Donnerstag, 20. Dezember 2012

Exemplarische Wintersonnenwende



Die Stärke des Verweilens liegt in der beständigen Beweglichkeit,
denn nichts verharrt im Stillstand,
jener Unmöglichkeit von Ewigkeit.

Am 21. Dezember 2012 passiert die Sonne wieder einmal den südlichsten Punkt ihrer scheinbaren Himmelsbahn: 12:12 Uhr (MEZ) Winteranfang, kürzester Tag auf geografisch nördlichen Breiten, also Wintersonnenwende.
Der scheinbare Sonnendurchmesser hat etwas zugenommen, denn die Erde steuert jetzt auf ihren geringsten Sonnenabstand am 2. Januar 2013 zu, was auch eine leicht erhöhte Bahngeschwindigkeit unseres Planeten zur Folge hat.

Viele weitere Beweglichkeits- und Drehmomente kann die Astronomie gegen einen „Stillstand“ ins Feld führen wie zum Beispiel die gleichzeitig aktuellen Mond- und Planetenzyklen, periodische Abläufe sogar in entfernten Galaxien.

Zu verweilen bedeutet für den Menschen zunächst einmal, sich Zeit zu nehmen für Erkenntnisse, aber auch für allgemeine Erlebnisse, denn in kosmischen Maßstäben vollzieht sich unser Leben in unbedeutender Kürze. Nur deshalb können wir von „Fixsternen“, „feststehenden“ Sternen sprechen, die sich in Wirklichkeit ausnahmslos bewegen und sich in verschiedenen Entwicklungsstadien präsentieren.

Im Verweilen nehmen wir die Veränderungen wahr, die schnellen und beschleunigten wie die langsamen und verzögerten. Wir sensibilisieren uns für das Geschehen um uns herum und für Vorgänge mit und in uns, wir erhalten die Möglichkeit, Lebensprinzipien zu erfassen. Sie schützen uns vor vereinfachenden und flachen Täuschungen, vor realitätsfernen Meditationen und hektischen apokalyptischen Wahnvorstellungen und den daraus folgenden Unsinnsaktivitäten.

Zu verweilen meint eine kulturelle menschliche Leistung, besitzt keinerlei Gemeinsamkeit mit dem so oft zu beobachtenden „Herumhängen“ oder der äußerst verbreiteten Passivität, sich berieseln zu lassen.

In der gerade jetzt wieder blühenden Konjunktur von Festtagsschwafelei und Unkenrufen um den Jahreswechsel herum ist leider keine Sonnenwende in Sicht, sie ist auch im übertragenen Sinne kein Thema.
Das Verweilen aber, das achtsame Begreifen von Leben, ist vermittelbar, ist erlernbar.
Am Sternenhimmel exemplarisch.

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