft und Technologie zur Abmilderung und Beseitigung natürlicher Widrigkeiten. Solche Anstrengungen können vielfältigster Art sein, sie gehen alle davon aus, dass das Individuum wie die gesamte Menschheit vor allem Teil des Kosmos ist und alles Leben, besonders aber das humane hauptsächlich vor diesem Hintergrund und nicht auf der Provinzbühne unsinniger Götterkreationen gestaltet werden kann.

Meine kosmonomischen Ausführungen haben zum Ziel, den Menschen für das Leben anzuregen, unter allen Umständen Menschenopfer im weitesten Sinne zu verhindern und zu einem neuen Bewusstsein wirklichen Friedens, achtungsvollen Miteinanders, optimistischer Schaffensmoral, angst- und gewaltfreier Entfaltung und gelassenen Alterns aufzumuntern.

Als Autor benötige ich dazu keine Netzwerke und keine Parteien oder Vereine, keine Institutionen. Ich führe auch keine Kampagnen, wie ich sie seinerzeit gegen die Astrologie, sogar durch Medienspektakel in Szene setzte. Ebenso sehe ich inzwischen wenig Sinn, mich etwa wie früher in der „Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.“ (GWUP) oder in anthroposophiekritischen Gruppierungen aufklärerisch zu engagieren, denn mit „Glaubenden“ kann man nicht sinnvoll diskutieren, da ihr Selbstverständnis auf gänzlich anderer Ebene ruht. Meine Lebenszeit verschwende ich nicht mehr dafür, weil ich weiß, dass ich niemanden aus den Millionen von Religiösen, Esoterikern und Ideologen bekehren kann. Lediglich Zweiflern mag ich vielleicht Entscheidungshilfen anbieten und den sowieso Aufgeklärten vielleicht eine willkommene Bestätigung.

So ist das Niederschreiben meiner kosmonomischen Sicht nichts anderes, als Signale nach Außen zu setzen, Signale aus meinem eigenen Selbstverständnis, das es mir verbietet, mich einzuigeln, etwa das Leben eines schrulligen Einsiedlers zu führen.
Ich habe der Welt etwas zu sagen, nicht weil ich einer Idee folge, sondern weil ich ein inzwischen in freiheitlichen Wurzeln verankertes persönliches Leben errungen habe, das durch die Veröffentlichungen keineswegs einem „Outing“ gleichkommt, sondern eher der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Hineinschauen müssen die Menschen schon selbst, und wer das nicht kann oder will, bleibt für mich immer noch ein Mensch, mit gleichen Rechten und Pflichten wie alle zivilisierten Bürger der Welt.
Menschenverachtung, Ausbeutung, Unterdrückung, Verlogenheit und Indoktrination erfordern aber entschiedenen menschenwürdigen Widerspruch, nicht Gewalt, aber klare, eindeutige, nicht diplomatisch verkorkste Sprache als einziges Mittel von Verständigung.
Verständigung ist nur durch Verstehen möglich, durch Verstehen der Natur, von der wir Menschen, ich erwähnte es bereits, ein nicht unwesentlicher Teil sind. Und besonders in dem Zusammenhang erscheint die Zeit als weiterer Faktor der Natur. Schnelllebigkeit meint letztlich, ob man es wahrnimmt oder nicht, Leblosigkeit in der Form des Vegetierens.

Auch meine „kleine Freiheit“ muss ständig kultiviert werden, soll sie nicht ihren Status verlieren. Das bedeutet auch körperlich-handwerkliche Arbeit und ebenso wirtschaftliches Kalkulieren, und es verdeutlicht auch unvermeidbare Abhängigkeiten. Diktaten von Öl- und Stromkonzernen kann ich mich kaum entziehen, propagierte „Anbieterwechsel“ stellen in der Praxis Augenwischerei dar, Steuer- und Finanzgebaren sind durch mich nicht beeinflussbar.
Eine alte Weisheit empfiehlt zu erkennen, was man nicht ändern kann, um sich nicht sinnlos aufzureiben. Das aber, was man mit lebendigen Sinnen und erfahrenem Urteilsvermögen zu ändern vermag, ist eine solche Vielfalt, dass es keinen Grund zum Fatalismus gibt.

Ich kann mich jedoch nicht von der Sorge befreien, dass im globalen Maßstab zwar nicht die Mehrheit der Menschen, aber sehr wohl die meisten politisch Mächtigen rundheraus friedensunfähig sind.
Unfähig, weil sie Gefangene ihrer egoistischen Eitelkeiten sind und nicht die Spur einer kosmonomischen Erkenntnis, geschweige denn Empfindung besitzen.
Nicht wenige dieser Narzissten spielen ihre Rollen als Marionetten, deren Strippen die Clans der archaischen Denkmuster ziehen.

Aufklärung gibt es vereinzelt schon immer, als gesellschaftliches Gütekriterium muss sie erst noch auf die Welt kommen.

Montag, 3. Januar 2011

Sequenzen von Skepsis (53)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

636
Eine Justiz, die Gefangenen eine Intimsphäre verweigert, ist zu beklagen.

637
Grenzenlos ist die Maßlosigkeit und führt so ans Ende.

638
Das Glück des Schlafs speist den wachen Geist.

639
In einer verschlafenen Gegend versäumst du nicht viel, verschläfst aber vielleicht alles.

640
Jeder Tag hat seine irreale Realität.

641
Ein Fragezeichen kann Ratlosigkeit bedeuten,
ebenso aber den Aufbruch zu klaren Antworten.

642
Deckt das Bild nicht den Wert der Farben ab,
sieht der Maler vielleicht tiefgründiger.
Geraten die Noten in Vergessenheit,
war die Komposition vielleicht zu fein.
Bleibt das literarische Werk unbeachtet,
ist es vielleicht zu scharfsinnig.
Merkmale des Urheberrechts.

643
So viele kosmische Drehmomente erzeugen manchen Schwindel.

644
Komprimiertes Denken ist druckerprobt.

645
Sprüche kommen spontan oder bedacht;
das Maß solcher Verse liegt in der Verbindlichkeit.

646
Der Kriegsgrund ist zumeist weit hergeholt.

647
Linderung und Befreiung von Schmerzen und die Vertreibung von Angst bilden die Säulen in der Architektur aufgeklärter Humanität.

648
Jede Nachricht möchte zweifach geprüft sein: auf den Inhalt und auf den Überbringer.

649
Vasallen und Lakaien vertiefen sich in das für sie Allerwerteste.

650
Das Gerüst des Universums besteht in Strukturen, die im Makro- wie im Mikrokosmos erkennbar werden und die man durch eigene bereichert.
So beschreibt sich das Denken.

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Kosmonomische Freiheit

Nachdem in der Ausgabe 15 (Jan. – März 2010) des inzwischen dreisprachigen Magazins „Contemporary Literary Horizon“, Bukarest, Rumänien, mein Artikel „Cosmonomic Freedom“ erschienen ist, wurde er jetzt in der Anthologie „Contemporary Literary Horizon“ dreisprachig, deutsch, englisch und rumänisch, veröffentlicht.
Aus diesem Anlass bringe ich die deutsche Version noch einmal in meinem Blog, auf Englisch stellte ich ihn im Februar 2010 vor.

Kosmonomische Freiheit

Es ist ganz offensichtlich, dass es keine totale Freiheit gibt, denn wir sind alle geprägt durch den Ort und die Zeit unserer Geburt, wir hängen von unseren Eltern ab, von der umgebenden Kultur, von unserer physischen und mentalen Verfassung und von vielen Faktoren mehr.
Aber viele von uns haben eine gemeinsame Vorstellung von Freiheit, wenn wir über die Menschenrechte, über Demokratie nachdenken, wenn wir über Zivilisation sinnieren.

Unter dieser Betrachtung scheint die Situation der Völker rund um den Globus während der letzten Dekaden keinen wirklichen Fortschritt aufzuweisen, denn die Freiheit wird einfach verraten.
Verraten besonders durch Regierungen und Gesellschaften, die vorgeben, freiheitlichen Idealen zu folgen, aber tatsächlich andere Nationen und die Natur allgemein wie im Besonderen zu ihren eigenen Gunsten ausbeuten.
Die meisten Länder der Welt sind nicht frei und nur einige Nationen besitzen einen Status von „Halb-Freiheit“. Das ist die enttäuschende Wahrheit der Gegenwart.

Freiheit meint in jedem Falle das Recht und die Möglichkeit, ohne persönliche Nachteile oder gar Bestrafungen zwischen bestehenden verschiedenen Optionen zu wählen.

Da die Leser vom Contemporary Horizon Magazin über die Welt verteilt sind, bin ich mir sicher, dass die meisten von ihnen ihre eigenen Erfahrungen mit offenen und versteckten Restriktionen in ihren Ländern haben.

Aber Freiheit ist eine internationale Forderung, die jede individuelle Person betrifft.

Freiheit ist eine Angelegenheit

von Ausbildung und Wissen,
von Menschenwürde,
von Gleichberechtigung,
von Gewaltfreiheit,
von verantwortungsvoller Wissenschaft,
von allgemeiner Wohlfahrt und Gesundheitsfürsorge.

Jedes dieser Signalwörter ist es wert, darüber ausführliche Bücher zu schreiben.

Freiheit wird konsequent ausgelöscht

durch Rassismus,
durch Nationalismus,
durch Faschismus,
durch Kommunismus,
durch Kapitalismus,
durch Militarismus,
durch Geheimdienste,
durch Bildungsmangel,
durch Religion,
durch esoterischen Aberglauben,
durch Fundamentalismus,
durch gleichgeschaltete Medien,
durch Hungersnöte,
durch Umweltzerstörung,
durch Errichter von Mauern und durch Lügner,
durch moderne Sklaverei.

Und diese Signalwörter stehen nicht nur für künftige Buchprojekte, vielmehr füllen sie bereits die Bibliotheken mit ihren blutigen und grausamen Geschichten.


Als Dreizehnjähriger floh ich mit meinen Eltern wegen politischer Verfolgung von Ost- nach Westdeutschland. Ich hatte Glück, denn auf den ersten Blick ist das kapitalistische System bei weitem freiheitlicher. Und das ist der Grund für mich, für die Freiheit zu schreiben.
Wir sind es – in den „halb-freien“ Ländern! Wer sonst sollte seine Stimme erheben?!

Vor diesem Hintergrund entwarf ich die kosmonomische Philosophie (Siehe „The Cosmonomic Manifesto“, Contemporary Horizon, Nov. 2009) und ich bin mir darüber im Klaren, dass es sich um eine idealistische Betrachtung der Menschheit handelt.
Aber glaubt jemand, man könne Tyrannei ohne Ideale überwinden?

Wir brauchen eine lebendige Perspektive. Ich lege die kosmonomische Philosophie jedem Bürger der Welt nahe, indem ich weiß, dass meine vorgeschlagene Betrachtungsweise niemals auch nur eine Person töten wird.

Aber Kosmonomen müssen vorsichtig sein in Bezug auf die
archaischen Verhaltensweisen jener, die Freiheit predigen und die Segel setzen für Krieg und Terrorismus.

***
Ich bin bisher einziger deutscher externer Mitarbeiter des Magazins, welches Medienpartner der Universität Bukarest ist.

Montag, 27. Dezember 2010

Sequenzen von Skepsis (52)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

621
Machtmenschen verkörpern exemplarisch das Interim.

622
Grenzwerte in Wissenschaft und Technik definieren nicht selten ungenierte ideologische Einflussnahme.

623
Das Kreuz des Glaubens zu tragen, ist Ausdruck der Wahrnehmung: ein X für ein U.

624
Aus Worthülsen aufgeblasene Sätze bilden sprachlichen Abfall von Kultur.

625
Panikmache ist die Pandemie, deren Impfstoff nie entwickelt wird.

626
Dem Kesselwahn der globalen Erwärmung entdampft ein frostiges Klima.

627
Manchem Leichtfuß reicht das Wasser bis zum Hals; sein Lebenskonzept steht kopf.

628
Die Masse ruft nach Gott, denn sie ist träge.

629
Wer sich durchboxt, muss einiges einstecken.
Wer sich durchbeißt, hat viel zu verdauen.
Wer sich durchspielt, muss treffen.
Wer sich durchmogelt, macht manches möglich.

630
Man sollte beim Berechnen einrechnen, dass sich nicht jede Rechnung rechnet.
So wird’s berechenbar.

631
Ein wirklicher Mensch übt keine Rache.

632
Auch der Massenmensch muss individuell mit Individuen auskommen, will er ohne Einkommen, gar noch mit Nachkommen nicht verkommen.

633
Ernüchternd, wie viele Kirchenkritiker auf menschenverachtendem Niveau argumentieren. Waren sie zuvor gläubig, geht die Saat offensichtlich auf.

634
Rollt erst einmal der Zug des Irrtums, fährt die gesamte Masse – Mensch und Material – in die verkehrte Richtung. Aber schon am nächsten Haltepunkt könnte man umsteigen. Man muss allerdings merken, dass man im falschen Zug sitzt.

635
Hohl aufgetragenes akademisches Gewäsch überzieht die Moderne mit dem Abschaum der tatsächlichen Ahnungslosigkeit. Dieser Müll verfügt über eine besonders kurze Halbwertszeit – nicht etwa zu seiner Zersetzung, sondern um sich zu verdoppeln.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Freitag, 17. Dezember 2010

Undenkbar ... unglaublich

Es begab sich zu einer Zeit, da wurde das Denken eingestellt.

· Als ein „Gott“, allwissend und allmächtig, die Menschheit schuf, ahnte er wohl nicht, wie aufsässig, dadurch schuldig und erlösungsbedürftig sie würde.

· Der Allwissende wusste aber nach Tausenden von Jahren Rat zur Erlösung: Jemand musste stellvertretend dafür büßen, möglichst grausam sterben. Das war sich der beleidigte „Gott“ schuldig.

· Da der Allwissende kein normales Menschenopfer für würdig hielt, schwängerte er mit Hilfe seines „Heiligen Geistes“ eine menschliche „Jungfrau“. So würde das Opfer göttlich werden.

· Erbärmlich wie die Geschichte bisher, wurde das Menschlein in einem Stall geboren, und irgendwelche zufällig anwesenden Hirten wie später gesandte „Weisen“ wussten durch engelhaften Spuk sofort um die „Göttlichkeit“ des armen Kindes in der Krippe.

· Dem Allwissenden gefiel die Notsituation, schließlich hatte er das Knäblein als „Opferlamm“ gezeugt. – So etwas nannte er in seiner unendlichen Güte Vaterliebe.

· Der später gemarterte „Gottessohn“, der in der „Dreieinigkeit“ zugleich „Gott“ wie „Heiliger Geist“, also allwissend war, brachte dann – wohl an sich selbst – eine Bitte hervor: „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen.“ Oder er fragte: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Er zeigte sogar Verständnis für seine Mörder: „Sie wissen nicht, was sie tun.“ – „Gott“ (er) hatte sie ja so geschaffen.

Und das alles heißt „frohe Botschaft“, „Frieden auf Erden“ und „Großer Gott, wir loben dich“.
Blut floss und fließt reichlich im Namen dieser „Gottesgüte“; sie verhinderte klares Bewusstsein, wissenschaftlichen Fortschritt, Gewaltfreiheit, humane Würde, menschliche Wärme, gibt vor allem den Hoffnungslosesten vor Ort des Leidens, im Krankenhaus, Altenheim oder auf dem Schlachtfeld vorgegaukelte Hoffnung auf ein Jenseits, das dafür sorgt, dass sich bis heute unvermindert die Religionen in ihrem stets gleich skurrilen Gotteswahn ganz diesseitig gegenseitig zerfleischen.

Da sind die grandiosen, für immer bewundernswürdigen Kunstwerke und Leistungen auf vielen Gebieten, welche aus Gottergebenheit entstanden, lediglich ein Mittel zu weiterer Verführung. Sie haben unschätzbaren Wert als historisches Erbe, darüber hinaus weisen sie keine Zukunft für die Entwicklung der Menschheit, es sei denn in die Apokalypse. – Aber das ist ja das ewige Gerede der Religionen: Weltuntergang bis hin zum neuen Klima-Gott!

Der Interimsmensch pflegt von Kindheit an seine Gottesfurcht, das ganze Leben eine fortwährende Angst, an die er glaubt, weil er nicht denkt, obwohl er sich nach Frieden und Geborgenheit sehnt.

Ich wünsche eine besinnliche Zeit an der Schwelle des Jahres 2010 zu 2011.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Alle Macht gehe vom Volke aus ...

... klingt sonntäglich schön.
Wie aber, wenn das Volk mehrheitlich unwissend, desinformiert oder uninteressiert ist?
Sollte dem wirklich so sein, stellt sich die Frage nach den Gründen.

Eine kurze Beschreibung des heute üblichen demokratischen Vorgehens gibt Aufschluss. Mit der Wahl von Parteien und ihren Kandidaten gibt das Volk im wahren Sinne des Wortes seine Stimme ab und ermöglicht es den so Erkorenen, ihre Machtneurosen offen und ungeniert auszuleben. Dies geschieht in jeweils ideologisch engem und lernunfähigem Selbstverständnis, sodass Inkompetenz vorherrscht.
Da Inkompetenz aus sich selbst heraus selten zur Einsicht gelangt, verfestigen sich Systeme von Krampf und Murks.

In solcher Ohnmacht voller Aktionismen entgeht allgemein, dass sich die wirklich Mächtigen in den Institutionen und Konzernen des wuchernden Kapitals bedeckt halten; an ihren Strippen hängen die Regierungen, gleichgültig welcher Partei.
Konzerne und Kartelle bestimmen die Politik, sie bestimmen über die Völker – nicht umgekehrt.

Deshalb sind die Völker unwissend, nicht zuletzt durch mangelhafte Bildungssysteme, sie sind desinformiert durch verlogene Meinungsmonopole, und sie sind uninteressiert, weil sie entweder ihre Lage erkennen und resignieren oder einfach nichts davon durchschauen.

Als traditionelle Steigbügelhalter der Verhinderung von klaren Einsichten mischen Religion und Esoterik mit, die sich seit jeher mit den Mächtigen verständigen.

So aussichtslos die Lage erscheint, favorisiere ich dennoch eine demokratische Weiterentwicklung weg von Parteien hin zu Persönlichkeiten, welche direkt vom Volk gewählt werden und allein ihm gegenüber rechenschaftsverpflichtet sind.

Nicht Ideologien, nicht Lobbyismus, noch Wahlkampftheater helfen weiter, sondern persönliche Verantwortung, Qualifikation, Ehrlichkeit und Verbindlichkeit.
Das Volk wüsste sehr schnell, wem es zu seinem eigenen Vorteil trauen könnte.

Direkte Mitsprache des Volkes birgt gegenwärtig durchaus das Risiko, dass sich fehlinformierte Mehrheiten bilden. Unter den zuvor genannten Voraussetzungen aber würden sie sich recht bald selbst korrigieren.

Es geht nicht an, dass Einrichtungen und Unternehmen ohne jegliches politische Mandat Politik betreiben.
So bestimmt äußere ich das als kosmonomisch denkender Zeitgenosse.
Aber ich warne deswegen auch angesichts der etabliert verhärteten Fronten vor jeder „Revolution“, denn noch fraß jede Revolution ihre Kinder.
Gewaltlosigkeit ist Voraussetzung eines gesellschaftlichen Fortschritts, der sich wirklich nur evolutionär einstellen kann.

Ermutigen wir also alle gewaltfreien Bürger zur demokratischen Meinungsbildung und direkten Einmischung, zur konkreten Stimmabgabe und Machtkontrolle – nicht nur im Rhythmus von Wahlterminen!

Montag, 6. Dezember 2010

Sequenzen von Skepsis (51)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

605
Das überkommene Sexual-Ethos
zeugt wie selbstverständlich die Doppelmoral.
Ein lebendiger Verstand schätzt die Leidenschaft,
nicht frigide Prüderie, weder impotenten Manneswahn,
noch klerikale Inkompetenz.

606
Musik ist der Auftakt zum Kosmos.
Banausen pfeifen darauf.

607
Menschliches Leben im Einklang mit den Naturgesetzen
wäre die tägliche Festandacht von Bildung.

608
Nur Schein, der Heiligenschein!
Scheinbarer Anschein kommt zum Vorschein,
augenscheinlich nur bei Skulpturen und auf Bildern,
also ein Trugbild.

609
Der im Kapitalismus systemimmanente unlautere Wettbewerb treibt auf dem Feld der Politik bunte Blüten, sogar Nachtschattengewächse streben ans Zwilicht.

610
Verschlossene Akten schließen Geschichtsfälschung durch Siegerwillkür ein.

611
Wenn das Spezielle selbstverständlichen Status erreicht, mag das zunächst die Zivilisation aufwerten.
Der Seltenheitswert ist aber bald dahin und Routine führt in die Gedankenlosigkeit.
So ist das mit der Freiheit.

612
Reist man im Zug der Zeit, mag sich das Leben kurzweilig abspulen.
Man sieht den Zug aber nicht, auch nicht das Gleis, spürt keinen Fahrtwind,
hat kaum Orientierung.
Will man den Zug erkennen, muss man sich hinauslehnen.

613
Christliche Religion büßt, meditiert depressiv.
Nicht die Auferstehung – wie sollte sie auch – ist das Symbol des Glaubens,
sondern das Kreuz mit dem Leichnam.
Mensch, der du denkst, (er)löse dich!

614
Pressefreiheit? – Als ließe sich Freiheit freiwillig pressen!
Sie wird erdrückt.

615
Mit der Meinungsfreiheit macht man in endlosen Debatten systemtreuer Gremien kurzen Prozess.

616
In Kernkraftwerken spaltet man das Bewusstsein und überstrahlt das Entsorgungsproblem.

617
Gemäß freier Murkswirtschaft mutiert Kohlendioxid in den Wolken von Kühltürmen, zwischen Rotorblättern von Windmühlen und bei wachsenden Voltaik-Subventionen zu klimatischem Gift, gleichwohl zum Schmiermittel der Börse. – Ein pandemisch-ökonomischer Dienst am neuen und alten Gott Mammon.

618
Das Defizit an Sachverstand gegenwärtiger Politiker übersteigt die Milliarden an Schulden bei Weitem.

619
Politiker beten publikumswirksam, denn sie wissen nicht einmal dann, was sie tun.

620
Schauspielern verdreht manchmal die eigene Rolle den Kopf.

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Montag, 29. November 2010

Sequenzen von Skepsis (50)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

591
Die Wahl der Qual
praktizieren Folterer und ihre präsidialen Auftraggeber.

592
Die Milchstraße ist mit Sternen gepflastert.
Als Pracht-Boulevard der Aufklärung,
so anspruchsvoll, erhellend, entspannend.
So lebenswert.

593
Zeit erhebt den Anspruch des Bewusstseins,
auf Verinnerlichung.
Zeitgeist versprüht den Lack des Oberflächlichen.

594
Kirchtürme bellen Hirtenhunden gleich,
treiben und pferchen die Herde.

595
Schaut man auf bescheidenere Verhältnisse, könnte sich Zufriedenheit einstellen, jene Bequemlichkeit, die den Status quo liebt. – Zustände!

596
Entgleisen Gesichtszüge, hakt es im Stellwerk.

597
In Gruppen gibt man sich gern anders.
Man denke an Massenaufläufe, Fankurven und Parteitage, Kriege gar.

598
Erst implodiert die Intelligenz, dann explodiert die Zahl der Weltbevölkerung.

599
An einen aufgeklärten Staat muss man glauben, denn es gibt ihn nicht.
Bislang.

600
Fenster verraten viel.

601
In der Fremde zu Hause, so wie im Leben.

602
Oh, seltenes Glück,
gesund, geliebt und geborgen zu leben
und zu sterben!

603
Sehnsucht hat Moral.

604
Das reale Leben wird zu oft mit dem eigentlichen Leben bezahlt.

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Freitag, 26. November 2010

Skepsis gegenüber dem Klimawahn

Gegenüber dem Klimawahn kann man nicht skeptisch sein, sondern, wenn man auch nur etwas von Naturwissenschaft versteht, lediglich mit besorgter Verwunderung reagieren.

Was sich da als „wissenschaftlich“ aufheizt, kennt keine Skrupel, ist also Meinungsmache mit geballten Geschäftsinteressen, ist Ideologie, ausgewachsen inzwischen zu einer Pseudoreligion mit allen charakteristischen Unduldsamkeiten und Verachtungen einer demokratischen Diskussionskultur.
Wer es nicht glaubt, nehme sich die Zeit und lese nach bei
www.zeit.de/2010/48/U-Klimaskeptiker

Ein geifernder Artikel gegen „Klimaskeptiker“, der wissenschaftlich nicht eine einzige konkrete Argumentation enthält, aber Stimmung macht.
Es ist offensichtlich höchste Zeit, diese Journaille mit größter Skepsis zu lesen.

Mittwoch, 24. November 2010

Sequenzen von Skepsis (49)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

581
Wer den Menschen das Kreuz entgegenstreckt,
sie gar mit dem christlichen „C“ blendet,
soll in Demut seinen Kreuzweg angehen.

582
Reliquienverehrung stilisiert Knochenarbeit.

583
Rollenverständnis: Wenn rollendes Material kriecht oder steht,
ist Urlaub oder „Rush-Hour“.
Der Rubel rollt.

584
Mit jedem beförderten Dienstgrad fügt sich fester nur die Degradierung des Menschen zum Funktionspartikel eines Machtapparates.

585
Das erlesenste Ambiente wird mit Spießigkeit erstochen.

586
Denkvermögen und Logik bedingen einander.
Nähert sich einer der Faktoren gegen Null, folgt ihm das Produkt genauso.
So erklärt sich der Zustand der Menschheit.

587
Eine Gesellschaft, die sich nicht eindeutig, konsequent von Foltermaßnahmen distanziert – vielleicht aus falscher Freundschaft zu Folterern – wird nie frei sein, denn die Rache der Gefolterten folgt.

588
Leibesertüchtigung, Leibeserziehung;
so ungelenk wie stimmig diese Wortkonstruktionen.
Gewinnoptimierend verkürzte man sie zu Sport,
jenem weiten Feld satter Kapitalinteressen,
mit feistem Chauvinismus und fettem Lokalpatriotismus.
Werbebanden überall. – Ein Doping-Fall.

589
Es gibt private Felder, die pflügt man nicht um,
es sei denn, man will sie umbrechen.

590
Wer immer Frieden will, mag schweigen.
Er wird daran sterben und sanft ruhen,
denn er verrät den Pazifismus.
Feige meidet er die Bühne des scharfen Wortes,
die Arena der charakterstarken intellektuellen Auseinandersetzung.
Nur sie aber kann Krieg verhindern.

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Montag, 22. November 2010

Es grünt, bevor es braun wird

Während die bisherigen „Volksparteien“ ein jämmerliches Schauspiel inszenieren, profitieren die Grünen/Bündnis90 in den Wählerumfragen. Das ändert zwar noch nichts an der Regierung, besitzt aber zweifellos einiges nicht zu unterschätzendes Potenzial dazu.
Ich zitiere zunächst aus meinem Buch „Menschliches Glauben“, Novumverlag, 2008 unter der obigen Überschrift, bereits im März 1998 verfasst:

„ Fakt ist (genauso), dass ein „grünes Bündnis“ - als wüsste die Historie nicht von den merkwürdigsten „Bünden“ zu berichten - die Demokratie mit Füßen tritt. Es gibt Entscheidungen einer demokratisch eingesetzten Regierung und eine Minderheit nimmt sich heraus, dermaßen dagegen vorzugehen, dass Zigtausend Sicherheitsbeamte zum Einsatz kommen müssen, um das Fortführen der Regierungsgeschäfte zu gewährleisten. In den Parlamenten wird von Abgeordneten betont, nur „friedlichen Protest“ unterstützen zu wollen. Dass dies sogar bei Politikern überhaupt nötig erscheint, zeigt die offene Wunde der Demokratie auf: Minderheiten pauken ihre „Rechte“ mittels Sabotage durch, indem sie beispielsweise Bahngleise unterhöhlen, ohne auch nur zu fragen, wer die bezahlt hat, wer die Menschen sind, die als Beamte diese Anlagen schützen müssen, und ob die Mehrheit der Menschen in diesem Staat einen derartigen Aufmarsch dieser narzisstischen Szene gutheißt. Narzissmus, das heißt Selbstverliebtheit, ist die Vorstufe des Nazismus, des Wahns, im völkisch oder ideologisch bedingten Auserlesensein die eigenen Interessen und Anschauungen gewaltsam bis hin zur Eskalation durchzusetzen. Auch ein Adolf Hitler beschwerte sich stets über die inkompetente Bevormundung von Pragmatikern, auch er pflegte in jeder Hinsicht theatralische Inszenierungen, auch er pfiff auf die Demokratie, wenn es um Massenmobilisierungen ging. ... Grüne sind überhaupt keine Sympathisanten der NSDAP - um Gottes willen!
Ihre Glaubensmechanismen indes bringen mit ihren erdigen Männern und strickenden Frauen jene Typen hervor, die uns unter Schuldzuweisungen weismachen wollen, was Leben ist. Nicht wenige sind esoterisch angehaucht, so manche anthroposophisch reinkarniert und abgehoben auf dem Egotrip, immer unduldsamer gegenüber Andersdenkenden. ....“

Völlig dem Klimawahn verfallen, haben Grüne und ihre Mitläufer den Klimawandel bereits zur Pseudoreligion erklärt, und in diesem Sendungsbewusstsein bekämpfen sie abweichende, vor allem wissenschaftlich sauber begründete Meinungen und Ansichten. Nonkonformisten werden beispielsweise als „Klimaskeptiker“ oder gar „Klimaleugner“ verunglimpft und verleumdet.
Wenn nun die grüne Ideologie bei Wählerumfragen dennoch immer günstigere Werte verzeichnet, müssten längst die demokratischen Alarmglocken läuten.
Doch eine naturwissenschaftlich ungebildete Masse erkennt weder den geballten Unsinn noch die damit einhergehende finanzielle Abzocke und auch nicht den totalitären Gleichschritt der Medien.
Die Saat der naturwissenschaftlichen Vernachlässigung im Bildungssystem geht auf.

Es wird die Zeit kommen, da man fragen wird: „Wie konntet ihr da nur alle mitmachen? Habt ihr davon wirklich nichts gewusst?“

Freitag, 19. November 2010

Der Terrorismus hat eine ganz andere Qualität

Was man in diesen Tagen in Deutschland erlebt, ist ein ganz eigener Terrorismus.

Es handelt sich um einen medial gleichgeschalteten Anschlag auf die Intelligenz der Bevölkerung, gespickt mit Lügen, vagen Behauptungen und haltlosen Verunsicherungen, wie sie noch bei jeder Pandemie a la Waldsterben, Rinderwahnsinn, Vogelgrippe usw. erprobt wurden.

Der Zweck ist eindeutig: Man will mehr Kontrolle über den Bürger durch verschärfte Demokratie-Einschränkungen, und man will ihn zur Kasse bitten, nicht zuletzt, weil auch all diese akuten Aktionismen Kosten verursachen.

„Eines der einträglichsten Geschäfte ist das des Angsteinflößers.“ schrieb ich erst vor wenigen Tagen in mein Aphorismen-Manuskript und auch das:
„Wahrnehmen, erkennen, gestalten - das ist Perspektive. Sie scheitert oft schon am ersten Kriterium.“

Dabei soll gar nicht geleugnet werden, dass reale terroristische Bedrohungen sogar recht wahrscheinlich bestehen.
Der Grund dafür aber liegt in einer unfriedfertigen Bündnis- und Außenpolitik Deutschlands, das ungerechtfertigte amerikanische Interessen unterstützt, obgleich diese im Gegensatz zu den Menschenrechten stehen.
Mehr noch, sie sind Verbrechen an der Menschheit!

Montag, 15. November 2010

Sequenzen von Skepsis (48)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

569
Eigentümlich, was wir uns als Eigentum aneignen. – Eigenartig eigen!

570
In Panik vor der eigenen Vergänglichkeit fliehen Menschen vor sich selbst.

571
Oh, stimmengewaltiger Frühling,
wie verstummst du in prüder Spießigkeit
und verklemmst dich im provinziellen Brauchtum.

572
Die Komik des Schweigens birgt die Dramaturgie des tragischen Aufschreis.

573
Staatlicher Gottesbezug vertuscht teuflische Kumpanei.

574
Ich rufe in den Wald und es antwortet das Rauschen vom einstigen Meer, auf dessen Grund die Bäume wurzeln.

575
Menschenwürde und Religion: „Oh, Herr, ich bin nicht würdig, ... .“ beten Christen in dem Bewusstsein, dass eben dieser Herr sie so geschaffen habe.

576
Erstaunlich, wie wir uns abfinden mit Abfindungen, die wir als ungerechtfertigt empfinden. Und die Abgefundenen finden sowieso nichts dabei, erfindet doch die findige Politik ihre Selbstfindung in eigentlich unerfindlichen Schuldenlasten für die junge Generation. Schuldige sind unauffindbar, denn wir finden uns nicht wieder in dieser Fundstelle der verhinderten Wahrheitsfindung.

577
Das Herz schlägt, es rast, es hämmert, pocht, es flimmert, kommt zur Ruhe, ist heiß, kalt, hart, weich, ist gut und wird zerrissen, gestohlen, lässt sich gewinnen, verlieren, es blutet und springt, zerbricht, wird auf der Zunge getragen, erobert, getroffen, es öffnet und erwärmt sich wie es sich verschließt und versteinert, wird schwer oder leicht, wird zur Mördergrube, erhebt sich, ist mutig, hat Töne, Rhythmus, Klappen und Kammern, zuckt muskulös, pumpt und speist die Reflexionen des Lebens, das evolutionäre Erwachen des Gehirns.

578
Manche Intelligenz von Prominenz
scheint eher eloquent denn kompetent.
Schwer nur auszuhalten,
wie Stroh gedroschen und zu Blattgold versponnen wird.

579
Geglaubte Täuschungen und Trugschlüsse
trennen den Interimsmenschen vom Ethos.

580
Der ultimative Zusammenhalt ist das Schweigen,
ehe es bricht.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Samstag, 13. November 2010

November: christliche Trauer"aufarbeitung"

Ich gestehe, dass der November nicht meine Zeit im Jahr ist, sosehr ich mich bemühe, möglichst jedem Lebensabschnitt viel Angenehmes abzugewinnen. Denn eines steht für mich außer Frage: Trotz aller Rückschläge und Widerwärtigkeiten braucht man im Leben Optimismus und vor allem bedarf es einer Öffnung zu den Menschen hin.
Dies allein fällt häufig sehr schwer, wobei die Ursache sowohl in der eigenen Verzagtheit wie auch in den Menschen liegt, mit denen man umzugehen hat.
Der November jedenfalls hält mit seinen diversen Totengedenktagen für mich ein reales Problem bereit: Die Trauer.

Oft frage ich mich, ob Trauer, die ich empfinde, nichts anderes ist als entrücktes Mitleid oder gar Selbstmitleid, das zwar einem realen Anlass entspringt, aber von einer surrealen Welt zeugt. Es ist deshalb so unangenehm, das eigene Verhältnis zur Trauer laut zu hinterfragen, weil die Zuhörer oder Leser allemal geneigt sind, daraus Forderungen an sie selbst zu erkennen.
Da ich jegliches Ansinnen in diese Richtung aufrichtig verneine, seien mir einige Bemerkungen zum Thema "Trauer" gestattet.

Der Tod an sich kann für einen naturwissenschaftlich geprägten Menschen nichts Schreckliches beinhalten, wohl aber der häufig leidvolle, tragische Weg des Sterbens. Die Problematik einer aktiven Leidensverkürzung, sprich Sterbehilfe, möchte ich hier gar nicht neu aufwerfen, sondern den Status des Todes charakterisieren.

Kann man allen Ernstes in Trauerreden Verstorbene persönlich ansprechen?
Definitiv besteht doch einzig und allein eine Wahrnehmung bei der Trauergemeinde; es handelt sich schlicht um einen Akt - bitte jetzt nichts Abwegiges interpretieren - der Selbstbefriedigung. Der Tote hat von dem ganzen Aufheben nichts mehr.
Dieses zu realisieren, scheint für mich ein wirklicher Weg der erleichterten Abschiednahme von Verstorbenen. Nichts geht mehr nach dem Tode; alles was man im Leben gegenüber dem Verstorbenen versäumte, falsch machte, lässt sich nicht mehr korrigieren. Jeder Versuch dieser Art ist nichts als auch scheinheilige Gefühlsduselei, die freilich von interessierter Seite mit „Aufarbeitung“ des Trauerfalls gravitätisch durchpsychologisiert wird.

Der Tod ist das logische und sinnvolle Ende, damit kann ich gut leben. Und dennoch wird mir das Dasein bisweilen schwer durch die direkte Konfrontation mit den Jenseitsgläubigen, denen ich in dieser Beziehung nicht zu folgen vermag, die aber von mir erwarten, dass ich ihren Totenriten respektvoll beiwohne, ja dass ich sie beispielsweise im Verwandtenkreis in Einzelheiten vollziehe.

Nein, der November, so wie diese Weltanschauung ihn geprägt hat, ist nicht mein Monat: Ich möchte niemals auf solche Art verabschiedet werden, zumindest müssen diejenigen, die mich dereinst auf herkömmliche Weise begraben wollen, wissen, dass ich dies ablehne.

Nun mag man fragen, warum ich all das eigentlich erzähle. - Ich denke, dass vielleicht eine ehrlich und offen geführte Diskussion über das Begehen entscheidender Stationen der individuellen Existenz einiges beitragen könnte zu einem entspannteren Verhältnis im menschlichen Miteinander.
Da fehlen einfach neue Antworten auf das mystische Weltbild.

Diesen Text verfasste ich im November 1997, veröffentlichte ihn in kleinerem Kreise und erneut im Jahre 2008 in meinem Buch "Menschliches Glauben", novumVerlag.

Samstag, 6. November 2010

Sequenzen von Skepsis (47)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

551
„Gott“ gibt es nur in Anführungszeichen.
Unter Berufung auf ihn führt man dennoch an, ein, aus, durch und vor.

552
Ähnlich einem Rasier- und Schminkspiegel,
schief am Haken oder am Teleskoparm fest,
ausziehbar, in beliebige Richtung schwenkbar,
sogar beleuchtbar, reflektiert die Politik ihre Fratzen.

553
Vergrabene Bücher brennen nicht.
So macht man das heute.

554
Gott sähe alles;
so blind ist der Mensch.

555
„Ehrlich währt am längsten“,
der schnelle Erfolg lächelt darüber.

556
Hektik verschwendet Zeit;
Gelassenheit genießt
und besinnt sich auf das Wesentliche,
sie weiß, was sie nicht zu glauben braucht.

557
Religion ist der Ruf nach Diktatur.

558
Gott hält sich Leibeigene.

559
Nächtlich erträumte Freiheit verblasst im Morgengrauen,
tags ersehnte Freiheit verglüht im Abendrot.
Einsame Gefangenschaft !

560
Das Geheimnis des Glaubens
offenbart den gepflegten Betrug.

561
Religiöse Kelche werden mit Blut gefüllt.

562
Das ewig Archaische
zwingt die Menschheit auf und in die Knie.

563
„Wie geht’s?“ fragt ziemlich empfindungslos nach dem Empfinden.
Empfindsamkeit ersparte Empfindlichkeiten.

564
Politiker sind so!
Sonst wären sie es ja nicht geworden,
machthungrig, unterschieden lediglich in zwei Kategorien:
Gewalt Duldende und Gewalt Anwendende!
Sie (be)dienen sich – nur sich.
Diplomatisch – ungelogen!

565
Das Vergessen haucht Frieden und führt in den Krieg.

566
Manche Gewohnheiten erfordern besonders dann Gewöhnung,
wenn sie wirklich gewöhnlich sind.

567
Behütete Köpfe sind die anfälligsten.

568
Die bezaubernde Bucht von St. Tropez erlangte durch einen Busen bigotte Berühmtheit.


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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Mittwoch, 3. November 2010

Das Leben in Wahrheit

Wie ist das Leben wirklich, wenn man es ehrlich lebt? Oder lässt es sich nur im Schein, unwirklich und mit Unaufrichtigkeiten aushalten?

Um Antworten zu finden, will zunächst geklärt sein, was denn „wirklich“ ist. Und in Erweiterung dieser Neugier gipfelt die Frage gar in der Formulierung, was denn Wahrheit sei.
Man mache sich nichts vor, die klügsten Köpfe schrecken davor zurück, weil sie ratlos sind, sich günstigenfalls vielleicht an Umschreibungen wagen. Das darf nicht verwundern, denn Wahrheiten, so klar sie an sich mitunter sind, überfordern leicht, weil der Mensch teils aus Ahnungslosigkeit, teils aus Bequemlichkeit und Überlieferung den Schein als wirklich akzeptiert, ihn sogar feierlich stilisiert.
Mit anderen Worten: Er sehnt sich nach Wahrheit, während er sich häufig in der Lüge und Täuschung wohlig einseift. Er verlangt danach, süchtig im archaischen Muster, aber heutzutage selbstverständlich „aufgeklärt“ und „emanzipiert“.

Grundlage des Szenarios ist das Wunder des Lebens, das auch die höchste Wissenschaft noch nicht entschlüsselt hat, wenngleich sie zu Recht in Anspruch nehmen darf, epochal näher an die Antworten gelangt zu sein als alle anderen „Lehren“, die im Wundersamen dogmatisch verweilen müssen, um sich nicht selbst aufzulösen.

Geburt und Tod gelten gemeinhin und vordergründig als Lebensbeginn und –ende, werden aber wie selbstverständlich hintergangen, indem Menschen an Reinkarnationen und/oder an „ewiges Leben“ in einer anderen, nicht definierbaren Welt glauben. Undefinierbarkeiten bedeuten für die meisten Menschen „ihre Welt“, für die man nötigenfalls alles, sogar das eigene Leben unter Erlangung von Ehre und Ruhm opfert.
Mit Wahrheit hat das nur die Wirklichkeit gemeinsam, dass Leid erzeugt wird und der Tod massenhaft vorzeitig und grausamst eintritt. – Ideologisch begründete Wahrheit!

Eine weitere Wirklichkeit ist die, dass es eine Befreiung von ihr nicht gibt, weil sie Wahrheiten verachtet, lebt sie doch durch die getäuschte Imagination, die objektiv die Unwahrheit, letztlich das Belogensein pflegt, um in aufrichtiger Absicht und Gefolgschaft Falsches, Erlogenes weiter zu verbreiten.
Das ist das einfache Raster von Religion und Esoterik, das die Menschheit umso gnadenloser beherrscht, je stärker eine weitgehend ungebildete Weltbevölkerung anwächst. – Ein Charakteristikum des Interimsmenschen.

Gerade aus diesem Bevölkerungswachstum heraus ergibt sich aber auch, dass es noch nie so viel individuelle Intelligenz auf dem Globus gab wie gegenwärtig. Ob sie die Qualität besitzt, das andauernde Chaos zu mäßigen und zu überwinden, wird sich einst zeigen. Zumindest entsteht Hoffnung, die sich einem Fatalismus widersetzt.

Aus eigener Erfahrung weiß jeder, wie leicht man sich in der persönlichen Wahrnehmung und vor allem in der Erinnerung täuschen kann. Spätestens aber seit der Aufklärung und der Etablierung der Naturwissenschaften kennen wir den Objektivitätsfaktor, der wesentlich jede freiheitlich-demokratische Grundordnung befestigt, nicht zuletzt deswegen, weil auch die fortentwickelten Geisteswissenschaften die Objektivität anerkennen (müssen). Theologie erfüllt nicht nur in diesem Zusammenhang keinen wissenschaftlichen Anspruch, es sei denn in der beschreibenden historischen Erforschung von Religionen.

Das bürgerliche Leben gestaltet sich seit jeher im jeweiligen gesellschaftlich-staatlichen Rahmen, war also nie von besonderer individueller Freiheit geprägt. Es herrscht das Recht des Stärkeren, des Reicheren. Wer heute ernsthaft daran zweifelt, hat nicht begriffen, dass sich lediglich in einigen Regionen die Methoden der Machtausübung gefälliger inszenieren, an der konsequenten verachtenden Menschen- und Naturausbeutung hat sich nichts geändert.
Wir trinken eben preiswerten Kaffee, während die Erntearbeiter dieser Bohnen darben, wir steigern friedliebend unser Bruttosozialprodukt und überschwemmen die Welt mit Rüstungs(un)gütern, mit denen man übrigens Kriege schürt, Menschen vernichtet.
So leben wir in Wirklichkeit! Ein paar Millionen Euro Entwicklungshilfe in Länder, für deren Fortbestand in ihrer Not wir politisch alles geregelt haben, notfalls verteidigen wir unsere Wirtschaftsinteressen sogar mit Soldaten, für die wir spätestens beten, wenn sie tot heimkehren, nachdem sie ja auch töteten.

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DENK MAL! Nr.9

Öffentliche „Religionsfreiheit“ ist der Freibrief in die Unfreiheit.

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Und was da an „kriegsähnlichen“ Machenschaften verschwiegen oder schöngefärbt wird, kann sich der Durchschnittsbürger nicht annähernd vorstellen.
Ebenso wenig ahnt die Masse, wie sie durch direkt gesteuerte Medien geblendet und verblendet wird. Zweifellos liegt in den Gleichschaltungen von Medien innerhalb der jeweiligen Herrschaftsgebiete der verfeindeten Ideologien der Schlüssel für Verhetzungen und Verunsicherungen.

Das System der Verängstigung wirkt unmittelbar in die private Sphäre; Bespitzelungen, Denunziationen, aber auch speichelleckende Kriecherei, Bestechlichkeit und euphorische System- und Untertanentreue konstruieren die Doppelmoral, die nach Bedarf noch jeden Bürger stürzen lässt.
Je irrwitziger das propagierte Weltbild, desto inhumaner stellen sich die Folgen ein, oft schleichend, bisweilen explodierend, um nicht etwa Besserungen zu erzwingen, sondern den eingeschlagenen Kurs zu halten: „Weiter so!“ Terroristen bekämpfen den Terrorismus!

Das ist die wahre Bühne der mit Göttern und Dämonen so gesegneten Welt, das ist die Wirklichkeit, die sich aus der Unwahrheit gewaltig aufbläht.
Ein wirklich aufgeklärter Geist kann erst recht heute nur ein Doppelleben führen, denn familiäre, berufliche und gesellschaftliche Bindungen, Traditionen und Verpflichtungen behindern die Orientierung an wirklichen Wahrheiten.
Echte Wahrheit verstört den Interimsmenschen in seinem „Mainstream“, er mag nicht die immanente Aufforderung zu eigenem Denken, merkt er doch intuitiv die Unfähigkeit, mit seinem eingeschränkten Kenntnisstand Probleme ernsthaft zu hinterfragen, sie gar zu lösen. Verdrängung im Glauben an Gott, an die Medien und an Politschwätzer ist das bescheidene Motto der Massen. Sie können und wollen nicht anders – mit nur wenigen Ausnahmen.

Dessen ist sich der analytische Denker bewusst, sodass er keine weiteren Fronten schafft in einem aussichtslosen Kampf gegen Dummheit.
Zurückhaltung zeichnet den Wissenden aus, denn er weiß, dass er nicht alles weiß, dass auch er Irrtümern unterliegen kann, wenngleich er sich gegebenenfalls um Korrektur bemüht.
Nicht gegenwärtige Gesellschaften lassen sich ändern, sondern die allmählichen Entwicklungen zukünftiger Generationen.
Mit dieser kosmonomen Grundhaltung können Herdenmitglieder nichts anfangen.

Wissen und Bildung werden nicht durch Waffen, Ideologien und Medienagitationen vermittelt, sondern durch Gedanken und Schriften, die abseits des sinnlosen Getöses entstehen, Kenntnisse und Grundhaltungen speichern, die für jeden Interessierten zu gegebener Zeit offenliegen.

Das Leben in der Wahrheit mit auch realistischen unliebsamen Wahrheiten, diese auch human abzumildern, muss der Mensch erst noch lernen.
Erst dann wird er Mensch sein.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Sequenzen von Skepsis (46)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

535
Innerhalb des Gotteswahns einer der unterschiedlichen Oppositions-Parteien zu folgen, erscheint als nichts Besonderes.
„Gott“ aber als Hirnkonstrukt abzulegen und sämtliche Parteien zu hinterfragen, ist ungeheuerlich. Denn der etablierte Wahnsinn mag keine Enttarnung – in keinem der bisherigen Staatsverständnisse.

536 (Erst-Veröffentlichung: Februar 2009, Archiv)
Farbliche Enge:
Ein grüner oder roter Schal,
eine gelbblaue Fliege,
ein schwarzes Halstuch,
wie schnürten sie meine Kehle!
Erst recht eine lila Stola
oder eine braune Krawatte,
wie beugten sie mir den Nacken
hinunter zum tiefen Blick
in das ewige Gestrige!

Ein weißer Kragen,
weit offen zum Durchatmen
für die freie Rede
des klaren Verstands,
das wäre ein Anfang!

Ein kosmonomischer freilich.

537
Als die Musik mit Beethovens 9. Symphonie endgültig und wirklich irdischer Schwerkraft entstieg, war der geniale Maestro schon todgeweiht, trotz absoluten Gehörs taub, gemartert von körperlichen und seelischen Schmerzen.
Der „Götterfunke“ also eine Persiflage auf eine Fata Morgana, aus heutiger Sicht sogar eine ziemlich kitschig „schillernde“!?

538
„Genossen“ sind keine Freunde, eher zeitgleich ähnlich Leidende.

539
Wahrheiten, die sich auf Tabus stützen, sind Krücken.

540
Wer sich mit Mächten solidarisiert, die Krieg und Terror ausüben, hat den Frieden bereits verloren.

541
Kommt kein Echo, mögen Menschen fehlen.
Es könnten Bestien lauern.

542
An Wunder glaube ich nicht,
wundere mich auch nicht mehr.
Bewundern aber kann ich immer wieder.

543
Das Internet ist so schnell wie flüchtig,
im Datenrausch oft überschätzt.

544
Agitation ist ein überflüssiges Agens.

545
Dass der Mensch Feindbilder brauche, permanent präsent,
sehe ich – im Präsens.
Für das Futur bezweifle ich es
als Kosmonom.

546
Jugend sucht die Bühne,
Vorführungen dauern nicht selten bis ins hohe Alter.

547
Je kürzer ein Aphorismus,
desto länger bisweilen das Verstehen.

548
Erzrivalen recken Holzköpfe.

549
Gedanklich haben wir Reisefreiheit überall hin, doch in jedem Moment können wir nur an einem einzigen Ort weilen – nie ganz losgelöst von unserer Physis.

550
Jede Zeit pflegt ihre Irrtümer.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Montag, 18. Oktober 2010

Entwicklungsbedürftig: Der Interimsmensch

Die kosmonomische Betrachtungsweise stützt sich auf das im Universum immanente Prinzip der allgemeinen Gültigkeit von objektiven Naturgesetzen. Im Mikro- wie im Makrokosmos gleichermaßen setzt sich kein Mensch ungestraft über diese Gesetzmäßigkeiten hinweg, was sich besonders auch dann bestätigt, wenn sich der Mensch irrt, sei es aus Unkenntnis oder aus absichtlicher, vielleicht auch voreiliger Willkür.

Kausalität zu verinnerlichen und sie nach Möglichkeit auch zu beherrschen, sie anzuwenden, bedeutet eines der Hauptanliegen der kosmonomen Philosophie. Religionen und ihre esoterischen Ableger spielen in dem Weltbild – besser: Weltgeschehen – überhaupt keine Rolle, es sei denn in der Beschreibung der menschlichen Entwicklungsbedürftigkeit.

Denn trotz mehrheitlich sicherlich guten Willens, hangelt sich der Mensch von Elend zu Elend, hält diesen Zustand hauptsächlich durch Verdrängung aus, um in bigotter Regelmäßigkeit in Gewaltausbrüchen sein Heil zu suchen und sein Unheil zu finden.
Zumeist handelt er aus „Überzeugung“, die ihm religiös oder weltlich unter Berufung auf „Höheres“ indoktriniert wurde. Tragisch dabei, dass häufig die Dogmatiker wie ihre Eleven sich ihres Tuns nicht bewusst sind. Sie folgen evolutionär archaischen Gefühlen und weniger analytischen Denkoptionen, welche sich allerdings längst im Laufe der Evolution herausschälten und sich in der heraufdämmernden Aufklärung etablieren.

Der Massenmensch nicht und schon gar nicht seine Regenten merken diesen Tagesbeginn in ihrer fortdauernden Tranigkeit. Und sollte sie dennoch ein verfrühter Lichtstrahl treffen, ziehen sie sich die Decke über den Kopf oder werden aggressiv.

Irgendetwas stimmt doch wohl nicht in all den Traditionsverbundenheiten.
· Die Menschen wollen keinen Krieg – er ist dennoch allgegenwärtig.
· Gesundheit, Hygiene und Bildung seien Grundpfeiler der Zivilisation - die Rüstungsetats aber zur Vernichtung des Menschen übersteigen bei weitem alles bisher Gekannte.
· Sklaverei soll überwunden sein – der Menschenhandel blüht eben verdeckt.
· Naturschutz wird großgeschrieben – es wird ungehemmt gerodet, geplündert; Tiere und Pflanzen sterben aus.
· Die Menschenwürde sei unantastbar – fast ein Siebtel der Menschheit hungert.

Seitenweise ließe sich ein Katalog des Versagens und Verdrängens zusammenstellen. Das änderte freilich nichts an den Sonntagsreden, Mammutkonferenzen und den gezielten Verlogenheiten.

Und da beruft man sich aktuell geradezu überheblich auf die „christlich-jüdischen“ Wurzeln des Abendlandes, die genau wie die anderen religiösen Verankerungen im Laufe der Geschichte eine Abschlachtung nach der anderen inszenierten! Daran will man sich weiterhin orientieren!

Die Masse Mensch findet sich damit ab, denn sie stellt den Interimsmenschen dar, eine Entwicklungsstufe, einen Zwischenzustand nur, auf dem Weg zu einer humaneren Menschheit.

Denn daran besteht kein Zweifel: Auch der Mensch unterliegt der Evolution und wird in seiner Gesamtheit umso schmerzlicher bezahlen, je heftiger er sich diesem Wissen verschließt.

Im weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte wird sich die Humanität jedoch durchsetzen als das in letzter Konsequenz überlebensstärkere Prinzip.
Gemessen an der menschenunwürdigen globalen Gegenwart, pflegt die kosmonomische Philosophie eine futuristische Sicht der Dinge, die aber den nicht hoch genug zu schätzenden Vorteil aufweist, für die Zukunft begründete Hoffnung zu vermitteln, Anreiz für eine reifere und souveränere Menschheit.

Diese Zielsetzung ist nicht etwa ein Anlass zur Überheblichkeit gegenüber dem Interimsmenschen, sondern mahnt zur Besonnenheit, auch zu demütiger Zurückhaltung bei Auseinandersetzungen, eingedenk der Wirklichkeit: Der Interimsmensch kann nicht anders.
Kosmonomen übersehen nicht die Würde eines jeden Menschen, beanspruchen aber in Selbstbestimmtheit und mit Selbstsicherheit die Achtung auch der eigenen im Streben nach privater wie globaler Deeskalation.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Sequenzen von Skepsis (45)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

521
Man möchte anders als man kann, erst recht, wenn man es merkt: Ohnmacht macht sich breit.

522
Gewöhnlich lebt man Gewohnheiten bewusst, die unbewussten Gewohnheiten kennzeichnen vor allem den gewöhnlichen Menschen.

523
Orthodoxie bildet die giftige Substanz, an welcher der Interimsmensch scheitert.

524
Der Untergang des Interimsmenschen wird eine bittere Notwendigkeit, ein evolutionärer Meilenstein zur Ausbildung des Menschlichen, zur Etablierung der eigentlichen Humanität als dem stärkeren Überlebensprinzip mit überlegener Ethik.

525
Der Interimsmensch ist ein Kollektiv, dem sich das gebildete Individuum jederzeit entziehen kann – wenn es das kann unter den gegebenen Umständen!

526
Hat man Dummheit erst einmal medial etabliert, in jeder Hinsicht aufgerüstet, indoktriniert, gilt ein ehernes Gesetz: „Nie sollst du mich beim Namen nennen, noch dir ein Bild machen, willst du nicht zur Persona non grata erstarren.“

527
Befindet man sich über den Wolken, mag man nicht wahrhaben, was da unten so alles möglich ist.
Anders die Kosmonomie: Sie verfügt über den weiten, unbenebelten Blick inmitten der Dumpfheit. Ihre Wahrnehmung ist konkret und trachtet nach Befreiung und Licht, nicht nach Höhenflügen.

528
Vieles in so manchem Buchladen ist Ausdruck von Wahnsinn.

529
Kölner Karneval ist der verkleidete, wohl behütete, auch verkappte Scherz.
Karneval in Rio entblößt sich des Alltäglichen
und Venedig versinkt maskiert.

530
Religionsfreiheit ist das Recht der Privatsphäre und nicht die Bevormundung der Öffentlichkeit.

531
Sex und Religion:
Prüderie, Pornografie,
Animation, Prostitution, Perversion,
Infamie, Bigotterie
in flagranti!

532
„Gottes“ Erbarmen wäre einfach erbärmlich.

533
Die meisten Gedanken sterben stumm.

534
Kutten, Schleier, Talare:
Niente amare,
rigoros lustlos,
regide frigide.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Samstag, 2. Oktober 2010

DENK MAL! Deutschland

(Zum Nationalfeiertag)

Aus der sporadischen Reihe „Denk mal!“ hier ausnahmsweise gleich mehrere Anregungen:

Politiker erzählen vom Sparen und nehmen Unsummen an Neuschulden auf. Fazit: Man beherrscht die deutsche Sprache so wenig wie die Mathematik – oder man lügt ganz ungeniert.

Verkettungen: Schuldenmaximum – Bildungsdefizit – Regierungsversagen – Freiheitsverrat.

Das Volk als Souverän? – Märchenhaft!

Demokratie entgleist im Stuttgarter Bahnhof, weil Winkelzüge keine Schienenfahrzeuge sind.

Nach der Teilung die Einverleibung.

Grundgesetz, nicht Verfassung! Warum wohl?

Amerikanische und britische Truppen haben in Deutschland nichts zu suchen, sondern zu bewahren.

Souveränität ist ein Fremdwort.

Pressefreiheit ist niemals Pressegleichheit.

Aufschrei: Genmanipulation! Schweigen: Massenmanipulation.

„Kriegsähnlicher Zustand“ – dem Hirntod ähnlich.

Grün heißt unreif, schwarz wird einem vor Augen, rot sieht man, wenn andere vor Neid gelb werden. Braun wird man gebrannt. Wie wäre es mit „mehr Licht“?

Konzerne und Stiftungen haben kein politisches und schon gar nicht ein demokratisches Mandat.

Demokratischer Status quo: Diktatur durch unmündige und desorientierte Massen?

Ist im Klima von fiktiven Pandemien und Angsterzeugungen noch etwas zu retten?


Donnerstag, 30. September 2010

Sequenzen von Skepsis (44)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

509
Die Überhöhung des „Göttlichen“ baut auf die Demütigung des Menschen.
So funktioniert Religion.

510
Mit Vergeistigung regiert das Geistliche und erzeugt Geistlosigkeit, beschränkt das Menschliche. Verhindert den Menschen.

511
Die öffentliche Meinung ist eine höchst effiziente Lenkwaffe, gesteuert durch ideologisierte Strippenzieher, die nur eines fürchten: die freie Meinung. Wenn nicht totgeschwiegen, wird sie unterdrückt, verleumdet, gemeuchelt.
So wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit bis ans Ende des Interimsmenschen in seiner Erbärmlichkeit.

512
Die Wächter seien mit euch, dass sich niemand erdreiste!

513
Krieg schafft Arbeitsplätze, ist Vollbeschäftigung! Solange man überlebt.

514
Ehrgeiz: Wer geizt? Womit?

515
Idole werden gezüchtet, verkörpern aber eher selten Rasse noch Klasse.

516
Je größer die Bevölkerungszahl, desto zufälliger das Einzelschicksal.

517
Das Erben von Gütern mag sogar auf Erbgut beruhen, dessen Güte dadurch in keiner Weise definiert ist.

518
Das Denken in eingefahrenen Bahnen täuscht über das abgefahrene Profil hinweg.

519
Oft ist der Geist des Körpers schwerste Last.

520
Körpersprache moduliert vorwiegend Licht-, aber auch Schallwellen. Und die schlagen manchmal hoch.

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Irrglaube Integration

Wer in ein fremdes Land zieht, um dessen Freiheiten, soziale und politische Vorteile zu genießen, ohne sich um den Erwerb der Sprache und die Kultur zu kümmern, um stattdessen die eigene, ewig gestrige Religion zur Schau zu stellen und zu propagieren, kommt als Eindringling, ist unwillig zur Integration, unfähig zur Demokratie und Emanzipation.
Eine wirklich freiheitliche Gesellschaft wäre gut beraten, solche Rückschrittlichkeit nicht zu tolerieren, auf Eingliederungsbemühungen zu bestehen und nicht dem Irrglauben zu verfallen, man könne gesellschaftlichen Frieden oder gar Fortschritt mit einem Kaleidoskop veralteter Denkweisen verschiedenster Kulturen bewältigen.

Welten

Atemberaubend dieses Blau,
das die Augen öffnet, Lippen benetzt,
die Haut umschmeichelt,
das hörbar wird, wenn die Nacht
die Sterne entfesselt.
Das Blau, das betört,
alle Sinne weckt,
wie es so ehrlich das Meer türkis verklärt,
die Menschenmassen versammelt,
bunt und gut gelaunt.
Intensiver Duft erlesenster Darbietungen
des Universums von Farbe und Licht,
von Landschaft, Küste und Meer,
von Früchten und Leben. – Beflügeltem Leben,
das den Einheimischen nichts schenkt,
das aber Entspannung und Würde schöpft,
einlädt zur Muße und Kreativität,
in einsam geschützten Buchten,
an Klippen und auf Höhen vom Mistral gekühlt,
Selbstfindung, auch Demut nahelegt.

Und dann, oh St. Tropez, die reichliche Dekadenz
an deinen Quais, Molen und Stränden,
wo das Flair der Cote d’Azur
anrüchig vor Geld nicht stinkt.

Freitag, 27. August 2010

Sequenzen von Skepsis (43)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

496
In der Vereinsamung vereinen sich gar nicht selten Schwäche und Stärke.

497
Verunsicherung ist das Geschäft der Versicherungen.

498
Ahnungslosigkeit betet die Zuversicht an.

499
Esoterik ist der Schrott der Religion.

500
Einbildung erfordert keine Ausbildung.

501
Opportunisten kriechen in Löcher.

502
Welche Gruppe reflektiert schon über Gruppenzwang? Es sei denn die Selbsterfahrenen, die sich tief in Psychologie verfahren.

503
Angst ist ein Motor der Evolution. Und für den Menschen gilt: Wer sie am effizientesten reduziert, steigert die Würde, die Menschlichkeit, entmachtet strafende und belohnende Gottheiten zur Bedeutungslosigkeit.

504
Wir sind nicht machtlos, wenn wir das Schweigen besiegen.

505
Das Schreiben ohne nennenswertes Echo ist schmerzhaft und dennoch ein Hauch von Freiheit.

506
Zwangsneurosen entstehen aus Zwängen, ohne deren Beseitigung kaum Heilung erfolgen kann. Oft allerdings sind die Zwänge imaginär, was die reale Krankheit verkompliziert.
Religion wird aufgrund ihres massenhaften Auftretens nicht als Leiden definiert. Heilung kommt somit selten und eher „spontan“ vor.

507
„Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ offenbart banales Unverständnis. „Ewigkeit“ meint Unendlichkeit von Zeit, „von .... zu“ markiert jedoch Anfang und Ende etwa einer Zeitreise oder einer Wegstrecke. Nur unendlicher Glaube nimmt derartiges Schwelgen hin.

508
In Prüderie und Spießigkeit. Amen.

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Montag, 23. August 2010

Regierungssprecher

„Sprechen Sie mir nach“, sagt der Regierungssprecher und die Nachrichtensprecher werden Für- und Nachsprecher von Absprachen und Versprechen, die der Vernunft und Wahrheit widersprechen. In Sprechblasen besprechen sie Entsprechendes, versprechen sich manchmal, mindern die Ansprüche hinab bis zum Sprücheklopfen.

Den Regierungssprecher freut seine Sprachgewalt, denn er muss nicht schön reden, aber schönreden. Auch laut muss er nicht sprechen, Lautsprecher sind überreichlich zugeschaltet. Das Sprachrohr braucht er nicht an die Lippen zu setzen, denn er ist selbst der Sprachtrichter. Sprichwörtliche Ausreden kann man ihm nicht absprechen.

Die freie Rede ist frei erfunden, es erfolgt beredt Freispruch für Faselei, Unvermögen redet sich heraus, Mitsprache wird eingeredet.
Unaussprechliche Sprachlosigkeit spricht sich rum, und so kommt Demokratie ins Gerede. Sie wird spruchreif, weil man nicht ausspricht, dass eine Aussprache das und nicht die Ausreden erfordert.

Freiheit basiert auf Sprach- und Sprechkultur, selbstredend mit Anspruch an den Zuhörer. Der Einspruch ist ein Teil des Rederechts, der Zuspruch ein Ergebnis reiflicher Überlegung.

Regierungssprecher als Sprachorgan zu bezeichnen, spricht nicht für sie, sondern verweist direkt auf die Sprachbarriere zwischen parteilich einseitiger Propaganda und offen unabhängigem Weltverständnis. Sprache dient mit ehrlichem Anspruch dem Verstehen und nicht dem Verdrehen.

Sonntag, 22. August 2010

Sequenzen von Skepsis (42)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

484
Massenmedien, Internet – so dicht mit Belanglosigkeit gefüllt, dass sich kein Echo brechen kann. Man unterschätze aber nicht das Langzeit-Potenzial von Müllhalden!

485
Industriemessen, Buchmessen, Heilige Messen. – Rituelle Massenvermessungen.
Selig die Vermessenen?

486
Die „Klimakatastrophe“ ist den Kirchen sogar eine himmlische Katastrophe.

487
Globalisierung erfolgt als logische Entwicklung der menschlichen Intelligenz, zunächst engstirnig, ohne Skrupel, unter jeher geübter „christlich-abendländischer“, inzwischen besonders auch US-amerikanischer Ausbeutermentalität. Die Herausforderung besteht aber in globaler Demokratie-Entwicklung, nicht in erkennbar globalem Kapitalismus-Diktat, denn der Kapitalismus baut sinnigerweise „potemkinsche Dörfer“, um die milliardenfach erzeugte Not, um seine Menschenverachtung zu kaschieren.

488
Ein „Gott“, „allwissend und allmächtig“, der eine Kreuzigung zulässt, ist Erfinder, ist Ursache des Kreuzes.

489
„Brot und Spiele“, eigentlich „Brot und Zirkus“, jener römische Minimalismus „unterhält“ bis heute die Horden und ihre Caesaren.

490
Mögen die ersten Menschen „Wilde“ gewesen sein, Anwender roher Gewalt, so hat sich seither wenig geändert. Sie bevölkern zahlreicher denn je die Erde, als sei ihr Prinzip ein Erfolgsrezept. Jede Epidemie aber schwillt an um hinzuraffen.

491
Trotz und wegen gewaltiger Bedrängnis entwickelte sich Menschlichkeit und gilt zu Recht als Beweis für den besseren Menschen in spe.

492
Geschmacklosigkeit pfeift auf Kultur, banalisiert sich selbst.

493
Überschätzung schätzt vor allem das Ich.

494
„Unbildung“, welch ein Unwort der Halbbildung, die sich gebildet gebärdet.

495
In der Natur überlebt kein Tier durch Gnade und Caritas. Aber auch gefräßiger Egoismus schützt nicht vor wilderen Jägern. Daher sollte Menschlichkeit ganz andere Qualitäten entwickeln.

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Mittwoch, 18. August 2010

Sequenzen von Skepsis (41)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

472
Gottfreie Menschen erscheinen den Religiösen als bösartige Unmöglichkeit.
So eingeschränkt, wenn auch gutmeinend, sind offenbarte Möglichkeiten.

473
Erzwungene Dummheit erzeugt unterschwellige Angst, macht krank; sie entwürdigt radikal vor allem, wenn sie mit „Gott“ oder „Gottähnlichen“ einhergeht.

474
Mit jedem Wunderglauben stellt sich der Mensch neben sich, neben die Realität.

475
Die andere Seite des Lesens ist die Volksverdummung.

476
Überspannungsschäden schlagen vermehrt durch als Reaktion auf die zur angeblichen Entspannung generierte Spannung in Film, Funk, Fernsehen und auf Papier. Permanent rauchende Colts hinterlassen ebensolche Schädel.

477
Das Niveau des Fernsehens unterliegt der Massenattraktion, ist folglich blendend seicht.
Und so entscheiden sich Wahlkämpfe; Präsidenten gehen daraus hervor.

478
Am Ideal der Demokratie lässt sich nicht rütteln! Was sich aber bisweilen als „Demokratie“ beweihräuchert, erschüttert als Diktatur betrogener Massen.

479
Genossen sind keine Freunde, eher Zeitgleiche, ähnlich vergeblich Kämpfende, Leidende.

480
Kollegiale Grüße klingen weder freundlich noch hochachtungsvoll, herzlich schon gar nicht, aber fachidiotisch.

481
Abgedroschene Phrasen, feierlich dem Jahresrhythmus der Gedenktage folgend, symbolisieren moralisierende Politik – ein Teufelszeug.

482
Vergesslichkeit plagt den Menschen; der Ideologe vergisst sich selbst, der Gläubige kann nicht vergessen, was er nicht erlebte, oder ist traumatisiert.

483
Denkbar! – Was ist das, angesichts des Menschen seither?


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Dienstag, 10. August 2010

Menschenwürde ist mehr als eine Unantastbarkeit

In der Vergänglichkeit des Lebens entsteht dem Naiven eine unerträgliche Sinnlosigkeit, die zwangsläufig und unabhängig von Kulturkreisen nach stets ähnlichen Mustern zu einer Sinnkreation führt, der Sinn wird hergestellt. Geister und Götter lassen sich ersinnen, propagieren und bezeugen: Religion bekommt ihre Basis.
Dass dieser an sich banale Vorgang sogar intelligenteste Köpfe vollständig okkupiert, liegt in der Macht von Eingedrilltem und von Traditionen, denn diese eigentlichen Eingeschränktheiten suggerieren etwas von der irrational ersehnten, nicht minder kuriosen „Ewigkeit“, einer ebenso sinnlosen Unendlichkeit.

Der in einfachen und auch einfältigen Strukturen Denkende gibt sich in der Regel mit dem ihm vorgesetzten Weltbild zufrieden, merkt aber sehr deutlich die sprichwörtliche Last des Lebens im „Diesseits“ und zweifelt immer wieder an den Vertröstungen auf das „Jenseits“. In dieser Verunsicherung wird der Gläubige während der gesamten Menschheitsgeschichte bisher zum leichten Spielball für Machtbesessene.
Die Herrscher sind nicht selten zugleich die religiösen Repräsentanten oder aber Gefolgstreue im Glauben, die im Sinne „von Gottes Gnaden“ ihre Stellung rechtfertigen. Andere Regenten biedern sich gegen ihre eigentliche Überzeugung religiös an, nutzen die bewährten Entmündigungsmechanismen der Glaubenstraditionen.

Mögen nun einzelne Figuren durch Religion immer wieder ihren spirituellen Frieden finden, so können Religionen wegen ihrer offenen oder versteckten Alleinvertretungsansprüche bezüglich der „einzigen Wahrheit“ untereinander keinen Frieden begründen, geschweige denn bewahren. Man betrachte beispielsweise die unzähligen unversöhnlichen Aufspaltungen innerhalb des Christentums oder im Islam.
Im Erkennen solcher Zusammenhänge und im Durchschauen der entsprechenden Machenschaften wird es dem kritikfähigen Individuum leicht, sich innerlich von „Gott“ und seinem Brimborium zu befreien; die äußerliche Abkehr fällt aus Gründen von Überlieferungen und persönlichen Abhängigkeiten häufig sehr schwer. Denn der offizielle Bruch mit der Religion wird von Glaubensverfechtern gerne als „Nihilismus“ diffamiert, als eine Verneinung des Seins und seines Sinns schlechthin. „Gottlos“ wird zum Status des Makels, des Außenseiters.
Aus dem Glauben heraus können Religiöse die Gedanken der Aufgeklärtheit nicht nachvollziehen, ja sie dürfen sie innerhalb ihrer Systemtreue nicht einmal ernsthaft erwägen.

Welches Sein aber bieten Religionen?
Reduziert sich das Sein nicht auf sinnlosen Schein, indem man Körper und Seele trennt, das physische Leben mit Miss- und Verachtung belegt und Märchen über angeblich ewiges Leben einer „Seele“ verkündet, um von konkreten Lebensbedürfnissen und Erfordernissen abzulenken, Opfer verlangen zu können und alberne jenseitige Glückseligkeiten anzupreisen?

Alles spricht dafür, dass die religiös ausgemalte Seele ein ebensolches Gedankenkonstrukt darstellt wie „Gott“. Wie anders lässt sich erklären, dass das Seelenleben des Menschen, das heißt, seine gesamte gefühlsmäßige und bewusste Innenwelt durch Beeinflussungen des Körpers gesteuert wird?
Gewalteinwirkungen, Schockzustände, Drogen, Psychopharmaka, Narkotika und so weiter – auch „Gehirnwäschen“ – verändern kurz- oder langfristig die Persönlichkeit, schalten sie auch aus.
Eindeutig ist der menschliche Geist eine Funktion des Körpers und als solche vom Zustand des Körpers, vor allem des Gehirns abhängig. Beendet der Körper seine chemisch-physikalischen Reaktionen, stirbt er, gibt es auch seine „Seele“ nicht mehr.
In Analogie zur Mathematisierbarkeit der Natur lässt sich herleiten: Die Seele ist das Produkt aus Körper mal Geist. Wird einer der Faktoren Null, gibt es kein Produkt mehr.
Nur in geschaffenen Werken und in der Erinnerung der Lebenden kann vom Individuum entwickeltes Gedankengut „fortleben“ – für kosmisch unbedeutend kurze Epochen.

Die durchdachte Verneinung der Religion ist keine Miesmacherei, keine Hoffnungslosigkeit oder gar Resignation, sondern im Gegenteil die lebendige Aufmunterung, dem Leben an Ort und Stelle Sinn zu geben, die natürlichen Herausforderungen anzunehmen und zum Wohle des und der Menschen Einfluss zu nehmen, Widrigkeiten zu überwinden, zumindest zu lindern und andererseits die Freuden zu genießen und auszukosten.
Verantwortungsvoller Umgang mit Natur, Naturwissenschaft und mit dem Menschen gibt Lebenssinn und schafft die Werte wie Menschenwürde, Aufrichtigkeit, Achtung, Friedfertigkeit, Solidarität, Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft und so weiter als geistig verstandene Orientierungen und nicht als religiöse doppel- und scheinmoralische Sonntagspredigten.
Die bisherigen Philosophien und Weltbilder versagen erst recht in der Moderne, sie fördern keine Lebensentwürfe und Initiativen, sondern berufen sich auf überholte Raster, die der Unterwerfung statt der Emanzipation und Mündigwerdung des Bürgers dienen. Darin begründet sich eine Bewahrungsmentalität, ein Konservativismus, der sich mit allen Mitteln gegen eine kosmonomische Aufbruchstimmung stemmt, der sich in überkommenem Gottvertrauen noch jede Schurkerei gegenüber Andersdenkenden herausnimmt und im weltweiten Kräftespiel genau das Chaos pflegt, vor dem die Religion angeblich den Menschen bewahren soll.

Die Menschenwürde sei unantastbar, heißt es in feierlichen Dekreten, die jedoch gegenüber der Wirklichkeit hauptsächlich ein Wunschdenken beurkunden.
Der Mensch schändet wie kein anderes Lebewesen auf dem Globus sich selbst, und er tut dies aus „Überzeugungen“ heraus, die mit Menschenwürde wenig, aber mit nicht ohne Absicht erdachten Überhöhungen zu tun haben. Das Individuum wird rücksichtslos den Zielen von Göttern und Ideen geopfert, angeblich zu höchster Ehre in der Pflichterfüllung: eine Perversion der Menschenwürde. Sie wird nicht nur angetastet, sondern verhöhnt und vernichtet.

Nicht „Religionsfreiheit“ kann Demokratie definieren, sondern Gedankenfreiheit und freie Meinungsäußerung, die beide durch Religionen und Ideologien eingeschränkt oder gänzlich unterdrückt werden.

Menschenwürde ist eine Errungenschaft des freien Geistes, der sich der Selbstbehauptung wie der gesellschaftlichen Verbundenheit erfreut. An diesen Werten gilt es, aktiv und dauerhaft zu arbeiten und sie zu gestalten.
Und es gilt in einer Zeit rasant expandierender technischen Möglichkeiten, offenes und getarntes Antasten der Menschenwürde zu erspüren und vielleicht zu verhindern.
Man sollte sich jedoch nicht überschätzen: Die regierenden Kräfte dieses fortgesetzten Mittelalters nach der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts missachten die Menschenwürde gerade durch Vortäuschung von Demokratie unvermindert effektiv, für den Durchschnittsbürger dadurch zumeist nicht wahrnehmbar.

Dem aufgeklärten Nonkonformisten ist die Verwirklichung der Menschenwürde ein aufrichtiges Anliegen; hier und jetzt und langfristig. Kosmonomisch avanciert die Menschenwürde zu einem Sinn des Lebens.