Freitag, 18. Juni 2010

Sequenzen von Skepsis (35)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

400
Ein Zapfenstreich heute beendet weder Trunk noch Anachronismus; er schlägt dem Fass den Boden aus.

401
„Dasein“.
In seiner Schlichtheit unüberbietbar ergreift das Wort den ganzen Menschen, setzt ihn in die Welt, alles andere als flüchtig; er ist da, weilend, saugt die Welt in sich auf und gibt sich ihr gestaltend zurück. Dasein braucht Zeit, es ist die Zeit. Deshalb sind so viele nicht ganz da.

402
Der Tod verbreitet Schrecken, weil die Religion nicht erkennt, dass der Tod in einer dualen Welt das logische Nichts im Gegensatz zum Dasein bedeutet. Alles, was das Dasein erfreut oder belastet, löst sich nach dem Sterben auf. Die gesamte Muffigkeit der religiösen Trauer, der Heilserwartung oder Verdammung im Jenseits ist eine bitterböse Vortäuschung. Hat man die durchschaut, gewinnt das Leben eine umfassend angstfreie Perspektive, denn das Leid existiert nur im Leben, nicht in einer Fantastenzukunft danach. Wie viel Schmerz während des Lebens lässt sich aber lindern, gar vermeiden mit klaren kosmonomen Gedanken und Konsequenzen!
Wir erleben in Nischen erst den Beginn eines großartigen Reichtums, den Aufbruch des humanen Menschen.

403
Wen die Stunde schlägt, dem schlägt sie nicht!

404
Ein vermasstes Bildungssystem duldet und fördert die Lernunwilligen, die Undisziplinierten, die Destrukteure und behindert den Lernfortschritt der normalen Menschen. Die Misere hat ideologisch-diktatorisches Format in einer Provisoriumsrepublik Deutschland.

405
Die Welt geht nicht unter; anders der Mensch mit samt seinen Göttern. Erst der ideologiefreie Mensch weiß, sich in der Welt zu erhalten.

406
Das eigene notwendige Ende zu akzeptieren, ist eine Denkleistung, Glauben hingegen bedeutet Illusion.

407
Es lacht die Möwe über mir (mich), es spottet die Drossel, ruft der Kuckuck, schreit der Adler, je nachdem, was sich der Mensch so einfallen lässt. Der Schrei des Menschen wurde sogar gemalt (Edvard Munch).

408
Man könnte glauben, dass viele „Ungläubige“ nach der Loslösung von ihren Kirchen zu erschöpft sind, um sich zu engagieren.

409
Dass moderne Massen den elektronischen Traumwelten der Kinoindustrie und mehr noch den Schauspielern zu Füßen liegen, untermauert das Grundbedürfnis, sich der Realität zu entziehen. Und sei der Traum noch so absurd, so desolat wie der Schauspieler im echten Leben! Der Konjunktur ankurbelnde Konsumtrottel braucht den Ausstieg: Kino seine Kirche, Schauspieler seine Heiligen, die Kassen klingeln wie Glocken.
Der verführende Täuschungsmechanismus arbeitet zuverlässig, auch beim Fußball, bei der Olympiade, rundet die „Formel-Eins“ ab oder haut dem Boxer das Gehirn kaputt. Politiker mischen überall mit.

410
„Um uns regiert der Wahnsinn,“ analysiert der Komiker treffend, lacht und lässt uns allein in dem wirklichen Wahnsinn. Natürlich meint der Fröhliche mit „Wahnsinn“ Menschen, eben treffend. Oh, wäre es doch nicht so ernst!

411
Der Geburtsort des „Welt-Terrorismus“ liegt zweifellos in den USA.

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Montag, 14. Juni 2010

Das Gesellschaftsspiel "Aphorismus"

Im Umfeld von komplexen Verquickungen und Kompliziertheiten, nicht selten zelebriert in Aufgeblasenheit, Wichtigtuerei und Tarnung der eigentlichen Ahnungslosigkeit und Unfähigkeit, erfrischen immer wieder prägnante, kurze Formulierungen in der Form von Aphorismen.

Häufig „treffen sie den Nagel auf den Kopf“ und sind dabei keiner Stilform noch sonstiger Mode unterworfen.
Aphorismen symbolisieren eine Macht von Freiheit, und sie unterstreichen das gegebenenfalls durch ihren Wahrheitsgehalt, der sich in der direkten Sprache erschließt oder aufgrund von Doppel- und Mehrdeutigkeit zum Denken anregt.

Die Themenauswahl ist frei und unbegrenzt, so können Aphorismen sehr spontan entstehen, um variabel Gesellschaftskritik und Anregungen zu verdeutlichen, ohne unbedingt Namen und Fakten zu benennen und vordergründige juristische Auseinandersetzungen zu provozieren. Diesen Vorzug teilt der Aphoristiker ähnlich mit dem Kabarettisten.

Als Leser muss man den jeweiligen Inhalt nicht akzeptieren, man sollte ihn jedoch niemals voreilig abtun, gerade weil die Versuchung dazu in der Kürze der Aussagen besteht.
Besonders während der Lektüre von Aphorismensammlungen kommt die Gefahr der oberflächlichen Würdigung auf. Oft sind es feine Sprachnuancen, Schreibweisen oder Zeichensetzungen, die den Kern des Anliegens umspielen.
Die Kunst des Autors besteht, etwas anders als bei Roman- oder Theaterautoren, in der „geschwinden“ Erfassung einer Situation bei adäquater Formulierungscharakteristik.

Im Wesentlichen sind zwei Sprüchekategorien zu unterscheiden, nämlich Aphorismen einerseits, die den Schreiber quasi „überfallen“, nach denen er aber vielleicht auch in einem bestimmten Zusammenhang sucht, und andererseits Aphorismen, die als markante Zitate aus umfangreicheren Werken entnommen werden.
Darüber hinaus gibt es bekanntermaßen die Weisheiten des Volksmunds, für die kein Autor benannt werden kann.

Der Reiz mancher neuzeitlichen Aphorismen besteht in der verblüffenden Bestätigung „uralter“ Wahrheiten; persifliert wird die sich endlos wiederholende „Erfindung des Rades“.

Oftmals werden Aphoristiker als „Autoren mit wenig Zeit“ belächelt.

Als auch Aphorismen-Autor erwidere ich den Kritikern solches Lächeln, denn der heute zumeist gehetzte Leser sucht doch gerade die schnelle Kurzfassung, wenngleich er schon wieder zaudert, wenn im geübten Eiltempo auf einmal deutlich die Aufforderung nach einer Denkpause, wohlgemerkt, einer Pause zum Denken steckt.
Aphorismen spiegeln die Gesellschaft, sie spielen mit der Gesellschaft, wie die Gesellschaft mit Aphorismen spielt.

Sprüche zum Tage, zur Woche, zu jeder festlichen Angelegenheit, zum beliebigen Anlass.

Manch einer ergeht sich in Ermangelung eigener Gedanken in Sprüchezitaten, viele „klopfen“ Sprüche, sie verhetzen auch wie eh und je.

Und was da heute beschämend unter dem Deckmantel von Demokratie „Salonfähigkeit“ erreicht, ist immer einen Aphorismus wert:

Irren ist menschlich, überaus menschenwürdig ist die Korrektur des Irrtums.
(Sequenzen von Skepsis, Nr. 774)

Freitag, 11. Juni 2010

Sequenzen von Skepsis (34)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

388
Sich wild erwehrend, fühlen die siechen Religionen den bevorstehenden Todeskampf und setzen alles daran, das Martyrium zu verlängern, verbündet mit parteipolitischen Pseudoreligionen und Hobby-Propheten, die den professionellen Gurus die Füße waschen.

389
Glas; klar, dass es klirrt, bricht und schneidet, weil es glänzt, funkelt, erstrahlt, erblindet, klingt, verzerrt und fokussiert.

390
Italien hat himmlische Musik, aber keine Regierung auf Erden.

391
Olympisches Doping, begangen durch Industrie und Wirtschaft, Politik und Medien, Sportfunktionäre und willfährige Trainer, ahnungslose Massen und auch Sportler – auf den pseudoreligiösen Eid genommen. Meineid heißt der Sport!

392
Haben sich die Medien erst einmal eingeschossen, fallen Wahrheiten wie Dominosteine. Manchmal hakt es jedoch, weil sich im Besonderen Sensationslust durch Nachschubschwierigkeiten verblüfft.

393
Selten tritt das Ende überraschend ein.

394
Das eigene Ende hängt an mehreren Enden.

395
Im kleinkarierten Elternstolz verschweigen wir so lange wie möglich den Kindern den gesellschaftlichen Wahnwitz, weil wir ihn offenbar erhalten wollen; wir geben ihn weiter.

396
Ich belächele allmorgendlich den „Walking-Bus“ deutscher Grundschüler, wenn fünf oder mehr mit Verkehrssicherheitwesten verkleidete Mütter oder Väter fünfzehn oder zwanzig ihrer Sprösslinge zu Fuß zur Schule oder vorher zur Kirche geleiten. So behütet erscheinen die Kleinen! Aber schon vor dreißig Jahren ging das los, als Professoren-Eltern für ihre kleinen Einsteins vor der Wahl des Gymnasiums die jeweiligen naturwissenschaftlichen Lehrräume begutachteten. Welch eine verhütete Kindheit!

397
Die Götter von Eden gibt es nur dort. Wo, bitte, ist das?

398
Der Hauch des Lebens eskaliert zum religiösen Feuersturm. – „Gott“ hat einen hohen Brennwert.

399
Geteiltes Leid ist doppeltes oder auch millionenfaches Leid.


*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Mittwoch, 2. Juni 2010

Sequenzen von Skepsis (33)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

376
Aus Ohnmacht zur Veränderung glauben wir, die Macht des Schicksals zu erkennen.

377
Jungfräulichkeit und Jungmännlichkeit. – Werte wabern, weil es vielleicht gar keine sind.

378
Formulieren und Ertragen von Wahrheit ist die Voraussetzung für die Gewaltfreiheit.

379
Nach rabiater Machtergreifung des Diktators in fingierten Wahlen wünscht das internationale Corps der Diplomaten Glück und hofft auf Schadensbegrenzung innerhalb der Diktatur. Selten ging diese Rechnung auf. Denn das unterjochte Volk wird in solcher Kumpanei nun auch von außen verraten. Dem Despoten gefällt die Opportunität, sie macht Appetit auf globalen Machtzuwachs.

380
Der neue Mensch (ver)trägt keine Uniform.

381
Eine verarmte Sprache produziert keinen Gedankenreichtum, noch antizipiert sie einen.

382
„China habe gelernt,“ kommentiert irgendein Redakteur das Hilfeersuchen, das die Chinesen an die internationale Öffentlichkeit richteten. Man gehe „offen“ mit der Notsituation nach dem Erdbeben in Sichuan um und lasse Helfer in das üblicherweise verschlossene Land. – Und das unmittelbar vor den Olympischen Spielen in Peking! Ein tragischer Scherzbold, dieser Kommentator, noch alberner diejenigen, die ihm glauben.

383
Wenn jahrelang in Birma (Myanmar) eine diktatorische Clique das Volk unterjocht, eilt den so in allen Konsequenzen vernichteten Menschen keine UN-Diplomatie zu Hilfe, denn die Armen verbluten ja nicht so offensichtlich wie die Opfer der Unwetterkatastrophe im Mai 2008, denen man jetzt helfen will, damit die Opfer überleben bis zum Absterben in dem Menschen verachtenden Gefängnis-Staat. Eine sonderbare Scheinheiligkeit der UNO.

384
Die Steuergesetzgebung ist so kompliziert, damit der ehrliche Bürger die Ungerechtigkeit nicht wahrnimmt, sie sogar als „gerecht“ befolgt.

385
Mit der Steuerschraube überdrehen Politiker sich selbst und verdrehen potentiellen Wählern den Kopf.

386
Datenschutz scheint für Steuereintreiber ein gefundenes Fressen zu sein.

387
Während Mitläufer zunächst resignieren und immer abgestumpfter schließlich „Hurra!“ brüllen, steigert sich die Sensitivität des freien Geistes; zahlreicher und schärfer erscheinen die Details und entschleiern die ideologischen Verführungen.
Und das hat Konsequenzen – selten gewaltige, zu oft gewaltsame!

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Montag, 31. Mai 2010

Top Kill

Wie der Name schon sagt: „Spitzenmäßiges Abtöten“ der Natur, ahnungslos, konzeptionslos, aber risikofreudig, raffgierig wie bei jeder neuen Ölbohrung!
Nur der Dollar zählt: „In GO(L)D we trust“.

Da kommt es gut, wenn ein junges Mädchen in Oslo ein banales Liedchen trällert, das die Massen euphorisch ablenkt – von all den wirklich brennenden Problemen, das zum Beispiel auch den Blick verschleiert auf das von Israel zu verantwortende Gaza-Hilfs-Drama, das ein „Top Kill“ für Menschen direkt bedeutet.

Und überhaupt freuen sich alle Strategen, die Werbebranche, die durchdrehenden Medien, sogar die Bundeskanzlerin.

Das gesellschaftliche Niveau wurde treffsicher schon früher besungen:
„Schön ist es auf der Welt zu sein, sprach die Biene zu dem Stachelschwein ....“.

Sonntag, 30. Mai 2010

Rhetorischer Fragenkatalog an das Christentum

Als mündiger, freiheitlich-demokratischer Bürger, als Kosmopolit und Pazifist, als religionsfreier Mensch, der ungebeten alltäglich mit religiösem Glauben konfrontiert wird, erlaube ich mir, einen rhetorischen Fragenkatalog an das Christentum zu erstellen, weitestgehend exemplarisch, ähnlich für jede beliebige andere Religion verwendbar.

Rhetorisch sind die Fragen gemeint, da sich der aufgeklärte Mensch längst die Antworten eindeutig und kausal begründet erarbeitet hat.

Es werden also keine Antworten in Form von gläubigen Unterweisungen gewünscht.

Vielmehr soll bei Unentschlossenen und Zweiflern die eigene Hinterfragung herausgefordert werden; sie mögen sich um Antworten bemühen.
Definitiv religiös Gläubige werden erfahrungsgemäß abwehrend reagieren, so wie sie seit jeher Logik und Vernunft, Kausalität, Realität, Objektivität, Friedfertigkeit, Gewaltfreiheit und Menschenwürde ihrer messianischen Sicht unterwerfen.

Existiert „Gott“?

1. Warum soll ausgerechnet der christliche Gott angesichts der von Menschen zu allen Zeiten erdachten unermesslichen Götterzahl der „Einzige und Wahre“ sein?
2. Steckt hinter dem Anspruch des „Einzigen und Wahren“ nicht bereits der eigentliche Konfliktherd der Menschen untereinander, das sich „auserwählt“ Fühlen gegenüber anderen?
3. Indem der Irrtum ausgeschlossen wird, ganz im Gegensatz zu verantwortungsbewusster Wissenschaft, die Irrtümer eingesteht und vor allem korrigiert, wird „Gott“ zum Dogma. Wann und wo hat je in einer sich fortwährend verändernden Welt ein Dogma dauerhaften Bestand gehabt?
4. Hat nicht die katholische Kirche selbst Dogmen ent- und verworfen?
5. Wie irrtumsfrei ist ein Gott, dessen Gefolgschaften sich aufgrund seiner nicht vorhandenen Eindeutigkeit in ungezählte Glaubensrichtungen aufspalten und sich erbittert bekämpfen?
6. Wird „Gott“ nicht zur bloßen Hieroglyphe der narrenfreien Ausdeutung, die sich gelegentlich und lediglich wegen der Ähnlichkeit der Glaubensmechanismen in ökumenischen Inszenierungen harmonisch aufspielt?
7. Was geschah eigentlich mit „den armen Seelen“, die vor der propagierten Existenz „Gottes“, quasi vor jeder christlichen Erlösungsmöglichkeit lebten?
8. Was geschieht mit „den armen Seelen“ der Gegenwart, die in gänzlich unchristlichen Kulturkreisen zu Hause sind?
9. Ähnelt der alttestamentliche „Gott“ nicht arg den antiken Göttern, jenen erdachten Schurkengesellschaften, die – menschenähnlich – zu jedem Unsinn und zu jedem menschenunwürdigen Exzess fähig waren?
10. Die Primitivität „Gottes“ manifestiert sich deprimierend in seiner Parteinahme innerhalb menschlicher kriegerischer Auseinandersetzungen. Hebt er damit nicht seinen Anspruch von „ewigem Frieden“ selbst auf?
11. Wodurch wurde der „alttestamentliche Gott“ geläutert, dass er seinen eigenen Sohn mit einem seiner Geschöpfe zeugte als „Opferlamm“ zur angeblichen Erlösung eben jener Geschöpfe?
12. Ist ein Sinneswandel „Gottes“, des „Ewigen“ nicht schon ein Hirnriss in sich?
13. Wie alles andere als „göttlich“ wirkt der Anspruch „Gottes“, sich durch seine Geschöpfe ständig loben und preisen zu lassen, mehr noch, ihm Opfer erbringen zu müssen – „Gott“ als Egomane mit geradezu affiger Eitelkeit?
14. Ist nicht die behauptete Existenz des „Teufels“ auch „Gottes“ Werk, der „alles“ erschaffen hat?
15. Die Welt zeigt sich in allen Belangen als eine dualistische. Müsste eine Gottheit als Ursprung dieses Dualismus selbst nicht über dem Dualismus stehen, statt sich um menschliche „Sünden“ und deren Bestrafungen in kleinstkarierter menschentypischer Manier zu kümmern?
16. Kann ein „dreieiniger Gott“ – was immer dieses Konstrukt aussagt – wirklich über den weltgültigen Dualismus hinwegtäuschen?
17. Ist es nicht so, dass man als klar denkender Mensch bei einem solchen „Gott“ Erbarmen mit den Gläubigen haben muss?

„Gotteshäuser“ als Geisterhäuser?

18. Wie kann man von Monotheismus sprechen, da doch angeblich im Himmel weitere ewige Geister als „Engel“ jubilieren, Maria als „Mutter Gottes“ ebenfalls die nicht vorhandene Ewigkeit (sogar mit aufgefahrenem physischen Körper) bereichert?
19. Was für ein Kaleidoskop von Aberglauben eröffnet sich in diesem Zusammenhang („Schutzengel“, Lourdes, Fatima, etc.)?
20. Welch ein Sammelsurium fügt man hinzu durch die willkürliche oft zweifelhafte Ernennung von „Heiligen“ und „Seligen“, die ähnlich in einem absonderlichen Totenkult, im Himmel wie durch ihre Reliquien auf Erden, angebetet und verehrt werden?
21. Sind die abergläubischen und esoterischen Ausblühung auf dem Sektor nicht grenzenlos?
22. Wie weltfremd muss man in heutiger Zeit sein, um an Dämonen, Teufelsbesessenheiten und Teufelsaustreibungen zu glauben, um Exorzismen durchzuführen?

Bezeugen Gebete nichts anderes als Infantilismus?

23. Glauben Betende allen Ernstes, „Gottes“ Ratschluss abändern, mit „Gott“ handeln zu können?
24. Welchen Wert haben Gebete für einen Sterbenden? Soll er endlos leben? Hat “Gott“ in seiner Allwissenheit nicht längst entschieden über „Heil oder Verdammnis“?
25. Wie albern nehmen sich Gebete bei Naturkatastrophen aus. Hat sie nicht „Gott“ geschickt, der die Welt in seiner „Weisheit und Güte“ so gestaltet hat, dass Naturkatastrophen unumgängliche Bestandteile des Universums bedeuten?
26. Stellen Gebete letztlich nichts anderes dar als Selbstsuggestion, Selbsthypnose und in der Gemeinschaft Trance und Hysterie?
27. Äußern sich im Gebet nicht drastische Realitätsferne, kindliches Wunschdenken und Hoffnungen auf Wunder, die es nicht gibt?
28. Wie viele Gefahren und Missstände ließen sich bei rationaler Planung und konsequenter Umsetzung vermeiden oder abmildern, würde man sich nicht auf göttliche Mirakel oder „Gottgegebenheiten“ berufen?
29. Wie viele Gebete und Gebetsarten dienen vornehmlich der monotonen, stupiden Gleichschaltung der Gemeindemitglieder?
30. Wie viele Jubel-Arien erzeugen gezielte Masseneuphorie vor trister Wirklichkeit?
31. Bewirkt das ständige Flehen zu Gott, das ja nur ein Selbstgespräch ohne reale Resonanz bleibt, bestenfalls zu imaginären Antworten führt, nicht eine permanente Selbstentwertung als steter Versager und „Sünder“, als minderwertiges Wesen?
32. Beinhalten öffentliche Gebete nicht eine Nötigung für den (noch nicht genug betenden und immer wieder „sündigen“) Gläubigen, wie für den Glaubensfreien, dem man diesen Unsinn beispielsweise bei öffentlichen Prozessionen oder in den Medien aufdrängt?

Intelligente Glaubensinhalte?

33. Beschäftigt sich das Christentum nicht intensiver mit dem angeblich bevorstehenden Weltuntergang als mit einem würdigen Leben in der Realität?
34. „... bis er kommt in Herrlichkeit,“ so soll der „Erlöser“ wieder erscheinen, wenn die Welt auf grausamste Weise zu Ende geht? Was ist das für eine abstruse „Herrlichkeit“, während das Chaos ausbricht? Offenbart sich hier nicht extensiver Masochismus der so Glaubenden?
35. Welch eine aufmunternde, hoffnungsfrohe und tröstende Wirkung hat das christliche Symbol: das Kreuz, beziehungsweise das Kruzifix mit dem zu Tode geschundenen Leichnam?
36. Ein Gott, der alles weiß, alles erschafft, erfindet sogar seinen Teufel als Gegner und formt Menschen mit einem angeblich freien Willen, sich zwischen „Gott und Teufel“ zu entscheiden? Dieser Wahnwitz steigert sich so weit, dass „Gott“ ein Opfer braucht, das den Menschen angeblich mit ihm versöhnt, ihn aber doch immer wieder den teuflischen Versuchungen unterliegen lässt? Den „eigenen Sohn“ lässt „Gott“ (in seiner Liebe) dafür schänden und abschlachten, um den verirrten Menschen „seine Liebe“ zu beweisen? Und diese „Liebe“ ergießt sich geistig in der Kommunion, im „Abendmahl“, zu dem der Gläubige „Jesu Fleisch und Blut“ verzehrt? Bei allem Respekt! Ist das nicht abstoßender Blödsinn in ausgeklügeltster Struktur?
37. Das Christentum dokumentiert sein immens zerrüttetes Verhältnis zum menschlichen Körper, der in der sakralen Kunst vornehmlich in blutiger Zerschundenheit oder in Gewändern verhüllt mit seufzendem Blick dargestellt wird. Ist das die Basis christlicher Heiterkeit?
38. Führt diese Köperverachtung nicht zwanghaft zu einer Sexualfeindlichkeit, die sich auswächst zu einer widerwärtigen Doppelmoral, einhergehend mit der Frauendiskriminierung?
39. Oder begründet die Missachtung und Geringschätzung des menschlichen Körpers die jederzeit Verfügbarkeit zur Anwendung von Gewalt, vor der das Christentum zeit seines Bestehens nur so strotzt?
40. Beweist nicht das Papsttum im Laufe seiner langen Geschichte, dass in Ausübung der Irrlehre vom „Stellvertretertum Christi“ (Irrtum in Glaubensfragen ausgeschlossen!) die miesesten Charaktere die Menschheit geißelten?
41. Wie fatal wirkt sich gegenwärtig das antiquierte religiöse Weltbild vor allem für die Armen aus?
42. Hat der christliche Wahnsinn durch die Inquisition nicht die kulturelle, wissenschaftliche und humane Fortentwicklung der Menschheit über zwei Jahrtausende be- und auch verhindert?
43. Bedeutete Bildung und Kultur durch die Religionen nicht immer die Bevorzugung der Konformen und Reichen?
44. Wenn Jesus und Maria angeblich körperlich in den Himmel aufgefahren sind, stellt sich zwingend die Frage: Wo sind sie geblieben? Physisch in einem geistigen Himmel?
45. Bedeutet „Geheimnis des Glaubens“ nicht im Klartext: Ausschaltung jeglicher Intelligenz?

Allgemein gültiger Herrschaftsanspruch?

46. Religionen beanspruchen Herrschaft mit allen anderen als demokratischen Mitteln. Kann eine durch und durch hierarchisch strukturierte Religion, vor allem nach ihren historischen, grausamsten Versagen während ungezählter Menschheitsgenerationen überall auf dem Globus ehrlicherweise Grundlage einer demokratischen Verfassung sein?
47. Sind nicht Staat und Religion konsequent zu trennen, nicht zuletzt, weil sich immer mehr Menschen aus sehr verschiedenen Gründen endlich von den Kirchen distanzieren?
48. Handelt es sich nicht um weitgehend unreflektierte Nötigung, wenn den Menschen häufigst das Depressions-Symbol schlechthin, also das Kruzifix vor die Nase gehalten wird – im Kindergarten, in der Schule, im Krankenhaus, im Altenheim, im Gerichtssaal, in Feld und Flur – und wenn die Glocken dröhnen, um auch akustisch die Präsenz der Religion zu untermauern?
49. Werden Säuglinge getauft, da man ahnt, dass ein nicht von Lebensbeginn an indoktrinierter Mensch kaum auf die Idee käme, sich einer religiösen Wahnsinnslehre anzuschließen, sich als denkendes Wesen dann per Taufe für immer einem „Gott“ zu verschreiben?
50. Welchen Einfluss im Detail üben die Religionen auf die Medien aus, die sie subtil, nicht selten direkt oder über Gremienposten beherrschen?
51. Kann man allen Ernstes religiöse Trägerschaften von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen mit entsprechend spiritistischer Ausrichtung – auch des Personals – gutheißen, wenn gleichzeitig die eigentlichen finanziellen Kosten der jeweiligen Einrichtungen mehrheitlich der Steuerzahler trägt?
52. Hat sich nicht der Kapitalismus zum umsatzsüchtigen Kumpanen der Religionen entwickelt, die scheinheilig die Verwässerung ihrer Feste beklagen und gleichzeitig über ihre materielle wie ideell-populistische Gewinnbeteiligung frohlocken?
53. Wird nicht wie eh und je auch jede noch so niederträchtige Politik im Namen eines „Gottes“ vorgetragen, gerechtfertigt und mit systematischem Terror durchgeführt?
54. Muss nicht – gerade wegen der demokratisch zu garantierenden Religionsfreiheit – die religiöse Praxis auf den Privatbereich beschränkt werden, um durch die eigene Freiheit Andersdenkenden nicht ihre Freiheit zu beschneiden?

Ganz und gar nicht rhetorisch stellt sich die Frage:

Wissen die Massen eigentlich, was sie wollen? – Glauben oder Wissen?

An den Glauben gerät man bequem durch alle möglichen „Propheten“, allesamt Scharlatane.
Um das Wissen muss man sich bemühen.
Vielleicht ist dieses sich Aufraffen zur weitest möglichen Erkenntnis ein Sinn des Lebens.
Ein erfrischend anderer jedenfalls als „Das Geheimnis des Glaubens“ mit seinem Depressions-Symbol.

55. Ist Religion nicht ein gescheitertes Gesellschaftsmodell und als solches unfähig, daher überflüssig zur Führung eines Lebens in Menschenwürde, die in jedem Falle höher zu bewerten ist als Götterphantasien?

Montag, 24. Mai 2010

Sequenzen von Skepsis (32)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

364
Welcher Regierungschef hat saubere Fingernägel oder Hände gar ?

365
„Geheimdienste“ bereinigen alles mit verruchter „Intelligenz“. Alles andere als intelligent.

366
Schön reden mündet in Schönreden, auch wenn Schönheit nirgends erkennbar.

367
Leben heißt Einsatz aller Sinne. Viel zu oft erfordert das aber nach wie vor den Einsatz des Lebens.

368
„Sie wissen nicht, was sie tun“, auch diese biblische Legende stimmt so nicht. Sie wissen sehr genau, wie sie das Denken steuern, verhindern und verbieten.

369
Separatisten, die sich aus einem Unrechtsstaat zu befreien suchen, tragen Sympathien. Wohin aber steuern Abtrünnige, die sich von einem Staat lösen möchten, der EU-Mitglied ist? Und was etwa hat das Kosovo vor, das sich im Februar 2008 – obwohl selbstständig gar nicht lebensfähig – von Serbien unabhängig erklärte, während Serbien gerade erst einen pro-europäischen Präsidenten gewählt hatte?
Separatisten sind auch Nationalisten, die gerne in die Strategien gewisser Mächte passen.

370
So manches voreilige Konzept ließe sich zerreißen, wäre der Verstand nicht ideologisiert.

371
Kaum eine wirkliche Größe ginge in die Politik, Winzlinge gehen zuhauf.

372
Das Kolosseum und der Dom bilden über Rom hinaus ein Äquivalent auf einer Achse.

373
Gutmenschen formulieren Argloses, bis man ihnen kompromisslos vorformuliert, doch auch das empfinden sie als etwas Gutes.

374
Die Kenntnis des tatsächlichen eigenen Zustands erschließt sich der Gesellschaft erst im Nachhinein – wenn überhaupt. – Noch so ein Trägheitsgesetz.

375
Dem Menschen „Gott“ ist nichts heilig, es sei denn das Ego; eben typisch Gott!

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Donnerstag, 20. Mai 2010

Sequenzen von Skepsis (31)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

352
Von Ehrgeiz zerfressene Figuren versammeln sich wie Wachsgestalten in Kabinetten.

353
Zwei Unterscheidungsmerkmale heben den Menschen vom Tier ab: seine vorzügliche Intelligenz und darauf fußend seine unbezwingbare Dummheit.

354
Nachrichtensprecher funktionieren als Sprachrohre.

355
In den Grenzen des "Hohlismus" erstickt jedes Echo nach dem Erbrechungsgesetz.

356
„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“ (David Ben Gurion, 1. israelischer Premierminister)
Man kann nicht präziser die Bewusstseinsspaltung religiöser Menschen einfordern.

357
Der Zug der Zeit rollt unverändert der religiösen Vergangenheit entgegen. Aber längst nicht mehr alle Menschen reisen in diese Richtung. Vivat!

358
Weil der Tod nicht als das verstanden wird, was er ist, geistern Weltbilder unsinniger Hoffnung durch die Köpfe und sorgen dafür, dass der Unverstandene myriadenfach und unter Qualen vorzeitig eintritt. Paradoxe Erlösung!

359
Bruderschaften, Orden, Rosenkreuzler, Templer, Anthroposophen, Erleuchtete, Scientologen, Rotarier, Lions, Freimaurer, Kreuzritter, Parapsychologen, Sektierer, Opus Dei.
Welch eine Nächstenliebe!

360
Jeder Politiker, der Waffengewalt für die Durchsetzung seines Programms proklamiert, ist ein intellektueller Versager. Er wird manchmal mehrheitlich, sogar bei hoher Wahlbeteiligung gewählt. Aber so wählt sich die Demokratie ab.

361
Höhere Dynamik und Flexibilität einerseits und verankerte Wissenserfahrung andererseits bilden die Grundlagen für Generationskonflikte, vor allem wenn die Jugend tatendurstig Problemlösungen ausprobiert, die sich den Älteren längst als untauglich erwiesen. Ideologien setzen vor allem darauf: Bloß nichts aus der Geschichte lernen!

362
Da der ehemalige russische Präsident Putin kein „lupenreiner Demokrat“ ist, hält er den deutschen Alt-Kanzler Schröder wahrscheinlich für einen solchen.

363
Aus Wahlkämpfen quillt Politik nach Stimmungslage und Laune. Künftige Demokratie indes, die ihren eigenen Ansprüchen standhalten könnte, wird auf objektivierbaren Fakten stehen.

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Freitag, 7. Mai 2010

Sequenzen von Skepsis (30)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

340
Der gängige Humor hat so etwas Totlachendes. Ich lächle. Euch an.

341
Zeit ist kostbar. Zum (sich) Sammeln.

342
Alle brauchen wir Anerkennung. Wir haben ein Recht darauf.

343
Wer sich weise nennt oder offiziell so deklarieren lässt, ist rundheraus bescheuert.

344
Jeder im System der Selbstgerechten ist schuldig. (Sollte es nötig sein, exemplarisch systematisch Mustergültige zu indizieren?)

345
„Wen erreiche ich?“ ist die Umkehrung eigentlich: „Wer möchte mich erreichen?“
Ich zweifle, aber ich negiere nicht. Ich hatte keinen Traum („I had a dream“), sondern ich habe die Gewissheit, das Wissen, dass Kosmonomie als Prinzip, das viele andere Namen tragen könnte, das Leben belebt; zu leben heißt, zu denken, zu sprechen, zu singen, zu träumen, entsprechend zu handeln. Wer betet, verehrt den Tod. Oh, „Gott“ !

346
Lehrer als Eltern zum Elternsprechtag! Und Bildung wird ein "Stuhlkreis", gedehnt zur "Lernspirale": modernstes "Methoden-Training" im "Haus des Lernens". Eine "Lernstands-Erhebung".

347
Der Wald starb nicht einmal unter der Papiertonnen schweren Last der Kopierwütigen in den Ministerien und ihren untergeordneten „Organen“, die den Wald mit grüner Ideologie immer noch vernichten wollen. Sie sind schlicht heraus zu grün, die Welt zu verstehen. Immerhin wurden einige der Elfen und Trolle ganz schön fett dabei.

348
Quoten quantifizieren Qualitätsverluste.

349
Globalisierung meint bei weitem keine kosmopolitische Gesinnung.

350
Dreifaltigkeit! Welch eine Einfalt, an einen solchen polytheistischen Monotheismus zu glauben. Erweitert durch Maria, Engel, Heilige. Hunderte infantile Adressen.

351
Börsen- und Finanzastrologen prägen Sterntaler.


*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Montag, 3. Mai 2010

Abseits vom Ethos

Das Ethos – einst griechischer Inbegriff von moralischen Werten – scheint sich mit der Blüte der hellenistischen Hochkonjunktur verausgabt zu haben. Allgemeine Wertenormierungen heute sind heruntergekommenes Geschwätz, zumal religiöse „Sittlichkeit“ seit jeher zweierlei Maß praktiziert: das der Herrscher und das der Unterdrückten.

Ausgehend von den hohen Ansprüchen in der Antike hat die Menschheit global im gesellschaftlichen Miteinander keine Weiterentwicklung erlebt, stattdessen bremsten sich Religionen regional aus, indem es jeweils nur um eigene Ausbreitung (Mission) und Machtuntermauerung ging. Dieser Status quo ist aktuell und gewinnt als das „Abseits vom Ethos“ immer deutlichere Konturen, weil moderne Technologien die katastrophalen Ergebnisse von Fehlverhalten beschleunigt und schonungslos vor Augen führen.

Die Signifikanz von „normierter“ Unverbindlichkeit der Machthaber in allen politischen Systemen zum jeweils nur eigenen Vorteil nimmt Ausmaße an, die so erdrückend erscheinen, dass Gelehrte genauso verunsichert agieren wie die maßlos ungebildete Allgemeinheit.
Apropos: „Gelehrte“: Wie viele der klugen Köpfe prostituieren sich, stehen in Diensten von Ideologen und Konzernen, vertreten bestenfalls noch fachidiotische Prinzipien?!

Die Freiheit von Forschung und Lehre existiert nicht; lediglich die zweifelhafte Freiheit von Geldgebern regiert gemäß eines perversen Kapitalismus’, der inzwischen in allen Gesellschaftsstrukturen der Welt, sogar im Kommunismus wuchert.

Wenn allein Gewinnoptimierung und permanentes Wachstum die anerkannten Normen darstellen, Einschaltquoten und Umsatzzahlen als Gütesiegel gelten, die zu oft durch getürkte Statistiken belegt werden, darf man sich nicht wundern, dass auf einem begrenzten Planeten der weitaus größte Anteil der Menschheit in unwürdigen Verhältnissen haust, dass darüber hinaus in der so genannten Zivilisation die Humanität, die Achtung vor Natur und Leben abhanden kommen.

Europa als „Abendland“ macht dem Namen alle Ehre: Sonnenuntergang! Das „Morgenland“ verschleiert sich, das „Reich der Mitte“ steckt mitten drin in allen negativen Entwicklungen, und die „Neue Welt“ schwadroniert in religiöser Dekadenz, denn „Religionsfreiheit“ besitzt keinerlei Freiheitswert, sondern beinhaltet de facto auch die Nötigung der Andersdenkenden.

Für den kosmonomisch argumentierenden Menschen bietet logischerweise das Kosmonomische Manifest den Ansatz zu Problemlösungen, doch bleibt festzuhalten, dass es sich hierbei um einen futuristischen Gesellschaftsentwurf handelt. Er ist nicht zur direkten politischen Umsetzung geeignet, da er von längerfristigen gesellschaftspolitischen Fortentwicklungen ausgeht.

Um dennoch einen Ausweg aus dem „Abseits vom Ethos“ anzubieten, stelle ich einmal einige Minimalforderungen zusammen, Punkte, die nicht nur für Deutschland existenzielle Dringlichkeit besitzen:

1. Lernen bedeutet Arbeit und nicht Spielerei.
2. Leistung ist differenziert zu fördern, zu fordern, anzuerkennen und nicht zu nivellieren.
3. Statt antiautoritärer Orientierungslosigkeit brauchen wir lebenserfahrene Richtungsweisung und Vorbildfunktion.
4. Hinter „Selbstverwirklichung“ verbirgt sich oft eine gefährliche Tarnung von Egoismus.
5. Freizeit wird sinnvoll durch freie Ruhephasen, kreative Aktivität und nicht durch Medien- und Konsumfetischismus.
6. Die mitmenschliche Achtung und Wertschätzung beginnt öffentlich in einer unverlogenen Politik, im fairen Wettbewerb, in korrekten Finanz- und Wirtschaftsverträgen für jedermann, in gerechten Entlohnungen und transparenten Preisen.
7. Das Gesundheitswesen hat sich am Menschen und nicht am Profit zu orientieren.

Solche und weitere humane Verbesserungen werden nur gelingen, – und das füge ich mit besonderem Nachdruck hinzu – wenn
8. die Gesellschaft über eine wirklich freie, nicht manipulierende Presse verfügt und
9. der Staat über eine vollwertige, nicht interpretierbare Souveränität.

„Abseits vom Ethos“ darf kein endgültiges Urteil sein, sondern ist das Signal zum Aufbruch, wie es inzwischen aus zahlreichen Fachkreisen gefordert wird.
Machen wir uns aber – speziell in Deutschland und Europa – nichts vor: Die Politiker des gegenwärtigen Zuschnitts sind überfordert, denn sie gingen durch das verspielend versagende Bildungssystem, das sie sogar weiter ausbauen: „Das beste Bildungssystem der Welt!“ tönte schon vor fünf Jahren eine dieser Kompetenz-Granaten ohne jeden Selbstzweifel: Dr. Jürgen Rüttgers, CDU-Ministerpräsident NRW. In anderen Ländern stellen andere Parteien gleiche Sprücheklopfer.

Solange allerdings – ich spitze bewusst zu – eine verschlafene und hinters Licht geführte Öffentlichkeit neuerliche Kriegsaktivitäten und extensive Waffengeschäfte dieses ungeläuterten Deutschlands hinnimmt, bleibt Ethos vom Ursprung und von der Semantik her ein Fremdwort.

Donnerstag, 29. April 2010

Sequenzen von Skepsis (29)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

328
Kaum zu glauben, wie viele Menschen lediglich glauben.
Aber wen wundert’s wirklich?

329
Der „Klimarat“ wäre gut beraten, seinen Unrat zu entsorgen.

330
Amtsräte erraten ihr Amt, Geheimräte verraten manches, Oberräten ist nicht zu raten, Regierungsräte machen ratlos.

331
Nächstenliebe auf dem Umweg über einen Gott diffamiert sich selbst: Die kürzeste Verbindung zweier Punkte ist die Strecke, keine Dreieckskonstruktion!

332
Der Aachener Karnevals-Orden „Wider den tierischen Ernst“ findet sein Pendant mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen: Im Jahre 2008 belobhudelt der französische Präsident Nicolas Sarkozy die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er sogar „liebt“.
Aber Karl der Große, zu dessen Ehren der Preis gestiftet wurde in Erinnerung an seine gewaltigen Christenbekehrungen als Beginn einer Einheitlichkeit Europas, wurde sogar als Heiliger ausgezeichnet.
Sarkasmus beschwingt.
Europas grausame Geschichte gründet in christlicher Religion.

333
Lesen ohne Denkpause ist wie nicht lesen.

334
Die eleganteste und vornehmste Hilfeleistung ist die Befähigung zur Selbsthilfe. Entwicklungshelfer, aber auch Lehrer könnten sich auszeichnen.

335
Unangenehm berühren mich nihilistische Postulate in dem Sinne, dass ich nicht nachvollziehen kann, wie man ein konkretes Leben in der umfassenden Negation bewerkstelligen, ja aushalten sollte und wie man eine solche Philosophie mit welchem Wert für die Menschheit allgemein transferieren möchte. Sollte Letzteres aber gar nicht das Anliegen sein, handelt es sich doch nur um eitle Abschiedsbriefe der Verfasser aus der Mitmenschlichkeit.
Das Recht gestehe ich ihnen zu, solange sie nicht zu Brandstiftern werden.

336
„Globalisierung“ wird zum Fluch durch Hegemonialbestrebungen von mächtigen Egozentrikern und ihren naiven Andienern. Die Unreife des Menschen droht, Zivilisation ad absurdum zu führen.

337
Können Sie das, was geglaubt wird, unterschreiben oder beten Sie nach?

338
So kurz viele Sätze, doch vieles sagend, wenn die Sprache nicht zu kurz kommt.

339
Jede Liturgie eine Mumifizierung des Verstandes!


*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Dienstag, 27. April 2010

Der Nebel heißt Glaube

„Das Begriffsvermögen ..... war vernebelt, und der Nebel hieß Glaube.“, so charakterisiert Frank Schätzing die Situation des Mittelalters in seinem Buch „Tod und Teufel“, dessen empfehlenswerte Lektüre frappierende Einblicke in bis heute unveränderte Verhaltensweisen von Wesen gewährt, die ich in meiner gegenwärtigen Gesellschaftskritik als „Interimsmenschen“ bezeichne.
Die drastische Verrohung, Primitivität und die Diskriminierungen mögen heute in den so genannt zivilisierten Gesellschaftsordnungen abgemildert erscheinen, doch der wesentliche „Nebel“ heißt nach wie vor „Glaube“, durch moderne Kommunikationsmittel nur subtiler, subversiver, dadurch aber weniger einheitlich geschlossen, sondern ausfasernd in schillerndste Fransen orthodoxer, fundamentalistischer, esoterischer Spiritualitäten.

Allen gemeinsam ist die Abkehr von der Realität, von Logik und Verstand hin zu Mystizismus und Dogmatismus unter Einsatz sämtlicher Tricks zur Erzeugung von Verunsicherung und Angst, um irrwitzige Erlösungsversprechen anzupreisen, zu vermarkten und auch gewaltsam aufzuzwingen.
In diesem weltweiten Szenario spielt das Christentum keineswegs eine bessere Rolle als all die anderen Glaubensrichtungen, ganz im Gegenteil, in bestimmten Bereichen taktiert es menschenverachtend mit seiner Überlegenheit in Struktur und Organisation – und es schlägt vernichtend zu!
Freilich geschehen diese Frevel im Gesäusel von Friedensappellen und –gebeten sowie im Hinblick auf ein freies Wirtschaftswachstum zum Wohle aller gottgefälligen Reichen in der Welt.

Im Nebel ohne entsprechendes Instrumentarium zu stehen, bedeutet gemeinhin Orientierungslosigkeit, Spielball der Natur zu sein, irgendwie wird man durchkommen („Es hat noch immer gut gegangen.“), wenn nicht – ein Grund mehr zum Beten und sich in „Gottes“ unergründlichen Ratschluss zu fügen.
Zum Nebel gesellt sich Blindheit als feinste Voraussetzung für „Gottergebenheit“.
Eine solche Analyse gilt aber nicht für den praktizierenden Gottesanbeter, weil er sie aus seinem Glauben heraus nicht nachvollziehen kann.

Der verantwortungsbewusste Religionskritiker muss das erkennen, entsprechend taktvoll argumentieren – oder sich zurückziehen. Es kann nicht sein, dass Aufklärer in einen „Religionskrieg“ ziehen. Zumindest kennzeichnet das die kosmonomische Philosophie.
Sie gibt damit keineswegs klein bei, aber sie gießt kein Öl ins Feuer. Sie übernimmt Verantwortung für kultiviert friedlich-kritisches Nachfragen, weiß sie doch über die immer wieder aufbrechende Friedensunfähigkeit der Religionen.

Persönlich trage ich gelegentlich schwer an religiösen Beisetzungsfeierlichkeiten, denn ich nehme daran teil, um meiner lebenden Umgebung meine Wertschätzung des Verstorbenen, meine Verbundenheit mit den Hinterbliebenen auszudrücken. Was ich mir aber in diesem Rahmen an Religiösem zumuten lassen muss, ahnen nicht einmal diejenigen, die meine Weltanschauung einigermaßen kennen.
Das erklärt sich wiederum daraus, dass es in meinem weitläufigen Bekannten- und Freundeskreis kaum eine einzige konsequent bekennend religionsfreie Person gibt.

Damit stoße ich als „Freigeist“ fortwährend an meine Grenzen, denn über den Wolken und hinter dem Nebel gibt es Freiheit nur, wenn dort auch wenigstens ein paar freie Menschen sind.

Dienstag, 20. April 2010

Sequenzen von Skepsis (28)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

316
Gäbe es Gott, hätte er seine Schöpfung vor allem mit der Dummheit gekrönt.

317
Naturwundern gleich erscheinen mir Menschen, die sich aufopfernd um Einzelschicksale kümmern. Gleichgültig welcher weltanschaulichen Motivation, ist ihre Hinwendung der evolutionäre Spross, der die Menschwerdung des Menschen erkenntnistheoretisch und moralisch eindrucksvoll untermauert.

318
Intelligenz schützt nicht vor Göttern und Teufeln.
Bildung hätte das Zeug dazu.
Doch was ist Bildung, woher kommt sie? Wie gelangt sie in die teuflische Kausalzirkulation?

319
Bildung ist Wissen, angewandt zur einfühlsamen Pflege, zur Achtung, zum Schutz des Lebens. Darüber hinaus ist Bildung gar nichts!

320
Partnerschaften mögen traumhaft erscheinen, bis einer erkennt, was die Zweisamkeit ausbremst. Neben dem machtvoll bigotten sexuellen Misstrauen gibt es das mangelnde Zutrauen, etwa in dem unbewussten Zusammenhang: Wer sich mit mir eingelassen hat, ist zu wirklich Außergewöhnlichem nicht fähig. Veranlagungen, Talente werden so ausgeknipst.

321
Zitatenreichtum hat etwas Blendendes.

322
Geister existieren in Form menschlicher Verhaltensmuster. Demnach ist der olympische Geist definitiv vor dem Ziel zusammengebrochen.

323
Unverständnis mag dich anklagen. Begegne ihm mit Verständnis, aber unverzagt.

324
„Let my people go.“
Ein freier Mensch geht.

325
So komplex die Gedanken, so geschätzt das prägnante Fazit.

326
Ein Zufall bin ich wie jede Struktur und Planung in der jeweilig aktuellen Bandbreite eben des Zufalls.

327
Ein gekünsteltes Nichts mag dennoch Millionen Preisgeld einstreichen – ist das nicht Kunst?

Freitag, 16. April 2010

Nichts ist Ewigkeit

Mit den Begriffen „Nichts“ und „Ewigkeit“ stoßen wir philosophisch an die Grenzen des Verstehens, weil sie sich im dualistischen Alltag zwar ständig im Gebrauch finden, sich bei eingehender Betrachtung so oberflächlich aber nicht erklären oder ableiten lassen. Sie reichen quasi über die üblichen jeweiligen Gegensätzlichkeiten wie etwa hell – dunkel, kalt – warm, plus – minus etc. hinaus, berühren den Rand des Fassbaren.
Werden beide Termini, also „Nichts“ und „Ewigkeit“ in Relation gebracht, wie in der Überschrift geschehen, deutet sich gedanklicher Tiefgang an, sogar die Möglichkeit der Unlösbarkeit des Problems und damit auch gleichzeitig die lästige Tendenz zum Irrationalen, zu Transzendenz und Religion.

„Nichts“ gebrauchen wir gewöhnlich als eine Art Null-Mengenangabe von irgendetwas, es bezieht sich auf Lebewesen und Gegenstände im weitesten Sinne, aber ebenso auf Verhaltensweisen („man tut nichts“) und auf den Status von Wissen und Erkenntnissen. „Nichts von alldem“, sagt man, wobei „alldem“ etwas als bekannt Definiertes darstellt. Die häufig verwendete Floskel „es ist nichts“ bezieht sich sogar auf Unbekanntes, auf Eventuelles. In jedem Fall spiegelt sich das Fehlen einer Menge.

Komplizierter wird die Begrifflichkeit, sinniert man über das Nichts. Es schließt das Sein überhaupt aus. Alles, was das praktische und theoretisierende Leben ausmacht, ist nicht mehr, das heißt konkret: Das Nichts und das Sein wären Antipoden, doch das Nichts lässt als solches selbst das nicht zu, denn als Nichts kann es auch kein Gegenpol sein.
Es wird deutlich, dieses Gedankenkonstrukt ist untauglich, um als Jenseits zum faktischen Leben zu gelten. Selbst das buddhistische Nirwana muss deshalb eine negative und eine positive Seite entwerfen: negativ, das Erlöschen des unheilvollen Dranges zum Dasein und positiv, das nicht definierbare Erlöstsein nach dem Abfallen von der Körperlichkeit im Tode.
Das als Ziel zu propagieren, charakterisiert Religion und nicht Philosophie.

Ewigkeit meint strikte Zeitlosigkeit, ohne Beginn und ohne Ende. Auch eine derartige Erfahrung gibt es im praktischen Leben nicht, alles im Mikro- wie im Makrokosmos unterliegt Entwicklungen. Nicht minder zeichnet sich im scheinbar stabilen Gleichgewicht stets ein Ende ab. Der allererste Anstoß der Entwicklungsprozesse mag so weit zurück liegen, dass er sich menschlichem Verständnis wahrscheinlich für immer verschließt, und ebenso uneinsehbar bleibt die ferne Zukunft des Universums und damit auch die des Menschen.

Unter dem Leidensdruck der allgegenwärtigen eigenen individuellen Vergänglichkeit verbindet sich die allgemeine Zukunftsungewissheit drangvoll mit der persönlichen Sinnfrage, die jedoch keine objektive Antwort kennen kann – in einem Universum als Lebensraum, dessen Rahmenbedingungen, dessen Grenzen weder zeitlich noch räumlich zu definieren sind.

Der Wunsch liegt nahe, irgendwie in die Ewigkeit einzugehen, obgleich sie nur eine Teil-Ewigkeit wäre, indem die individuelle Zeugung und Geburt eindeutig den persönlichen Lebensbeginn markieren.
Ewigkeit wäre also die Antipode zu Zeit, doch beinhaltet Ewigkeit keine Zeitlichkeit, schon gar nicht als vergängliche Opposition.
Käme auch nur ein Mensch in die Ewigkeit, wäre sie mit dem zeitlichen Eintritt als Ewigkeit aufgehoben, vernichtet.
Wieder stellt sich das Gedankenkonstrukt als für das praktische Leben untaugliches Jenseits heraus oder ganz banal als Flucht aus dem faktischen Leben.

Kombinieren wir nun beide Begriffe „Nichts ist Ewigkeit“, so ergeben sich folgende Möglichkeiten:
1. Es gibt nichts, das ewig ist. Die Ewigkeit wird verworfen.
2. Das Nichts ist ewig, also zeitlos, damit vordergründig ein ideales Asyl aus der Lebensrealität. Gelangte aber auch nur ein Mensch ideell ins Nichts, wäre es kein Nichts mehr.
3. Im ewigen Nichts gibt es demzufolge auch keinen (ewigen) Gott. Die Gegensätze von Buddhismus und beispielsweise Christentum werden unüberbrückbar.
4. Ein ewiges Nichts wie eine nichtige Ewigkeit beschreiben so entsprechend unausgegorene Naivträume, die sich in Ermangelung von Logik und Kausalität und auch durch Bequemlichkeit zu Albträumen auftürmen, als Religion organisieren.

Es ist signifikant, wie ausgerechnet die Religionen, die auf Ausstiegsmechanismen von „Ewigkeit“ und „Nichts“ setzen, in ihrer Glaubensausübung umso mehr den ganz irdischen Dualismen verfallen: Gut und Böse, Licht und Schatten, jeweils nach eigener Auslegung und Interpretation, zur Entmündigung der Gläubigen, die man zum Glauben drängt, ja zwingt, denen man das Denken verbietet.

In diesem Sinne stirbt jeder Gotteskrieger für nichts.
Und ewig schon gar nicht lässt sich die Intelligenz unterdrücken, auch wenn es gefühlte Ewigkeiten (die eben keine sind) dauern wird, ehe der Interimsmensch epochale Ablösung erfährt. Auch er ist nicht „ewig“, und die Menschheit wird nicht ins Nichts fallen ohne Götter.

Erst eine Abkehr von den magisch-mystisch-religiösen Schein-Parallelwelten kann ein wirklich neues Kapitel der Kulturgeschichte einleiten: Die Konzentration auf ein würdiges „Hier und Jetzt“ in aufgeklarter, sogar leidenschaftlicher Hingabe an das Leben und nicht an den Tod.

Immens ist die Geduld, welche das 21. Jahrhundert den aufgeklärten Menschen abverlangt.

Mittwoch, 14. April 2010

Wahl-Bekenntnis

Als Bürger Nordrhein-Westfalens erhielt ich jetzt die „Wahlbenachrichtigung zur Landtagswahl am Sonntag, dem 9. Mai 2010, von 8.00 bis 18.00 Uhr“.

Ich bin mir bewusst, welches Privileg mir im weltweiten Vergleich zuteil wird, und ich werde wählen: ungültig.

1. Das Wahrnehmen des demokratischen Wahlrechts betrachte ich als Verpflichtung innerhalb des hohen Gutes der Demokratie.

2. Als religionsfreier Kosmopolit und Pazifist kann ich keiner Partei meine Stimme geben, die Kriegseinsätze und Waffenhandel betreibt und in der täglichen Wirklichkeit Demokratie und Humanismus verrät, weil sie Handlanger definitiv skrupelloser Lobbyisten ist.

3. Von den effektiven Parteien käme also nur die „Linke“ in Frage, doch sitzen dort noch Kader, vor denen ich als Jugendlicher aus der DDR fliehen musste.

Mit dem Bekenntnis spreche ich niemandem eine Wahlempfehlung aus; wie käme ich auch dazu, es wäre Anmaßung.

Vielleicht animiere ich zu sachlichen, fundierten Kommentaren?

Montag, 12. April 2010

Sequenzen von Skepsis (27)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

304
Ist es nicht frappierend, wie geistig und äußerlich die Nazi-Größen ihren Rassenwahn persiflierten: einfach hässliche Menschen! So viel Wahrheit ist unerlässlich gerade auch im Hinblick auf die Würde selbst von Verbrechern.

305
Losgelöst von Religion betritt man eine ganz andere Welt, ein annähernd reales Neuland, das den Gläubigen verdammt verschlossen bleibt, denn in Käfighaltung geborene Individuen träumen nicht von einer weiten Freiheit.

306
Wahlkampf made in USA definiert die Demokratur anrüchigen Geldes.

307
Olympia heute strebt pseudoreligiös nach Metallenem.

308
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus überfrisst sich der Kapitalismus.

309
Das Denken ist keine Massenveranstaltung.

310
Öl schmiert alles (an).

311
Die sexuelle Revolution der 68er zeugte die emanzipierte Prüderie, deren Selbstverwirklichung Kinder verhindert oder ins Nichts entlässt.

312
Das Geheimnis des Glaubens ist seine faktische Schizophrenie.

313
Ideologen schlachten sogar Leichen aus: Lenin, Padre Pio, etc.

314
Spätestens wenn sich die Menschheit auslöscht, stirbt Gott (an Langeweile).

315
Jeder Staat zeigt sein wahres Menschenbild im Verhältnis der Aufwendungen für die Rüstung zum Bildungs-Budget. – Man macht sich kein Bild!

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Donnerstag, 1. April 2010

Kosmonomie - ein weiterer Erläuterungsversuch

So wie Gedanken auftauchen, so vielfältig und abrupt, aber auch so eng entlang eines Themas, geplant oder spontan angestoßen, kommt dieses Blog daher, will beleuchten eine Figur, die es als solche noch gar nicht recht gibt: Den Menschen.
Man mag einwenden, den Menschen gäbe es bereits im Übermaße, milliardenfach. Doch gerade dieser Zustand scheint ein erster Hinweis dafür zu sein, dass „der Mensch“ evolutionär noch gesucht wird. Denn was menschlich sei, wird individuell ganz unterschiedlich ausgelegt, meist zum eigenen Vorteil, und stellt in der Gesamtübersicht ein Kolossalgemälde brutaler geistiger und physischer gegenseitiger Vernichtungen dar.

Wirtschaftlich aufblühende Zentren, Ferienparadiese, sozial geglättete Alltage spiegeln Menschlichkeit vor und sind dennoch nichts als scharfe Zähne im globalen Räderwerk der Ausbeutung und Unterwerfung von Mensch und Natur, hervorgerufen und abgesegnet durch Ideologien und Religionen, die es bisher verhinderten, den Menschen zum Menschen werden zu lassen.

Die meisten Religionen suggerieren eine übersinnliche Macht als Ursprung der Welt und damit auch als „Erschafferin“ des Menschen. Als Allmacht bestimmt sie angeblich die Geschicke jedes Einzelnen wie die von Volksgruppen und ganzen Völkern und dereinst in der Apokalypse, dem Weltende, das Schicksal in ewiger Freude oder Verdammnis – was immer das bedeuten mag. Mit derartig rigorosem Hintergrund sorgen sich die Religionen um jedes Individuum, kennen sie doch durch Prophetentum den exakten Willen ihrer Götter, die einen schier unendlichen Forderungskatalog an die Menschen in Form von Verboten und Geboten erstellten.

Um die Forderungen durchzusetzen, ist ein konsequent drastisches Strafen-Register erforderlich, das als Rechtsgrundlage ohne Alternative das Individuum unterwirft.
Darüber hinaus entwickeln die meisten Religionen ein überzogenes Sendungsbewusstsein, die eigene Sicht der Welt als die einzige Wahrheit aufzuzwingen (Mission, etc.) und bei jeder sich bietenden Gelegenheit auch in mehr oder weniger offen propagierte „heilige“ oder beispielsweise „freiheitlich-christliche“ Kriegsaktionen umzusetzen.
Dies alles zu erkennen und zu beschreiben, wird in Gläubigenkreisen entrüstet schon als Ungehörigkeit betrachtet und offen oder subtil bekämpft.

Mein Anliegen ist es, niemandem eine Meinung aufzuzwingen, stattdessen zu einem freien Denken anzuregen, den Mut aufzubringen, verkrustete menschenfeindliche Strukturen zu hinterfragen und die religiösen Tabus und Verlogenheiten zu verwerfen, denn sie wirken global als verklärte Machtinteressen skrupelloser oder einfach nur dümmlich verblendeter Hüter von Menschen missachtenden Unwerten.
Am Beginn des 21. Jahrhunderts derartig deutlich Bilanz zu ziehen, ist ebenso riskant wie im Mittelalter, denn jede Art von Inquisition besteht fort, das heißt: Die gewaltsamen Vernichter im Namen irgendeines Gottes wurden keineswegs weniger, und sie nutzen alle modernen Hilfsmittel.

Als einziges Wesen auf der Erde hätte der Mensch die Möglichkeit, alle Naturgewalten, die sich gegen ihn richten, abzumildern, das Leben zu humanisieren vor allem durch intelligente Anwendung der erforschbaren Naturgesetze. In diesem Kontext steht die Forderung der Gewaltlosigkeit der Menschen untereinander als „Minimalhumanismus“. Angesichts der tatsächlichen Verhältnisse im Großen wie im Kleinen eine derzeit futuristische Schwärmerei!

Aber ausschließlich die Kraft der Aufklärung besitzt die Option zu humanen Veränderungen. Auf sie nur zu hoffen, statt selber in ihrem Geiste aktiv zu werden, meint Opportunismus – die allgegenwärtige Lähmung, die der freie Geist unter sorgfältigen Abwägungen immer wieder neu zu überwinden trachtet.

__________________________________________

Denk mal! Nr. 11

Wer auf Sachargumente mit persönlichen Angriffen reagiert, ist kein adäquater Gesprächspartner, sondern ein erklärter Gegner.

__________________________________________


Die Erde dreht sich in zwei Minuten ein halbes Grad um ihre Achse, entsprechend etwa dem scheinbaren Sonnen- oder Monddurchmesser, gleichzeitig eilt sie um die Sonne mit ca. 30 km/s, die Sonne ihrerseits umrundet das galaktische Zentrum mit ca. 250 km/s, die Galaxis bewegt sich ..... usw.

Dagegen nimmt sich die Menschheit aus wie der Fliegenfleck auf einer Christbaumkugel, allerdings ein ziemlich ekliger, denn sie verschmiert facettenreich zunehmend die gesamte Oberfläche des Globus. Doch was bedeutet es schon universal, wenn der Glanz der Kugel erblindet, wenn der Verursacher an seinen sorglosen Ausscheidungen selbst zugrunde geht? – Es ist bedeutungslos!
Das Individuum aber lebt in dem Milieu, für jeden Einzelmenschen hat der „globale Fliegenschiss“ existenzielle Bedeutung.

Bleiben wir im Bildlichen: Die Hygiene, die geistige Abfallentsorgung ist eine wesentliche Herausforderung, der die Menschheit bisher noch weniger gewachsen ist als der biologischen und technologischen Schmutz- und Müllentsorgung weltweit.
Wer je das absolut zuverlässige Gleichmaß der Drehung des Himmelsgewölbes, von Auf- und Untergang verinnerlichte – das kann man, mit einigen Wettereinschränkungen, täglich -, der weiß, dass kleinkarierter Götterglaube, dass Göttergeschwätz stets den Tod und keineswegs das Leben zum Inhalt hat.

Erst wenn sich die Menschen ihres individuellen Wertes bewusst werden, die Werte eines gewaltfreien Humanismus aus sich heraus erkennen, die Ethik als Prinzip der Menschenachtung und der Menschenrechte aus sich heraus verstehen, wird es Menschen geben. (Friedrich Nietzsche wusste, wovon er sprach.)

Die Voraussetzungen dafür sind 1. Bildung, 2. Gleichberechtigung und 3. Geburtenkontrolle. Trotz oder gerade wegen der gängigen Sonntagsreden werden alle drei Kriterien nicht nur missachtet, sondern massiv verhindert – und zwar oft von sich „Demokraten“ Nennenden, aber konsequent Mächtigen in allen Ländern der Erde.

„Ein halbes Grad ....“, welcher Prozentsatz der Erdbevölkerung kann sich überhaupt etwas darunter vorstellen? Und wie viele von diesen Unwissenden hantieren täglich mit modernen Waffen, die ihnen Halbwissende im Interesse von Geschäftemachern und Kriegsgewinnlern allgemein in die Hände drücken?
„Ein halbes Grad ....“, Sonne und Mond etc. waren einst Götter; bei Milliarden (!) Menschen heute noch!
Dank der sogenannten „G-8-Staaten“ in ihrer Zerstrittenheit aufgrund von Wirtschaftsinteressen und militärischen Positionsspielen verfügen „Hinterwäldler“ über Nuklearwaffen.

So mag dieses Blog (es wird auch ausgedruckt hinterlegt) vielleicht ferneren Generationen als Zeugnis dafür dienen, in welch hoffnungslosen Glaubenszuständen sich die Menschheit im sogenannten Atom- und Technologiezeitalter wirklich befand.

Der „Mensch“ also wird zu einer unwahrscheinlichen Option der Entwicklungsgeschichte? – Falsch!
Unter freilich rigorosen Verlusten kommt er da heraus.

Wenn Hoffnung scheinbar endet, bedeutet das keinen evolutionären Stillstand, sodass sich die Möglichkeit eröffnet, innerhalb der langen geologischen und kosmologischen Veränderungen auch die humane Verwirklichung des Menschen in vergleichsweise wesentlich kürzeren Zeitbegriffen zu beginnen. Dann käme natürlich das Ende bisheriger Religionen und esoterischer Verwirrungen.

Es gibt nicht erst seit heute, sondern es gab auch schon früher Menschen mit kosmonomischem Selbstverständnis. Und die Kosmonomie ist keine Erfindung meinerseits, vielmehr ein Naturprinzip, das jeder von Religion freie Geist zu jeder Zeit erkennen kann. Ich verlieh dem Prinzip lediglich einen Namen.

Ich traue der Evolution des Humanismus Optimales zu. Denn so funktioniert die Evolution, ausgerichtet zum Überlebensfähigeren. Der religiös und ideologisch indoktrinierte und dabei auch gedankenlose, aktuelle Massenmensch ist definitiv eine entwicklungsgeschichtliche Sackgasse, täglich in den gegenseitigen Abschlachtungen – real wie virtuell – zu beklagen.

Wir brauchen Hoffnung durch Religionsentmachtung, meint frei zu sein von Göttern und ihren siechen Dämmerungen.

Freitag, 26. März 2010

Sequenzen von Skepsis (26)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

292
Es bleibt mir ein Rätsel, wie seit Menschengedenken Krieger fortwährend Menschenleben auslöschen, Folterungen und Abschlachtungen zelebrieren. Möglich erscheint mir das Grauen nur vor dem Hintergrund, dass Männer, aber auch Frauen das Wunderbare des entstehenden Lebens nicht verstehen und dadurch Menschlichkeit und Würde ignorieren. Begründet ist die Dauerneurose vor allem in Sexualfeindlichkeit, der eigentlichen Menschenfeindlichkeit. Denn Sexualität verkörpert Lebenslust, Vitalität, mächtige Hürden auf dem Weg in ein propagiertes „besseres“ Jenseits. Die Verachtung der Sexualität mündet in die Selbstverachtung, in die Erlösungsbedürftigkeit, jenem zerstörerischen Hirngespinst im Dienste von begnadeten Obrigkeiten.

293
Das kosmonome Weltbild ist futuristisch und mit keiner gängigen politischen Richtung „kompatibel“.
Keine ideologische Kraft der Gegenwart hat unmittelbar etwas zu befürchten, weil Kosmonomie von Menschen ganz anderer Entwicklungsstadien ausgeht und sich jenseits heute denkbarer Mehrheitsfähigkeiten befindet.
Der „nächste Morgen“ der Menschheit wird ein so schmerzliches Erwachen für nur noch wenige, die dann eben nicht die Apokalypse vollenden. Dann erst kommt der Mensch ohne Weihrauch.

294
Leistung will Zeit haben; „die Zeit“ bestimmt die Leistung.
Manchmal erfolgt die Leistungsanerkennung erst nach einiger Zeit.

295
Der Tod beendet alles. Kann man sich Schöneres vorstellen?
Für die Überlebenden ist Tod nur das Ende in mancher Beziehung.

296
Und wenn man liebt, ist man nicht trotz allem Egoist von feinster Niedertracht?

297
Warum fügt sich mein Schreiben so wenig in den Alltag?
Weil ich mit so vielen nicht reden kann.

298
Du wurdest gedemütigt, verletzt wie vielleicht jeder einmal, manche oft.
Du hast es aber nicht verwunden, da wurdest du krank, freutest dich an deiner Genesung.
Das nenne ich Bescheidenheit.

299
Als ich kam, ging ich. Niemandem mag ich sagen, wo und wie es vor Jahren war, weil ich immer noch da bin.

300
Mancher verlor den Blickkontakt, die Augen gesund, weil er ein Weltbild pflegte.

301
Berufsbild deutscher Lehrer und Abbild einer im Stich gelassenen deutschen Jugend:
Die Asymptote. - Ein Gesellschaftsphänomen.

302
Kurz, knapp und effizient sind nur Fortbildungen, die man selbst in die Hand nimmt.

303
Ausladend breit präsentiert sich der Fortgebildete im Schwulst der Termini, im leeren Stroh.

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Mittwoch, 24. März 2010

Wer liest, wer versteht?

Ein Buch zu schreiben mit dem zentralen Bekenntnis zur freiheitlichen Demokratie, zum Pazifismus, zur Gewaltfreiheit, zur Abkehr von Religion und Esoterik, zur Gleichberechtigung, zur Humanität, zur Menschenwürde, stellt in Deutschland eine solche Ungeheuerlichkeit dar, dass sich keines der bekannteren Medien daran wagt, eine Pressemeldung darüber zu veröffentlichen, geschweige denn eine Rezension.

Vielleicht, könnte man sagen, ist es das Buch auch nicht wert, weil es schlecht ist.
Da gibt es aber Rückmeldungen, die genau das Gegenteil bestätigen.

Die offenbar gewollte Nichtbeachtung ist nicht verwunderlich, denn das Buch ist weit freiheitlicher, konsequenter demokratisch als dieses Deutschland, weit ehrlicher, weil kosmopolitisch und nicht eingezwängt in vasallenhafte Bündnistreue zu Mächten, die den Planeten für ihre Interessen unter sich ideologisch vermarkten, ihn ausbeuten und schädigen, Mensch und Natur als Mittel zum Zweck betrachten.

Das Buch lässt sich nicht parteipolitisch einbinden, weil keine aktuelle Partei seinen Ansprüchen gerecht wird, weil diese Parteien überhaupt in Frage gestellt werden.
Das Buch dient keiner der gängigen Ideologien und Religionen, weil sich diese historisch nicht bewährten.

Weil also das Buch eine ganz andere Denkart für die (fernere) Zukunft anbietet, futuristisch anmuten muss, sollte es keinerlei Gefahr für jedwede gegenwärtige Staatsräson bedeuten.

Die neue Philosophie der Kosmonomie enttarnt aber schon, und das reicht, um sie zu verschweigen, besser, zu unterschlagen.
Das mag auch noch länger fortdauern, es liegt quasi in der Natur der Sache.

Es wäre unbedeutend, über das fremdbestimmte Nachkriegsdeutschland noch zu lamentieren; es gibt entscheidendere geografische Regionen. Deutschland wird aber als Marionette in einem Weltenkonzept (keineswegs Verschwörung!) von Finanzen, von Kriegstreibern und Kriegsgewinnlern mehr und mehr ins Spiel gebracht, indem es selbst nicht souverän ist und auch nicht sein soll.

Der deutsche Nationalismus, Faschismus und Rassismus des Dritten Reiches fand und findet an zahlreichen Stellen des Globus perfide, sogar perfekte Nachfolger. Sollte man sagen: Erben? Und das an sich geläutert sein sollende Europa stellt dem nichts entgegen, es spielt mit!

Man hat aus der Geschichte nichts gelernt, ist dazu unfähig, weil man nach den Gewaltausbrüchen des letzten Jahrhunderts nicht etwa der Gewalt überzeugend abschwor, sondern lediglich die Farben wechselte oder einfach die alten weiterhin glorifiziert.

Ach ja, das Buch:

„Menschliches Glauben“, Novumverlag, von Raymond Walden

****************

Freitag, 19. März 2010

Sequenzen von Skepsis (25)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

279
War Made Easy (Krieg leicht gemacht; Norman Salomon);
„Schurkenstaaten“ und „Achsen des Bösen“ werden übertroffen vom höchsten Lügenkonstrukt des amerikanischen Imperialismus und Hegemonismus, vom Verrat der Demokratie.

280
Religion sei der Trost der Leidenden (Violetta in La Traviata). Ich sehe es so: Religion ist das Leiden der Untröstlichen.

281
Zinsen überwuchern den Menschen als Defizit des Humanen.

282
Wir brauchen mehr Zeit:
Für unsere Kinder, für unsere Alten,
für unsere Bildung, für uns selbst,
für ein menschliches Leben.
Das wäre unser Kapital.

283
Nahrungsaufnahme ist biologische Notwendigkeit; die Art und Weise serviert sich als Visitenkarte.

284
Wer keine Stimme kennt, hört nur Anrufer, Ansager, Anpreiser und fällt darauf herein.

286
Geiz sei geil? Im Gegensatz zu euch, weil ihr nicht dürft. – Aber wer ist schon blöd!

287
Aus sicherer Entfernung wirkt manches Ereignis faszinierend, beglückend. Bei näherer Betrachtung spaltet sich das Empfinden in Verzückung und Bedrohung. Und dann erst das Leben hier vor Ort!

288
„Glücksspiel kann süchtig machen,“ formuliert die Bürokratie in der staatlichen Lotto-Werbung, auf dass der Betreiber seine Hände in Unschuld gewaschen habe.
Wie wäre es auch mit folgender Weißwaschung: „Krieg kann töten.“?

______________________________________________

DENK MAL! Nr. 10

Neuverschuldung: 80 000 000 000 Euro
(Achtzig Milliarden, real noch weit höher.)

So ergangen zu Berlin, 19.03.2010,

am Tag der politischen Inkontinenz.

_______________________________________________


289
Etwas Menschenkenntnis erleichtert die Wahrnehmung des Bröckelns hinter lächelnden Fassaden.

290
Diktaturen scheuen sich nicht, Oppositionelle, zumeist intelligente und mutige Menschen, in psychiatrische Anstalten zu verbringen. Andere Gesellschaften entwickeln allgemeine Schulsysteme mit Therapeuten, Psychologen, Sozialbetreuern, sogar mit Polizeischutz - und auch Lehrern. So entstehen erst gar keine Oppositionellen!

291
Siedeln Menschen in Risikozonen, ist ihnen nicht wirklich zu helfen. Die Naturbedingtheit der Aussage enthält keine gleichgültige Menschenverachtung, sondern Mitgefühl durch das Erkennen der eigenen Ohnmacht gegenüber einzelnen Menschen im Leid, die sich ihre Heimat nicht aussuchen konnten und sie nun auch nicht einfach verlassen können. Meidung des jeweiligen Landstrichs aber ist die einzige Lösung: Schöne Grüße aus San Francisco.

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Donnerstag, 18. März 2010

Das flache Bild

Überwunden sind die klobigen Fernsehkästen, seit flache Bildschirmtechnik brillante Bilder liefert, ohne in die Tiefe des Wohnens hineinzuragen. Als wäre die Errungenschaft nicht Platzersparnis genug, wird der Flachbildschirm segmentiert in scheinbares Hauptbild und Logoeinblendung, Datum/Uhrzeit-Fenster, Kanalerkennung, Werbelaufband, Nachrichtenticker, Börsendaten und so weiter.

Im Extremfall, der im Internet der Normalfall ist, blinkt und zappelt es an allen möglichen Stellen, um ja die eigentliche Programmbotschaft als Vehikel mit allem erdenklichen Ballast zu entwerten, zu missbrauchen oder sich im flachsten Fall mit ihr auf eine Stufe ohne Niveau zu stellen: laut, bunt, swinging, krakeelend, hypernervös, übergeschnappt, primitiv.

Die Einschaltquote rechtfertigt alles. Indes sind die Gehirne wohl alles andere als ein-, eher fehlgeschaltet.
Denn ich diskreditiere keineswegs die indifferente Masse, sondern die sogenannte Bildungsschicht, die die breitbandige Flachheit duldet und sich sogar daran delektiert.
Entschuldigen lassen sich die Flachebenen nicht, es sei denn, man geht davon aus, die Bildungsschicht stelle höchstens noch einen Flickenteppich dar, ein Patchwork aus Konzentrationsschwäche, aus Verunsicherung, Egoismus und Humanitätsdefizit, das heißt, sie hätte sich längst aufgegeben. Dann wäre sie schuldunfähig.
Könnte man das allen Ernstes glauben?

Es stimmt etwas in dieser europäischen Nachkriegsgesellschaft nicht. Die Geschichte ist bisher einseitig verfälscht aufgearbeitet worden und mehr noch, für die ersehnte bessere Zukunft wurde und wird ein durch Lobbyismus, Korruption und kapitalistischen Wucher gedemütigtes Demokratiesystem vorgegaukelt.

Einigkeit besteht darin, dass ohne Bekanntmachung, ohne Werbung ein Produkt kaum verkäuflich ist. Das rechtfertigt allerdings nicht das Abgleiten der Medien und der Werbung in Verblödung, Täuschung und Übervorteilung, in Betrug, dem staatlicherseits nichts entgegengesetzt wird, weil sich auch politische Wahlkampagnen genau nach dem Prinzip abspulen.
Fazit für einen bewussten Beobachter der Medien: Jede blinkende Verkehrsampel signalisiert „Vorsicht“, jeder blinkende Bildschirm kann nichts anderes meinen.

Montag, 8. März 2010

Sequenzen von Skepsis (24)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

267
Weltbilder zerfließen ohne Kontur
in Unter- oder Überbelichtung,
in die Basis orientierungsloser Kampfbereitschaft.

268
Kreuze am Feldweg, religiöse Feiertage, entsprechende Schulferien, das Glockenläuten vom Kirchturm; wer glaubt dabei an Machtausübung?
Nur Nichtgläubige, die es wissen.

269
Tugendterror ist Perversion auf den Punkt!

270
Zweifelsfrei gibt es das „Göttlich-Schöne, Erbauende, Ergreifende, Feierlich-Erhebende und Tröstende, das Heilige“ zwischen den Menschen.
Religion ist im Hinblick darauf das prophetisch „Herabgekommene“.

271
Wie könnte Deutschland für irgendeinen Staat des Globus eine besondere Verantwortung tragen? Wenn man es aber schon so feierlich beschwört, wäre es wünschenswert, dass eine deutsche Regierung ein für allemal beispielhaft jedem Auserwähltheitsglauben eine Absage erteilt. – Träumerei von Aufklärung.

______________________________________________

DENK MAL! Nr. 6

„Staatsräson“ konstruiert Tabus, um Kritik abzutöten.

_______________________________________________


272
Olympische Spiele in Peking wie seinerzeit in Berlin. Man solle nicht boykottieren, weil der Sport nicht das leisten könne, was manche erwarten, nämlich die Einhaltung der Menschenrechte durch das Gastgeber-Regime. Seltsam diese Argumentation, leistet doch der Sport einen enormen Beitrag zur internationalen Aufwertung der ideologisch verblendeten Unterdrücker.
Kann man sich einen solchen Sport wirklich leisten?

273
Religion ist Feuer ins Öl.

274
Kein Spießer fühlt sich so, denn Spießigkeit ist Religion, (Ver)Ordnungsprinzip, die Quadratur der Heckenschere, die Symphonie des Putzteufels, der Zapfenstreich des Lebens.

275
Hass explodiert gewaltig, um ein hasserfülltes Echo zu erzeugen.

276
Christentum, Deutschtum, Altertum, Judentum, Soldatentum, Beamtentum, Denunziantentum, Mäzenatentum, Diplomatentum, Scheichtum, Brauchtum, Irrtum. Die Tümelei erscheint eigentümlich, und dann erst das Spezialistentum für Wachstum: Piratentum!

277
Presse: Erpresst, gepresst, gedruckt - gekauft.
Der Druck sei frisch, heißt es.

278
„Rechts- und Linksradikale“. Leider wissen sie zu viel von den opportunen Machenschaften, den vertuschten Wahrheiten der „Mittelmäßigen“. Aber das ignorieren die auf „Mitte“ eingedösten Gefolgschaften: Ab durch die Mitte zum nächsten Gefecht! Die Mitte sind wir, kurz vorm Mittelpunkt der Welt.

*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Freitag, 5. März 2010

Es ist Krieg

Die Mutter aller Schlachten ist die Lüge,
der Vater dieses Gedankens fiel im Felde,
und die Kinder spielen bereits wieder am vergifteten Brunnen.

Großvater ruht ausgezeichnet in unbekannter Erde,
Großmutter war Trümmerfrau.
Ein reicher Onkel in Amerika macht in Öl,
seine Frau sich von der Fahne.
Der gute Onkel leidet unter dem Zölibat,
seine kurzsichtige Schwester glaubt an den Mond.
Ansonsten kümmert man sich wenig um die bucklige Verwandtschaft,
schlägt sich durch im täglichen Wachstumskrampf,
pflegt seine Mimosen und Pandemien, nicht zuletzt durch überreichlichen Genuss eines Mediensalats, der seine Unhaltbarkeit mit Geschmacksverstärkern kaschiert.

Das Schweigen im Walde verschläft den Bildungsnotstand, deckt Bespitzelung und Verwaltungsorgien und tarnt Korruption als Lobbyismus. Finanzbetrug scheut nicht einmal den frischwindigen Donnerbalken, das Gesundheitswesen verhebt sich an stinkenden Geldaufhäufungen einerseits und verrenkt sich an leeren Klassen-Kassen andererseits. Waffen werden produziert und gehandelt wie Brote, doch die geschundene Erde gibt für viele weniger als das „täglich Brot“, weil die Saat der Versprechungen nicht aufgeht.

Sie schießen wieder – sogar „kriegsähnlich!“ – und eine verblödete Herde blökt nicht einmal, weil sie Hammeln nachtrottet – so frei von Argwohn, zufrieden im Klatsch und Tratsch und doch so verängstigt vor Terrorismus, für dessen Entstehen die Hornviecher alles bereiteten, während sie ihren Gefolgen Hörner aufsetzen.

Es ist Krieg an vielen Brennpunkten der Welt,
aber ihr verdammt ihn scheinheilig nur in der Historie,
lenkt von den gegenwärtigen grausamsten Menschheitsversagen ab.

Nie wieder sollte von diesem Land Krieg ausgehen!
Das könnt ihr doch nicht vergessen haben.
Nein, ihr lügt so gelassen, wie ihr belogen werdet!
Geht es euch gut? – Das ist die Hauptsache.

Es ist Krieg! – Merkwürdig.
Ein merkwürdiger Krieg: Die Schlacht gegen das Menschsein.
Keines eurer Gebete hat Krieg verhindert,
da ihr sogar Waffen segnet.

Hättet ihr doch nur Ahnung,
wie euch der Glaube an Gott und Geld entmenschlicht!

Ihr würdet euch ändern.

*****

Freitag, 26. Februar 2010

Sequenzen von Skepsis (23)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

255
Sie sind über 20, erste Fältchen? Nutzen Sie unser wissenschaftlich getestetes Gehirnschmalz, und sie bleiben glatt bis ultimo. Nebenwirkungen auf Ihr Gehirn erfragen Sie bei Ihrem Medizinmann, Therapeuten oder Esoterik-Apotheker.

256
Hausgemachter Kuchen sei der beste, „hausbacken“ hingegen signalisiert Schlichtheit, die hausgemachte Probleme erzeugt, welche sogar in hohen Häusern den Haussegen in Schieflage bringen. Die Hausmacht manches Hausherren fiel an die Dame des Hauses, wodurch Aufstieg und Fall ähnlich überall hausen, der Globus zwar nicht kosmisch bedroht ist, die Menschheit aber wohl durch Zuckerbäcker hohe Hexenhäuser kandiert, um völlig aus dem Häuschen, zahlenmäßig dereinst drastisch minimiert, wieder im Busch zu hausen, falls es den noch geben wird.

257
Das Recht des Stärkeren? Ist das als Terminus nicht schon eine Beugung des Rechts wie der Sprache?

258
Mit Kolonialisten-Mentalität, aber mit neuen Raketen beginnt nun der Wettlauf von Nationalstaaten zum Mond, um lunare Territorien abzustecken für die Ausbeutung von Rohstoffen und für die Errichtung militärischer Stützpunkte:
Guter Mond, du gehst so stille,
mit dir die Gezeitenwenden,
doch des Menschen Kriegsidylle
wird dich wie die Erde schänden.
- So schnulzig, so schön!

_________________________________________________________

DENK MAL! Nr.8

Da „verteidigen sie Deutschlands Freiheit am Hindukusch“, während immer neue Moscheen im Abendland errichtet werden!

_________________________________________________________


259
Entartete Kunst? Wer maßt sich ein Urteil an? Es gibt aber kubistische Impressionisten, die zahlen für einen abstrakten weißen Stern auf weißem Papier eine beträchtliche Summe.
Ab einem bestimmten Mischungsverhältnis macht das Publikum als bunter Haufen die Kunst! Farbenfroh verrückt natürlich.

260
Religiöse schüttelt ein fundamentaler Konflikt, denn der männliche Mensch hat tatsächlich Hoden, die permanent „manches“ produzieren, damit es „verbraucht“ und keineswegs unterbunden wird. Da hier Lebenslust im eigentlichen Erleben die Rolle spielt, setzt jede „Keuschheits-Religion“ rigoros ein und demonstriert genau an dieser Stelle ihren definitiven Lebensinterruptus.

261
„Kompetenz“ avancierte zum Modewort und beschreibt nunmehr Überheblichkeit, Pseudowissenschaftlichkeit und Meinungsmache, kurz: Ahnungslosigkeit. Jene nachhaltige Allmacht, die ich nicht genug verspotten kann.

262
Der Widersinn von Automobilität erschließt sich unter anderem in immer höheren Endgeschwindigkeiten, im Verdrängen verstopfter Verkehrsadern bei politischer Wachstumsfreude.

263
Sie invertieren konzentrisch mit Globalisierungsgehabe.

264
Welches Logo ist schon ein logischer Entwurf?

265
„Heilwasser“ ist eine wundersame Erfindung.

266
Kopfschmuck und Gewand entblößen den Verstand.


*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Donnerstag, 25. Februar 2010

Die Konzeption der Konzeptionslosigkeit

Konzepte dienen als Mittel zum Zweck, vergleichbar dem Handwerkszeug, das abhängig vom jeweiligen Projekt auszuwählen und gegebenenfalls speziell zu entwickeln ist.
Als Voraussetzung hierfür gilt unter anderem die eindeutige Definition des Vorhabens, die möglichst punktgenaue „Zielansprache“. Gelingt es aus Bequemlichkeit oder aus Unfähigkeit nicht, das Vorhaben zweifelsfrei zu determinieren, löst sich die Frage nach einem Konzept von selbst in nichts auf, um fadenscheinigem Aktionismus Vorschub zu leisten, einhergehend mit opportunistischem Debattenwust und einer Verschwendung von Zeit, Einsatzbereitschaft, Material und Finanzmitteln.

Die Entschuldigung, Ziele seien oft nicht von Anbeginn umfassend zu beschreiben, kann nicht überzeugen, kommt sie doch in auffälliger Regelmäßigkeit von Entscheidungsträgern, die vorwiegend in Legislaturperioden denken und handeln. Auch Konzern-Strategien dienen zur „Entschuldigung“, die im globalen Verständnis eine eher tragische Lächerlichkeit aufbereiten. Tragisch, weil national wie international die Menschheit und vor allem das Individuum auf vielfältige Weise und besonders wegen der explosionsartigen Bevölkerungszunahme leidet.

Als exemplarische Fehlleistung in Ermangelung einer wissenschaftlich-technologischen Konzeption dokumentiert sich die verheerende Überschwemmung des Mississippi im Juni 2008.
Es scheint zunächst sinnvoll und legitim, das fruchtbare Ackerland beidseits des Stromes zu kultivieren und durch Deiche zu schützen. In realer Auswirkung bedeutet solches Vorgehen aber einen eklatanten Verstoß gegen die Natur des Flusses, der im Laufe langer geologischer Epochen das Gebiet immer wieder überflutete und so zu seiner „Fruchtbarkeit“ beitrug. Die Regulierung des Flussbettes erlaubt nunmehr keine derartigen Wasserverteilungen, die sich zuvor in der Weite verlaufen konnten, sondern zwingt sie in die künstliche Deichrinne, die von Anfang an das Risiko des Durchbruchs in sich birgt.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Katastrophe eintrat. Ob dieses risikoreichen Schwachsinns könnte man geneigt sein, keinerlei Mitgefühl mit den Opfern zu empfinden, doch wäre das ungerechtfertigter Zynismus gegenüber den betroffenen Individuen, die nicht in der Lage sind, Gesamtzusammenhänge zu erkennen. Die Gewinnoptimierung durch landwirtschaftliche Erträge verhinderte ein verantwortungsvolles Konzept, sodass nicht nur die Menschen der Region im Leid versinken, sondern auch Menschen sogar im Ausland, die vom Ausbleiben der Nahrungsmittel betroffen sind.

Mögen bisher fehlende Konzeptionen ein „Dahinwursteln“ noch erlaubt haben, so zeitigen Versäumnisse schon in nächster Zukunft dramatische Folgen, die sich aus den berechtigten Lebensansprüchen eines jeden Menschen ableiten. Denn die Zeitalter der Feudalherren, der Kolonialmächte, der kapitalistischen Ausbeutung gehen in vehementen Todeskämpfen zu Ende, ohne dass es Konzeptentwürfe für die Folgegenerationen gibt. In diesem Mangel verdeutlicht sich die Notwendigkeit breitest möglicher Bildung als der Grundlage für einen demokratisch funktionsfähigen Staat.

Bildung meint jedoch nicht die inzwischen weithin übliche Gleichmacherei durch Senkung des Leistungsniveaus, sondern die Differenzierung der Talente und Begabungen in ihrer reichhaltigen Vielfalt. Das Studium an einer Hochschule ist ein Weg unter zahlreichen anderen, etwa dem Handwerk, menschliche „Verwirklichung“, Qualifikation und Bildung zu erreichen.

Es ist ein sozialistischer Irrweg, unter Chancengleichheit vor allem die Studienberechtigung für möglichst „alle“ zu propagieren, wird doch dadurch besonders eine solche Akademiker-Laufbahn unberechtigterweise überbewertet. Vergleiche mit dem Ausland sind wenig hilfreich, da man dort keine bessere Bildung der Bevölkerung verzeichnet. Und vor allem die Allgemeinbildung macht die demokratische Befähigung aus, nicht die eingeengte fachliche Spezialisierung, so nötig sie freilich für den allgemeinen technologischen Fortschritt einer Gesellschaft ist!

Jedem Konzept geht eine Leistung voraus – es ist eine Leistung. Ohne Konzentration, Disziplin und Leistungswillen kann es keine Konzeption geben, es sei denn die des chaotischen Zufalls.
Der Menschheit stellt sich die unerbittliche Aufgabe, Konzepte für ein prosperierendes Leben in „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ zu organisieren. Ideologien und Religionen haben versagt. Allein, diese Erkenntnis ist bisher nicht verarbeitet – eine Stagnation mit der Qualität des endgültigen Scheiterns des „homo sapiens“.

_____________________________________________________________
DENK MAL! NR.2

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland lehnt den Krieg in Afghanistan ab. Wem also folgen jene die Demokratie verhöhnenden Politiker, die den Krieg dennoch betreiben?
_____________________________________________________________


An die Stelle von Dogmen und Glaubensartikeln muss ein zivilisierter Wettbewerb von Ideen treten, von Lebensentwürfen mit objektiver, kausaler Nachvollziehbarkeit zum Zwecke der Erlangung größtmöglicher Humanität des würdigen Menschen in würdiger Umgebung.

Die Kosmonomie versteht sich als ein Angebot auf dem Wege zum neuen Menschen. Das Kosmonomische Manifest empfiehlt sich als übergeordnete Konzeption mit der Maßgabe: Arbeiten heißt Last und Lust. Und Gleiches gilt für die Freiheit, welche Bindungen und Verbindlichkeiten ohne Zwang oder gar Androhung des „jüngsten Gerichts“ eingeht, ja die freiheitliche Konzeption zur Erfüllung des Lebens sorgsam pflegt und zu optimieren trachtet.

Das Empfinden von Konzeptionslosigkeit wird zusätzlich belastet durch das allenthalben leicht zu verfolgende Konzept der Lüge, des Schönredens und Übervorteilens, jenem Egoismusprinzip, das der Demokratie bei jeder sich bietenden Gelegenheit offen ins Gesicht schlägt.
Ähnlich zu bewerten sind die Spekulationsgewinne abgezockter Geldanleger, deren Menschenverachtung durch Börsenmärkte sanktioniert wird: Das „schnelle Geld“ ist im eigentlichen Sinne unehrenhaft, denn es zersetzt den menschlichen Gleichheitsgrundsatz.

Das Resümee lautet: Alle Jenseits-Konzepte sowie alle diktatorischen Strategien haben sich als definitiv „lebensuntüchtig“ herausgestellt. Ebenso „fressen Revolutionen ihre jeweiligen Kinder“, weil sich die längerfristige Lebenssicherung evolutionär entwickelt.
Die gegenwärtigen global zunehmenden Spannungen markieren wahrscheinlich den tatsächlichen Aufbruch-Termin zu humaneren Weltbildern, deren positive Auswirkungen aber noch sehr auf sich warten lassen, weil die Masse Mensch weitab von Konzeptionsfähigkeit verweilt.

Es bedarf einer neuen Generation von Vordenkern statt dogmatisierender Vorkämpfer.
Es bedarf einer Abkehr von „Einschaltquoten“, die kaum Qualitätsnachweise liefern, sondern lediglich flüchtige Erfolge innerhalb von Mode-Strömungen.

Das Wort „Nachhaltigkeit“ taucht jetzt häufiger auf, als sei man zu schüchtern, von „Dauerhaftigkeit“ zu sprechen. Sie aber impliziert Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit als beste Voraussetzungen für einen Konzeptionsbeginn.

Dienstag, 23. Februar 2010

Das indifferente Bewusstsein des Interimsmenschen

Es ist nicht zu leugnen, dass sich die Menschheit evolutionär aus einfacheren Lebensformen entwickelte und dementsprechend sich auch gegenwärtig in einem Entwicklungs- und keinesfalls Endstadium befindet. Besonders geprägt wird der aktuelle Status durch den akzelerierenden technologischen Fortschritt, dem die geistigen Reifungsprozesse hoffnungslos hinterherhinken, überspitzt formuliert: Die komplexe Technik wird durch archaische Wesen bedient und in rasantem Wachstum zum Schaden des gesamten Planeten fehlgenutzt. Einzelne positive Ausnahmen mildern kaum die Gesamtnotlage. Der Mensch und einige Bereiche der globalen Biologie werden zugrunde gehen, bis sich eine im Sinne von innerer Reife geläuterte Menschheit wird entfalten können.

Nicht Schwarzseherei und religiöses Fabulieren über den Weltuntergang bilden die Grundlage dieses Szenarios, sondern die berechenbare Begrenztheit der Erde einerseits und das ebenso kalkulierbare, wenngleich eher unberechenbare Fehlverhalten der Massenmenschen und ihrer herrschenden Abgötter samt deren
Stellvertretern.

Dieser gegenwärtige „Zeitgenosse“ Mensch, kann keine zahlreichen Nachfolgegenerationen zeitigen, da er sich selbst das Wasser abgräbt, alle möglichen Lebensgrundlagen vernichtet. Erkennt er dies durchaus in manchen bescheidenen Zusammenhängen, verhält er sich dennoch, oft in bester Absicht, entschieden konträr. Sein Fühlen und Wollen, seine Hoffnungen und Sehnsüchte stehen im Gegensatz zu den Ergebnissen seiner Aktivitäten. Er spiegelt eine evolutionäre Zwischenphase hin zu einem in mancher Hinsicht edleren Wesen wider, er personifiziert den Interimsmenschen, der zwar durch markante Boshaftigkeiten Stärke demonstriert, aber viel gravierender durch Denkunfähigkeit sein Desaster in lächerlichen Eitelkeiten und Selbstüberschätzungen vorbereitet.

Für diese Spezies gibt es kein Entrinnen – wohin auch? - weiß sie doch gar nicht, was sie eigentlich will, welchen Wertekodex sie entwickeln und vor allem verbindlich anerkennen sollte.

Kaum die Massen, wohl aber die Macher machen sich schuldig, wenngleich gar nicht so eindeutig, weil den meisten für originäre Schuld aus naheliegenden Gründen ein Schuldbewusstsein fehlt, wahrscheinlich überhaupt die Möglichkeit der kritischen Selbsthinterfragung.
Bei genauem Betrachten entpuppt sich das Bewusstsein als weniger gespalten, sondern dem Indifferenten verschrieben, letztlich der aufgeblasenen Inkompetenz, der bequemen dümmlichen Faulheit, aus der Verunsicherung, Wehleidigkeit und Angst entspringen, schließlich Gewalt und Resignation.
Die Liste der selbstzerfleischenden Widersprüche ist endlos, wird gewöhnlich verharmlost, nicht verinnerlicht, angewidert ignoriert. Wie aus einer fernen, unwirklichen Welt wehen die Forderungen nach menschlicher Aufwertung herüber, so fremd, dass man sich lieber in gewohnter Kurzsichtigkeit bei sich steigernder Blindheit in „der Realität“ egoistisch und fatalistisch einrichtet.

_________________________________________________________
DENK MAL! Nr.1

Präsident Barack Obama ist ein blendender Prediger.
__________________________________________________________


Der neue Mensch wird später einmal, nach den Verwüstungen, eine schwere Geburt haben, das Licht der Welt erblicken - „edel, hilfreich und gut“. (Siehe auch „Man wird noch viel von Kosmonomie hören“, ebenfalls Februar 2010.)

Wir können uns jetzt schon an dem Ideal aufrichten, ohne freilich zu vergessen, dass wir alle aufgrund unserer eigenen Endlichkeit stets auch Partner unseres Körpers sind, eines Leibes, der uns in jungen Jahren anders anregt, vorübergehend prägt als in fortgeschrittenem Alter. Unsere Physis nimmt Einfluss auf unser Denken und Handeln, sie sorgt dafür, nicht die Bodenhaftung zu verlieren, sie hat die Substanz der Demut, der Hinwendung zum Mitmenschen, der Achtung und Wertschätzung von Leben und seinem Umfeld.
Real, ohne geistliche Verkennungen und ihre sinnlosen Opfer!

Freitag, 19. Februar 2010

Sequenzen von Skepsis (22)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

244
So viel Schönes erlebe ich, am Himmel und auf der Erde, so schöne Menschen, so gütige Augen, so vertrauens- und hoffnungsvolle Blicke. Und dann die Kunstwerke, Musik und Literatur, zahlreich in Gottesverehrung geschaffen, doch ich denke nie an Götter, sondern an Menschen.
Erscheinen mir die dunklen Lebensseiten, der oft bittere Leidensweg zum Tod, nicht der Tod selbst, wird mir klar: In ihrer Unreife schufen die Menschen ihre Götter, um vor allem das Gegenteil, den Teufel in Szene zu setzen.

245
Eine bescheidene Statur, höhere Ideen, ein Menschenschlächter, dieser posierende Napoleon! Ein Idol mit globaler Nachkommenschaft aus seinem Geiste, untauglich für die Gegenwart und Zukunft, weil keine noch so freiheitlich gemeinte Reform durch Krieg zu rechtfertigen ist. Vor jedem Waffengang stirbt der menschliche Geist und überlässt der Dummheit die Regentschaft.

246
Der wilde Westen kennt die Demokratie so wenig wie der rote Osten.
Besinne dich, Europa!

247
Irgendwo zu wohnen, heißt noch lange nicht zu leben. Da hat die an sich reiche englische Sprache ein Defizit.

248
Das globale Klima besteht in erster Linie zwischen Menschen.

249
Die Achtung vor dem eigenen Körper könnte eine Lebensversicherung sein.

250
Konzipieren, schreiben, propagieren, um sich nicht daran zu halten. Menschenrecht?

251
Die Stimme des Volkes ist nicht kunstvoll, auch nicht gekünstelt, gleichwohl medial herabgewürdigt.

252
Muss ich es wirklich sagen?
Du bist nicht Deutschland, Papst, noch Porsche, aber vielleicht ein Wirsing.

253
Da der Unsinn regiert, im Kabarett zu Recht lächerlich erscheint, frage ich mich: Verstehen die verulkenden Politiker wirklich nicht, dass ihre programmatischen Inhalte unbekömmlich sind? Schon schwelen Zweifel: Die verstehen das, weil sie den Unsinn genau so auch meinen und wollen. Sie nennen es Kompetenz.

254
Selbstdarstellung braucht vor allem Publikum, das sich vorführen lässt. Wenn aber das Publikum schläft, hat der Selbstdarsteller keine Täuschung mehr nötig.


*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Mittwoch, 17. Februar 2010

Planetariums-Projekt sucht: Keine "Außerirdischen"!

Für ein außergewöhnliches Planetariums-Projekt werden (einfluss-)reiche Mitmenschen gesucht, die sich auf dem Boden einer realen Existenz bewegen.
Also keine religiösen Vertröster, keine esoterischen Schwärmer, keine klimageschädigten Wachstumsfetischisten, weder alternative Gesundbeter noch diplomatische Wortverdreher.

Angesichts einer hohen technischen Entwicklung befindet sich die Menschheit in einem inadäquat desaströsen Gesamtzustand, der sich daraus herleitet, dass die Menschen mehrheitlich die realen Gegebenheiten des Planeten Erde nicht kennen oder in Kenntnis absichtlich verdrängen. Die Naturgesetze werden ignoriert, stattdessen siegt das Inhumane.
Das nationalistische Kleinkarierte wird überhöht, während sich der Bezug zum Ganzen, zum Kosmos, ausgeblendet im Nichts verliert.

Vor solchem Hintergrund soll mit dem angestrebten Planetarium ein kleines, aber besonderes Orientierungslicht gesetzt werden, der menschlichen Aufklärung verpflichtet, der Natur in Objektivität und motiviertem Erkennen verbunden.

Ich unternehme den Versuch, mit dieser Website vielleicht auf geeignete, geneigte Persönlichkeiten zu treffen, die mich (und einige Mitstreiter) in der sehr hoch gesteckten Zielsetzung begleiten möchten.
Während im fachlichen Bereich und in der Standortentscheidung bereits Nennenswertes geleistet wurde, ist die Finanzierung der Errichtung wie der Folgekosten ungelöst.

Gemäß der wünschenswerten, ja erforderlichen politischen Unabhängigkeit wird Kapital gesucht, ist Engagement erbeten von Menschen, die sich dazu in der Lage sehen.

Es ist nicht übertrieben, wenn ich konstatiere: Hier könnte sich jemand ein Denkmal setzen.
Bei Kontaktaufnahme ist Diskretion selbstverständlich und wird zugesichert.

(Siehe auch Archiv Juni 2008: „Kosmonome Planetariums-Philosophie“)

Montag, 15. Februar 2010

Sequenzen von Skepsis (21)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

232
Anspruchslose Menschen vegetieren und verursachen Herdenwachstum.

233
Kosmonomie beschreibt eine Weltsicht, wohl eine Aufforderung zum Denken, aber keine Lehre.

234
Regeln ohne Durchsetzungsmöglichkeit beschönigen soziales Chaos.

235
Menschheit wohin? – Zum Irrationalen? – Nicht mehr lange!

236
Die Elementarteilchen der Gesellschaft sind Paare, bipolar in sich und gleichberechtigt, dadurch doppelt stark. Die Masse bildet bei Ermangelung der Paarbindung keine Gesellschaft, sondern ein Plasma unter extremem Druck.

237
Skepsis ersteht aus Erfahrung und Wissen zum Schutz des Individuums. Das allerdings ist allen Ideologen suspekt.

238
Niemand muss mir folgen, mich aber ziehen lassen aus dem ideologischen Jammertal.

239
Politiker treiben Krieg, weil sie Kindern nicht ins Auge schauen.


240
Nun bist du, kleines Menschenkind, auf die Welt gekommen als das größte Wunder überhaupt. Ergriffen vor Glück heißen wir dich willkommen und wünschen dir ein würdiges Leben in Liebe und Geborgenheit. Wohin immer die Lebensreise dich führen mag, wir sind bei dir, weil wir „ja“ zu dir sagen in einer oft hinterhältigen Welt. Du schenkst uns Sinn im gemeinsamen Dasein, aber niemals wollen wir dich bedrängen, denn deine Freiheit definierst du dereinst in einer hoffentlich freiheitlichen Umgebung.

241
Wendehälse gehören zu einer überaus erfolgreichen Gattung, die sich zur Plage fortpflanzt. Ein zweifelhaftes Gegenmittel wäre Halsstarrigkeit.

242
Ein Trick des glorifizierten Herrschens ist die zielstrebige Verkomplizierung des Einfachen, um mit „Kompetenz“ Unsinn durchzusetzen.

243
Dem Gott „Mensch“ ist nichts heilig.


*****
© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Freitag, 12. Februar 2010

Man wird noch viel von Kosmonomie hören

Die kosmonomische Philosophie stellt keine Lehre dar, sondern beinhaltet für mich eine Lebensart, zu der ich als Antwort gelangte auf die allgemeinen Umstände, in die ich hineingeboren wurde, welche ich schon von Kindheit an als irgendwie unstimmig wahrnahm und im Laufe meiner Lebensentwicklung eindringlicher hinterfragte, bald kritisierte und heute unter zahlreichen Blickwinkeln anzweifele.
Ich sehe mich als jemanden, der die im wohl verstandenen Sinne Allgemeinplätze der humanen Menschenwürde formuliert und ausspricht gegen den historisch heuchlerischen Zeitgeist.

„Kosmonomie“ ist meine Namensgebung für das evolutionär längst vorhandene Prinzip der humanen emanzipierten Würde des Menschen, der Würde, die jedoch der archaisch geprägte Mensch bisher nicht aufbringt, weil er in der Regel dem Diktat der Massen nicht entkommt. Und dieses Problem verstärkt sich permanent durch das ungebremste Wachstum der Weltbevölkerung.

Ich gehe davon aus, dass sich einerseits die Menschheit in mehrheitlich noch ungeahnte Prüfungen hineinmanövriert, andererseits aber bereits die geistigen Potenziale agieren, die zumindest nach den diversen zu erwartenden Desastern die Menschheit voranbringen werden.
Was aber meint denn „voranbringen“?
Die Angelegenheit ist so einleuchtend, wie sie heute noch missachtet wird: Die Intelligenz entwickelt(e) sich nicht, um sich in Form eines „noch nicht fertigen Wesens, des Interimsmenschen“, selbst auszurotten, sondern um im
(Mit-)Menschen den Partner gegen alle möglichen natürlichen Widrigkeiten zu finden. Mit anderen Worten: Die menschliche Intelligenz richtet sich darauf, das Leben zu „veredeln“ („Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ Goethe), indem die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse per Einsicht besonders zur Lebenserleichterung, Entwicklungsförderung und auch zur Lebensfreude verwendet werden. Das klingt vordergründig nach paradiesischen Verhältnissen, entspricht aber solchen voreiligen Abwertungen überhaupt nicht, denn die Aufgaben, die sich damit verbinden, sind so umfangreich, vielschichtig und lohnend, dass die Intelligenz von einer Herausforderung in die nächste aufsteigen wird, ohne je (dem Kosmos gemäß) an eine Grenze zu gelangen.

Ich scheue mich nicht, vom Sinn des Lebens zu sprechen, denn nachweislich gibt es die Entwicklung vom Einzeller bis hin zum komplexesten Lebewesen. Der gegenwärtige Mensch aber in seinem Auftritt als vermasstes „Herdentier“, das instinkthaft egozentrischen Leithammeln folgt, ahnt noch wenig von den universalen (dem Kosmos gemäß) humanen Optionen, die sich ihm öffnen.

Es bleibt dabei: Kosmonomie ist keine Lehre, sodass es auch kein Kompendium darüber geben kann. Das inzwischen recht bekannte Kosmonomische Manifest (Archiv Mai 2008, engl. Version November 2009) zeigt lediglich Grundsätze auf, die für den einstigen praktischen Gebrauch im Detail auszuarbeiten wären.
Wohl aber entsteht zunehmend ein „kosmonomisches Mosaik“ durch immer zahlreichere Einzelabhandlungen und Kommentierungen; Kosmonomie lässt sich nicht verordnen, eher aber anbieten. Das individuelle Leben mag zu entsprechenden Einsichten und Verhaltensweisen führen.

Die wesentliche Voraussetzung dazu ist Bildung, man kann sie nicht oft genug einfordern: Kenntniserwerb, Kombinationsvermögen, Verinnerlichung, Verstehen und – so fremd das gegenwärtig erscheinen mag – Herzensbildung, jene Kulturleistung, die in den meisten aktuellen Bildungskonzepten fehlt, weil sich die Ellenbogen-Gesellschaft in ihren globalen Verirrungen qua Geschwätz für „kompetent“ hält.

Angesichts solcher Notlage der Menschheit schrieb ein Zeitgenosse zu Recht den Satz: „Man wird noch viel von „Kosmonomie“ hören.“

Mittwoch, 10. Februar 2010

Da, wo ich lebe

(Zwanglose Gereimtheiten)

Da, wo ich lebe,
spannt sich der Horizont endlos weit
über Höhen, Täler, Ebenen und das Meer.
Weit und breit kein Dogma mehr.

Da, wo ich lebe,
bin ich hier, bin ich jetzt,
nicht enthoben, aber entsetzt.

Da, wo ich lebe,
nimmt man das Wort beim Wort:
Krieg heißt deutlich,
unzweifelhaft Mord.

Da, wo ich lebe,
gibt es frischen Wind, Sonne, Regen und Schnee,
Klimaschwankungen schon immer.
Klimaangst aber nimmer.

Da, wo ich lebe,
pflegt man die Umwelt, schützt die Natur
ohne Steuerschwindel,
mit Sorgfalt nur.

Da, wo ich lebe,
sagt man zueinander „Du“ oder „Sie“,
„Hochwürden“, „Exzellenz“, „Majestät“ sind verpönt,
sagt man nie,
weil jeder der Titel die Würde des Menschen verhöhnt.

Da, wo ich lebe,
kennt man „Auserwähltheit“ nicht,
weder bei Bünden, Ländern, Völkern, Nationen.
Niemand ist auf Orden erpicht,
die nichts als Opportunismus belohnen.

Da, wo ich lebe,
gibt es Kirchen, Klöster, Tempel, Synagogen und Moscheen
als Kulturerbe,
als Museen.

Da, wo ich lebe,
konkret konfrontiert mit unsinnigem Glauben,
bin ich glücklich entkommen
dem Wahnsinn, den Epidemien, dem Gang und dem Gäbe,
bin häufig gegen den Strom geschwommen.

Da, wo ich lebe,
entspannt Freiheit das Bleiben.
Beständigkeit baut auf Wachsamkeit
– und sei es durchs Schreiben.

Wo lebe ich nun, das möchten Sie wissen?
Eigentlich überall, lasse mich schwerlich lenken.
Mein philosophisches Ruhekissen
ist bewusstes, ist kritisches, ist konstruktiv
futuristisches Denken.