Die Natur kennt keine Moral, sie ist wertfrei und gebunden lediglich an „Egoismus“, der für die belebte Natur zugleich Lebensdrang und Lebensmotor bedeutet.
Unbelebt folgt die Natur den ihr innewohnenden Naturgesetzen, sodass der Mensch, durchaus als Teil der Natur, unabdingbar den Gesetzen beider Natursparten unterliegt; er lebt nach ihnen im alltäglichen Dasein wie auch entwicklungsgeschichtlich. Erst das Bewusstsein entwirft die Fragen nach dem Sinn des Seins und nach seinen Ursprüngen wie auch nach den Ungeklärtheiten einer Zukunft.
Beinahe logisch wirkt es da, dass der verunsicherte Mensch Antworten ersinnt und sie auch über jeden Zweifel erhebt, um seine überwältigende Lebensangst irgendwie zu entkräften. So erfindet er Märchen, Wunder und Götter, erhebt sie sogar zum Dogma in seiner kleingeistigen Welt, auch dessen ungeachtet, dass andere Menschen wohl gleichartige Religionen erfunden haben und jeder einzig wahre Gott nun ein Widersacher aller anderen Gottheiten ist.
Der Mensch wollte eigentlich Ruhe und Frieden in seiner von ihm „geschaffenen“ Welt, doch die Menschheit steht vor dem Dilemma, viele solcher „Welten“ als Kriegsgrund ertragen zu müssen.
Erdachte Werte durchkreuzen sich permanent und versuchen sich wie selbstverständlich im gegenseitigen Anklagen, Belügen, Verteufeln und Abschlachten, um die Vorherrschaft im Kleinen wie im Großen zu erlangen.
Der Wert des einzelnen Menschen sinkt dabei nicht nur auf Null, sondern pervertiert sich zum „Kanonenfutter“, und die Sieger in diesem Vernichtungszwang erdreisten sich zum allgemeingültigen Heldentum.
In dieser Tragödie spiegelt sich die Entwicklung von Bewusstsein wider; das unreife Bewusstsein markiert den „Interimsmenschen“ auf dem noch nicht vollendeten Weg der Menschwerdung. Vergleichsweise wenige menschliche Individuen sind bisher in der Lage, diesen Weg der Menschwerdung einzuschlagen, jeweils auch selbst belastet durch die kämpfenden, kriegerischen Kohorten von Interimsmenschen.
Die Menschwerdung konzentriert sich auf die Lebensbejahung in friedfertigem, empathischem, mitfühlenden Miteinander, in Achtung, Gleichberechtigung und Respekt. Natürliche Gesetzmäßigkeiten in ihrer wertfreien Gegebenheit werden zunehmend erkannt, erforscht und genutzt, um das menschliche Leben durch Linderung und Verhinderung von Drangsal, Schmerzen und Not so angenehm wie möglich zu gestalten. In diesem Sinne ist die Natur als vielseitige Ressource des Lebens zu schätzen und zu schützen.
Aus alldem leitet sich ab: Kriege sind Frevel und Verbrechen gegen die Menschheit und gegen die Natur. Zur Heranreifung der Menschwerdung werden Konfliktlösungen und Friedensforschungen unverzichtbar vor allem in den Bereichen von Wissenschaft und Bildung und gleichwohl wichtigste Zielsetzungen von Politik, Zivilisation und Kultur. Vorausschauende, intelligente Weitsicht im Hinblick auf die Folgen des eigenen gegenwärtigen Handelns ist Voraussetzung seriöser Menschlichkeit im Gegensatz zu religiöser Vertröstung auf jenseitige Paradiese und auch im Besonderen gegen politischen, ideologischen Dogmatismus unter Propagandaverlogenheit und Desinformation.
Mit anderen Worten: Die Reife zur Menschwerdung liegt in Aufrichtigkeit, im Erkennen von Wahrheit und in entsprechender Begegnung mit der Realität. Diese aber ist ein Wert der kultivierten Lebensbejahung durch den freiheitlich friedfertigen Menschen und nicht durch brandschatzende und mordende Ideologen und ihre in die Irre getriebenen und folgenden Horden der Gewalt.
Kosmonomisch lerne der Frieden, Gegenliebe zu wecken.
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