Mittwoch, 17. Juli 2013

In der Warteschleife zur Menschlichkeit


Das Sprichwort „Irren ist menschlich“ steht in seiner Schlichtheit für die Verharmlosung einer folgenschweren Verhaltensweise, deren Bedeutung zwar durch ihre Alltäglichkeit unbewusst heruntergespielt wird, die aber durch ihre fundamentale Allmöglichkeit den Menschen als ein letztlich unzuverlässiges und unzureichendes Wesen hinstellt.
„Menschlich“ aber meint ebenso solidarisches Eintreten, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Freundschaft, und vor allem gilt methodische Zielstrebigkeit als „menschlicher“ Wesenszug.
Versehen mit solchen Attributen, spricht der Mensch gerne und viel vom Frieden, um sich immer wieder in irrwitzigen mentalen Explosionen einen Krieg nach dem anderen zu leisten.
Lediglich menschliche Irrungen?
Wohl kaum!
Solchem sich ständig wiederholenden Verhalten ohne jede Aussicht auf Besserung liegt kein „Irrtum“ zugrunde, sondern eine definitiv falsche Lebensauffassung – vorausgesetzt, man einigt sich auf den Minimalkonsens, dass der Lebenssinn nicht in der Lebensvernichtung zu sehen ist.

Frieden scheinen sich die meisten Menschen zu ersehnen, doch gleichzeitig wird weltweit aufgerüstet. Man philosophiert über Frieden, sieht aber immer nur seinen Frieden als den bedrohten, allgemein gütigen an, den es zu verteidigen gilt, besonders, wenn er darauf basiert, andere Völker und Nationen zu unterdrücken und auszubeuten.

Frieden soll mit Waffen gesichert werden, obwohl das noch nie funktioniert hat, nicht einmal während des kalten Krieges, als zwar der Atomschlag verhindert wurde, man aber unzählige Stellvertreterkriege mit Ideologien und Waffen befeuerte und Menschen millionenfach auslöschte – im Namen des Friedens!

Nachdem die Gegnerschaften des kalten Krieges sich zunächst einmal relativierten und bald auflösten, wurde mit dem sogenannten Weltterrorismus ein neuer Feind konstruiert – ein Friedensfeind, damit alle Friedliebenden weiterhin und ausgeklügelter in die Schlachten für den Frieden ziehen können: Weltpolizisten als eigentliche Terroristen kämpfen gegen Windmühlen, aber verpulvern, hoch technisiert und medial verblödend inszeniert, den letzten Rest an menschlicher Intelligenz.
Demokratische Errungenschaften früherer Dekaden werden von den USA als angeblich führender Freiheitsmacht unverhohlen missachtet, das heißt, Menschenrechte werden in einer US-Selbstherrlichkeit abgeschafft, wie sie rigoroser von keinem Verbrechersystem auf dem Globus sonst außer Kraft gesetzt werden, denn keiner der totalitären Staaten verfügt über eine ähnliche Vernetzung, über annähernd so viele Militärbasen wie der aus der Kontrolle geratende Kapitalismus. Und keine andere Großmacht geht eine vergleichbare religiöse Scheinheiligkeit ein, wie auch kein anderer Staatsapparat über so zahlreiche effiziente Spitzelorganisationen verfügt, die sich im Bedarfsfalle vor allem gegen jeden einzelnen Bürger richten.
Die „freie Welt“ ist eine Fata Morgana, die den Dürstenden nicht retten kann, aber in naiver Gefolgschaft lehnen sich Teile Europas an jenes Trugbild an.

Befreiung davon wird es wieder einmal nur durch schmerzlichste Erfahrungen geben, denn es existiert bereits keine Demokratie mehr, es gab sie ohnehin nur ansatzweise. Nach dem 2. Weltkrieg durfte vor allem Westeuropa etwas an der demokratischen Menschlichkeit schnuppern, blieb aber durch eigenes Unvermögen auf den großen „freien Geist“ jenseits des Atlantiks fokussiert. Dieser besonders aus dem Krieg gestärkte Flaschengeist war jedoch nie ein Freigeist. Rückschauend war man am freiheitlichen Telefon mit der falschen Abteilung verbunden und befindet sich nun wieder in einer mit Dummheit zugedröhnten Warteschleife zur Menschlichkeit.

Wer auch nur etwas Verstand besitzt, hat längst gemerkt, dass man auflegen muss, um aus dieser Nummer herauszukommen, die keine freiheitliche Abteilung mehr besitzt.
Die Menschlichkeit steht vor ihrem umfassendsten Verrat.
Woran erkennt man unter anderem die Verräter?
Sie sprechen vor ausgesuchtem Publikum, um sich eines Ipsations-Jubels sicher sein zu können.
Man vergegenwärtige sich noch einmal den Besuch Barack Obamas in Berlin am 19. Juni 2013.


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