Donnerstag, 11. Juli 2019

„Der Schrei von Avignon“

Eigentlich ist immer „Festival“ in Avignon.
Ausgerechnet da versagt mein Auto an einem Wochenende auf langer Reise: Drei Tage unverhoffter Aufenthalt bei heißem Sommerwetter, buntem Treiben in allen Gassen, Menschenmassen unterschiedlichster Vielfalt, morbider Charme allenthalben, arm, bettelarm und reich, wichtigtuerisch und banal und auch ein paar dahindämmernde oder schon siechende Opfer unserer stets hungrigen Gesellschaft, die gleichgültig wegschaut im Schweiße ihrer Lebenslust.
Ganze Straßenzüge, Häuserfronten und Gehwege sind zugemüllt mit einem allgegenwärtigen Wust von Plakaten der Ankündigung aller möglichen und unmöglichen Veranstaltungen seriöser und existenzialistischer Natur von Aussteigern, Sektierern, Esoterikern und glaubensfrohen Einheimischen, Zugereisten und Touristen.

In dem gewaltigen Blätterdach meines von mir zufällig aufgesuchten Campingplatzes an der Rhone-Promenade veranstaltet ein millionenfaches Zikaden-Orchester eine schrille Schallorgie, die mir wie ein dauerhafter Schrei den Schädel füllt.
Das ist Festival: „Der Schrei von Avignon“. So habe ich das nie zuvor erlebt, oder war ich nur zu selten hier, wo sogar päpstliche Glaubenszerrissenheit das Spektakel historisch und aktuell belebt?



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