Samstag, 9. November 2013

Schutzwall des Reichtums


- Eine kosmonomische Betrachtung -

Reichtum weckt Begierlichkeit, bei Besitzenden auf Wachstum, bei Habenichtsen auf Teilhabe.
Welten liegen dazwischen und viel zu oft der Tod als Ergebnis der Unversöhnlichkeit. Wenn Menschenrecht unter anderem das originäre Recht auf Leben beinhaltet, erhebt sich die Frage: Mit welchem Recht dürfen die einen prassen und die anderen darben? Die Antwort ist ganz banal: „Mit dem Recht des Stärkeren.“ Also mit Unrecht!

Der Ursprung materiellen Reichtums stellt sich sehr verschieden dar als ehrlicher Lohn für fleißiges Arbeiten, als glücklicher Zufall, als Übervorteilung, Ausbeutung und Beraubung anderer oder als Auswuchs menschenverachtender Spekulation. Nicht selten entsteht Reichtum aus einer Verquickung der genannten Kriterien und bekommt den Geruch des Anstößigen, des Unmoralischen, verstärkt durch die Tatsache, dass Reiche nicht moralischer leben als Arme, dass ihre Frevel aber bekanntere Auswirkungen nach sich ziehen als bei anonymen armen Schluckern.
So bedeutet Reichtum vor allem in notleidendem Umfeld immer auch Gefährdung. Entsprechend hoch sind die Mauern und aufwändig die Sicherungsanlagen zum Schutze der Anwesen von Wohlhabenden.

Der Grund für Armut ist vorrangig nicht etwa Faulheit, sondern das schuldlose Hineingeborensein in ärmliche Verhältnisse, daraus resultierend, Unfähigkeit, Krankheit, asoziales Verhalten und kaum eine Möglichkeit, aus der Kaste der Unterprivilegierten aufzusteigen, letzteres wegen der Unterdrückung sowohl durch die eigene Unterklasse wie durch die Reichen und Mächtigen.
Auch Armut trägt den Odem des Unmoralischen, des Taugenichts, des Destruktiven, der Versklavung. So sehen Arm und Reich sich gegenseitig im Lichte des Verwerflichen und finden stets ausreichend Grund zu gegenseitiger Verachtung, zu unüberwindlichem Hass mit überbordendem Vernichtungspotential.

Religion übernimmt in dem Konflikt die Rolle eines Beruhigungsmittels und formuliert das alltägliche Stillhalteabkommen unter dem Zwang eines richtenden und strafenden Gottes. Dass die Kirche ihre Ansprüche durch eigenen materiellen Reichtum untermauert, ist eine zwingende Notwendigkeit, um die nicht minder einfältigen Reichen zu beeindrucken, sie zumindest geistig zu unterwerfen.
Neuerdings will die Kirche eine der Armen sein, der Papst läuft in unauffälligen Schuhen, vom kirchlichen Besitz verteilt er aber nichts.
Auch er als Teil des Systems von Arm und Reich versteht nicht, dass Not und Überfluss im kosmonomischen Sinne Fehlentwicklungen des Interimsmenschen verdeutlichen. Es kann nur um einen Ausgleich gehen, nicht um entweder alle arm oder alle reich, nicht um Gleichmacherei, denn wir Menschen sind vielfältig verschieden veranlagt und begabt.
Eine veränderte Form des Wirtschaftens ist erforderlich, wie sie im Kosmonomischen Manifest unter These 8 umrissen ist: 

 8. Kosmonomische These:  Partizipationswirtschaft 

Ehrlich erworbene Eigentümer und Verdienste sind zu respektieren. Das Erbrecht ist zu relativieren, indem Großgrundbesitz verhindert und der Mittelstand in allen Belangen gefördert wird. Ehrlichkeit meint Prüfbarkeit und Transparenz des gesamten Wirtschaftssystems, eine Abkehr vom Ausbeutungskapitalismus hin zu einer humanen Partizipationswirtschaft, die Armut abbaut und letztendlich beseitigt.

Übertragen auf die Ebene von Völkern und Staaten unter- und miteinander, erweist sich ein höchst dringlicher Handlungsbedarf, die aufklaffende Schere zwischen superreichen Gesellschaften und verhungernden Menschenmassen an eine ausgleichende Gerechtigkeit anzunähern, was innerhalb der sogenannten Realpolitik gerne und voreilig als Utopie bezeichnet wird, eben um Besitzstände zu wahren.

Zwei Aspekte sind besonders zu berücksichtigen, einmal die Wirtschaftsleistung der einzelnen Staaten und zum anderen der Lebensstandard der Völker, das heißt im Besonderen jedes Bürgers.
Verallgemeinernd lässt sich feststellen, dass die Lebensgüte einhergeht mit dem Grad der Aufklärung; je weniger religiöse und ideologische Indoktrination, desto entwickelter die Infrastrukturen, umso angenehmer die Lebensumstände.
Wo die Indoktrination fortlaufend die Menschen gängelt, mag ein Staat durchaus zur Wirtschaftsmacht aufsteigen, die geistige und materielle Notlage der Massenbevölkerung wird jedoch kaum entschärft. In so vielen Staaten herrschen Dogmatismus und Staatspleite gleichzeitig, zumeist in Machtausübung reicher Kartelle und Clans als Garanten des Unrechtssystems und des Verlusts der Menschenwürde.

Die reichen Industrienationen handeln scheinheilig genug, um zum eigenen Profit die Unrechtssysteme zu stützen, billige Arbeitskräfte rund um den Globus auszubeuten und aufkeimende Freiheitsbewegungen sogar zu verraten.
Für die reichen Konsumenten und Schnäppchenjäger werden die Probleme nicht zuletzt durch gleichgeschaltete Medien außen vor gehalten, und nur wenn in Bangladesch eine Fabrikkaschemme abbrennt und viele Toten zu beklagen sind, die zuvor ein jämmerliches Dasein im Dienste kapitalistisch westlicher Ausbeuter führten, schreckt man vielleicht kurz auf, heult medienwirksame humanistische Tränen und holt sich das nächste Sonderangebot.

Stranden an den Außengrenzen des Reichtums ungezählte verzweifelte Flüchtlinge aus dem Elend und sterben, ist nicht selten unterlassene Hilfeleistung durch die stumpfsinnige Reichen-Gesetzgebung mit schuldig.

Aber darf man das wirklich so einseitig sehen?
Ja, man muss es so sehen! Die kapitalistischen Staaten organisieren ihren relativen inneren Frieden durch geschickte Übervorteilungen des „Rests der Welt“, „Rest“ bedeutet allerdings die Mehrheit der Staaten und Völker. Ihre Unrechtsregime werden kapitalistisch gegenüber der eigenen Bevölkerung stabilisiert und in der Konkurrenz untereinander militärisch aufgerüstet, dass sie die sonst für die reichen Staaten drohenden Konflikte stellvertretend ausführen können, ja sogar müssen.

In der globalen Auswirkung ist der Kapitalismus gleichwertig mit allen anderen despotischen Systemen, er ist undemokratisch, denn an die Stelle der Doktrin „Die Partei hat immer Recht.“ setzt er unverhohlen das Immer-Recht des Geldes.

Unter diesen Umständen erscheint es legitim, von gesellschaftlichen „Gefängnissen“ zu sprechen. Im Vergleich der Gefangenschaften untereinander fällt allerdings sofort der „freiere Vollzug“ innerhalb der kapitalistischen Ordnungen auf. Mit anderen Worten: Demokratische Ansätze gibt es nur hier. Wollte man den Kapitalismus radikal und ad hoc beseitigen, vernichtete man auch die einzigen zarten Pflanzenzüchtungen der Demokratie und der Aufklärung.

Das wiederum hat Konsequenzen für leistungsunfähige Zuwanderer, deren persönliche Defizite nicht nur in ihrer krassen Armut bestehen, sondern in mangelnder Ausbildung, in Analphabetentum, in vorsintflutlichen Weltanschauungen und Traditionen, welche nicht zuletzt ihre Integration verhindern und für zusätzliche Konflikte innerhalb der relativen Demokratien sorgen.

Es mutet paradox an, entspricht aber, wie gesagt, der Realität: Eine relativ demokratische Freiheitlichkeit existiert bisher allein im Kapitalismus. Um sie weiter zu entwickeln, bedarf es heller Köpfe abseits des „Mainstreams“ zur allmählichen Umgestaltung weg vom „Immer-Recht des Geldes“ zu einer Orientierung an der Humanität, an der Menschenwürde, an ehrlicher Offenheit, hin zu einer Philosophie und zu praktischen Verhaltensweisen, die ich Kosmonomie nenne.

Sie ist alles andere als eine Revolution, sondern fordert evolutionäre Weiterentwicklungen und soziale Angleichungen besonders durch höhere allgemeine Bildungsanstrengungen, allgemeine Aufklärung und staatliche wie gesellschaftliche Transparenz. Gewalt kommt nicht infrage, stattdessen Vorbildfunktion.
Jeder denkende Charakter gehe in sich und nach Möglichkeit auch voran.
Der aktuell fortschreitende und ausspähende Demokratieabbau in den kapitalistischen Staaten erschwert die Bedingungen allemal, wirft sogar die Frage auf, ob es je überhaupt irgendwo zu einer echten Demokratie kommen kann.
Die Gegenwart jedenfalls ist unreif wie alle Epochen zuvor.


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