Freitag, 3. April 2015

Ein Interview vom anderen Stern



In einer „außergewöhnlichen Begegnung“ bat mich der Chefredakteur, Herr Mark Imagine, des Magazins „Vom Anderen Stern“ um ein Interview über die globale Dummheit.

MI:  Herr Walden, in Ihren Veröffentlichungen nehmen Sie immer wieder Bezug, nicht ohne vehemente Verurteilungen, zur „allgegenwärtigen Dummheit“.
Können Sie komprimiert verdeutlichen, was Sie meinen?

RW:  Erlauben Sie mir die Antwort mit einem geradezu abgedroschenen Bild: Wer am Ast sägt, auf dem er sitzt, ist dumm.
Es sei denn, er beabsichtigt seine Selbsttötung. Aber auch in dem Fall, handelt er zwar im Sinne der Zerstörung zielstrebig „intelligent“, aber dennoch beschränkt, weil er das Leid, das er bei Verwandten, Freunden und so weiter hinterlässt, nicht gebührend beachtet. Er begeht eine Dummheit, entschuldbar lediglich, wenn eigenes, tatsächliches und nicht eingebildetes, hoffnungsloses Leid die Ursache bildet.

MI:  Was heißt das in globalem Maßstab?

RW:  Die Menschheit, der gesunde Mensch überall wünscht sich ein friedliches, zivilisiertes und gesundes Leben.
In völlig unkontrollierbarem Ausmaß verkehrt er sein Streben in das definitive Gegenteil. Trotz aller historisch negativen Erfahrungen, glaubt er an Frieden durch Waffengewalt, an Zivilisation durch Zerstörung und an Gesundheit durch ungesunde Verhaltensweisen. Er favorisiert Glauben vor Wissen und Naturgesetzen – eine fundamentale Dummheit.

MI:  Gibt es aber nicht immer wieder Kräfte, terroristische Energien, die Frieden, Zivilisation, Gesundheit rundheraus ablehnen, die in Gewalt und Anarchie ihren Sinn erkennen?

RW:  Sie erkennen gar nichts. Sie erfahren und begreifen das Leben nicht, dessen Sinn biologisch wie geistig die Weitergabe, der Schutz und die Entwicklung von neuem Leben ist, keinesfalls die Zerstörung der Existenz.
Die Verneinung dieser Naturgesetzmäßigkeiten stellt Dummheit dar in ihrer ungezügeltsten Ausprägung, verursacht durch vor allem ideologische Infizierungen.

MI:  Sie erklären Dummheit als Krankheit.

RW:  Eine Lebensweise, die die eigene Vernichtung quasi zum Programm erhebt, sitzt auf dem Ast ....
Das mag man zutreffend auch als krankheitsähnlich bezeichnen.

MI:  Kranke aber sind nur vermindert, vielleicht gar nicht schuldfähig?

RW:  Das ist so. Es gibt jedoch die andere Komponente der Dummheit: die Verachtung, mit der Auswirkung von Boshaftigkeit. Der Mitmensch wird degradiert zum Instrument der Verwirklichung des Egoismus’ der Skrupellosen, der Werte Verneinenden.

MI:  Stellen deren Defizite nicht auch eine Krankheit dar?

RW:  Das kann man vielleicht so sehen, sie entsprechen aber viel eher den Prinzipien von Züchtungen, das heißt, an sich gesunden Organismen werden Merkmale und Eigenschaften gegen das Leben angezüchtet.

MI:  Wer sind in diesem Verständnis die Züchter?

RW:  Ganz eindeutig Ideologien, Religionen, Nationalismus, Rassismus und, ganz allgemein, Auserwähltheitswahn, die allesamt durch Erziehung über Generationen vermittelt werden.

MI:  Ohne Erziehung hätten wir aber auch keine Werte.

RW:  Richtig. Es geht aber um humane Werte für das Leben hier und jetzt und nicht um fiktive Vorstellungen des Jenseitigen und des patriotisch Überhöhten. Die traditionellen Werte werden weiter vermittelt, trotz ihrer global immer wieder bewiesenen Untauglichkeit.

MI:  Wie kann das erklärt werden?

RW:  Im Kleinen, in der privatesten Sphäre hilft ja zum Beispiel eine Göttereinbildung. Der naive Gläubige, der „Gutmensch“ findet Trost in seiner kleinen Welt, und wenn nicht, rüttelt das nicht am Weltgeschehen.
Überregional und vor allem global kommen jedoch die ideologisch-religiösen Gegensätze zum Tragen. Ausgrenzungen bilden das Prinzip von Herrschaft und Vorherrschaft. Die Dummheit rüstet sich machtvoll gegen objektives Denken und menschenfreundliches Fühlen.

MI:  Ist die Menschheit also machtlos dem ausgeliefert?

RW:  Bisher weitestgehend, aber nicht total.
Keine Tyrannei der Welt wird je komplett die aufgeklärte Denkweise von Menschen ausmerzen können.
Unser bescheidenes Hoffen liegt in der zu erwerbenden und zu vermittelnden Bildung, in der objektiven Werteerkennung lebenszugewandter, menschenfreundlicher Parameter des realen Lebens. Dazu bedarf es sehr vielen Mutes zum Bruch mit Traditionen und Tabus und einer enormen Vorsicht gegenüber den entarteten Gewalttätigkeiten, Verlogenheiten und Heucheleien der gängigen Herrschaftssysteme.

MI:  Welche Rolle spielen die Medien bei den Bemühungen um Aufklärung?

RW:  Leider nur eine sehr begrenzte, denn sie befinden sich hauptsächlich im Eigentum der Unfreiheit und Einseitigkeit. Zuverlässige Informationen werden mangels Objektivität kaum geliefert, lassen sich aber mühsam erarbeiten, wenn man die Inhalte möglichst vieler verschiedenen Mediensysteme vergleicht und so auf die eigentlichen Spuren von Wahrheit stößt.
Ganz deutlich ist festzuhalten, dass die Mehrheit der Medien weltweit unter der Fuchtel der Dummheit agiert, eindeutig als Propaganda-Apparat unter ideologischem Diktat oder süffisanter Steuerung.

MI:  Gibt es keine Alternativen?

RW:  Bei genauer Betrachtung kaum, denn im Kommunikationszeitalter tragen besonders die Massenmedien zu Feindbildern, Vorurteilen, Pseudowissen und Esoterik bei, indem Nachrichten selektiert und manipuliert und auch gezielte Desinformationen gestreut werden. Sensationssucht, Massenverängstigungen, Psychosen, Epidemien erscheinen wie in saisonalen Rhythmen, sorgen für Pseudoüberzeugungen in den Redaktionen und vor allem bei den Bürgern.
Es handelt sich um einen Verblödungsprozess, den die breite Masse kaum realisiert. Mit anderen Worten, nur Köpfe, die sich nicht hinter Zeitungen und Bildschirmen verbergen, können kluge Köpfe sein.
Sie sind selten und finden entsprechend rare Nischen der Artikulation in wenigen Verlagen mit geringen Auflagen und natürlich im Internet, hier allerdings umgeben von einem Sumpf der Subkultur und undisziplinierten Primitivität.

MI:  Sie, Herr Walden, haben aber hauptsächlich das Internet als Ihr Publikationsorgan gewählt. Glauben Sie, damit Effektivität zu erreichen?

RW:  Das ist eine Frage, was man unter „Effektivität“ verstehen will, denn der Kampf gegen die Übermacht der Dummheit gleicht dem viel zitierten Ritt gegen Windmühlen.
Mein Auftritt im Internet geschieht unter zwei mir selbst gestellten Ansprüchen.
1. Indem ich gegen die Dummheit schreibe, vergegenwärtige ich mir, im Detail begründet, dass ich mich nicht, entschuldigen Sie den Ausdruck, verarschen lasse. Das ist mir sehr wichtig.
2. Wer sich in einer mir ähnlichen Lage befindet, freut sich über jede verwandte Stimme und Meinung, wo auch immer.
Im Internet setze ich ein solches Signal für aufgeklärte Menschen überall auf der Erde. Ich missioniere nicht, baue auch keine Organisation auf, aber offenbar treffe ich auf denkfähige Menschen, auf denken wollende Individuen, wohl zur gegenseitigen Anregung, nicht an der allgegenwärtigen Dummheit zu verzweifeln. So jedenfalls interpretiere ich die ansteigenden Zugriffszahlen auf meine Ausführungen im Internet.

MI:  Erlebten Sie schon Anfeindungen im Internet und darüber hinaus?

RW:  Sie sind nicht nennenswert. Ich habe den Eindruck, dass das Heer der Unzivilisierten meine Argumente nicht versteht und sich schon gar nicht in solche Texte hineinarbeiten kann und will.
Anfeindungen allgemein äußern sich hauptsächlich im „freundlichen“ Totschweigen. Das kommt mir durchaus entgegen, ich möchte mich nicht mit der Ahnungslosigkeit und Unbedarftheit in Dispute vertiefen; es wäre, um den Begriff noch einmal zu verwenden, einfach nicht effektiv.
Natürlich ist es für mich weitaus gefährlicher in Staaten mit geringeren freiheitlich-demokratischen Standards als in Deutschland, das ich dafür ausdrücklich zu würdigen weiß.

MI:  Sie kritisieren nicht nur, sondern entwerfen mit Ihrem Kosmonomischen Manifest ein alternatives Weltverständnis.

RW:  Ein Kritiker ohne Verbesserungsvorschläge ist von vornherein unglaubwürdig.
Im Kosmonomischen Manifest habe ich ein neues Weltbild skizziert, eine Philosophie, die so utopisch für viele erscheint, weil sie quasi im Frieden verankert ist. Sie ächtet jeden Krieg und favorisiert stattdessen konsequenten Humanismus in verwirklichter Gleichberechtigung und in gelebter Empathie gegenüber dem Menschen.
Freude am Denken und am intelligenten Bemühen spielt eine entscheidende Rolle.
Nichts steht über der Würde des Menschen, keine ihn abwertende Idee, keine Ideologie und kein Gott.

MI:  Ich danke Ihnen für das Interview.


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