Freitag, 19. August 2011

Ganzheitlicher Aberwitz

Das Ganze sei mehr als die Summe seiner Teile, zitiert man Sokrates sehr verkürzt und öffnet das Tor zur Spekulation, denn man definiert nicht, was denn das „Mehr“ darstelle.
Bleiben wir in der mathematischen Terminologie, erweist sich das Ansinnen des Addierens zur Summe als arge Bescheidenheit, erscheint doch eine Multiplikation der Faktoren zu einem Produkt der Komplexität des Seins angemessener, wahrscheinlich noch zutreffender die Berücksichtigung auch der Funktionen von Faktoren.

Dadurch wird das Berechnen des Ganzen zwar immer schwieriger, wenn nicht sogar unlösbar, Näherungswerte sind aber gang und gäbe.

Die Astronomie arbeitet beispielsweise beim Verständnis des Universums ähnlich und tastet sich, freilich nicht frei von Irrtümern, immer näher an Faktisches heran.

Und es geht im Erkenntnisprozess des „ganzen“ Seins um Fakten, ein nicht-faktisches Sein wäre eine Nichtexistenz, die nicht einmal über das Nichts theoretisieren könnte.

„Ganzheitlichkeit“ stellt unter den Voraussetzungen die Weichen für den Größenwahn, denn niemand ist im Besitz der Erkenntnis des Ganzen.
Es ist Mäßigung angesagt im ja sinnvollen Bemühen um das Verstehen von Zusammenhängen, vom Zusammenspiel einzelner Phänomene: Also nicht „ganz“ oder „ganzheitlich“, eher schon „größtmöglich umfassend“, um bei den Fakten zu bleiben und nicht auf Illusionen hereinzufallen.

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DENK MAL Nr. 31

Wird ein Meteorologe zum medialen Wetterpropheten, hat ihn wohl das Unwetter erwischt. Er redet ständig davon, als schmerze ihn jede Wetterlage. Stets stark hagelt es, regnet, donnert, strahlt es auf ihn ein und wenn nicht, bekommt er prompt die Frost-Allergie. Unerschöpflich unversicherbar ist das Unwetterpotential.

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Das kosmonomische Denken schwärmt nicht von dem, was sein könnte, sondern zieht Bilanz, zeigt auf, was tatsächlich ist, und sucht nach Gründen für den Status quo, um nach Möglichkeit Korrekturen und Verbesserungen anzuregen innerhalb einer Totalaufnahme des Inhumanen, die den hellen Wahnsinn in dunkler Umnachtung porträtiert: Was die Menschheit bisher auf diesem Globus aufführt, spottet der Würde des Menschen, weil Gesetzmäßigkeiten von Ursache und Wirkung durch Glaubensbehauptungen bis hin zur ekstatischen Abdrift gebrochen werden.

So wie der einzelne Mensch keine Ganzheitlichkeit verkörpert (z.B. „zwei Seelen in einer Brust“), so zeigt sich auch die Menschheit zer- und gebrechlich, einig bestenfalls in Uneinigkeit.
Nicht einmal der Erdball gibt sich ganzheitlich: Ein Tsunami hier, berührt entfernte Kontinente gar nicht, eine Trockenperiode dort, hindert nicht die Überflutungen woanders. Lediglich Naturgesetze greifen ineinander mit zum Teil noch völlig unbekannten Variablen.

Ganzheitlichkeits-Fanatiker leugnen oder verdrängen solche bisher nicht zu schließenden Kenntnislücken und übertragen sie mühelos auf das menschliche Individuum. Dessen ganzheitliches Wohlbefinden entflieht aber, nur weil ein kleiner Zahn mit Karies quält und eine gezielt punktuelle Behandlung fordert.
Kein erblindendes Auge wird durch „Ganzheitsmedizin“ gerettet. Der seelische Zustand so oder so dürfte beide Leiden nicht hervorgerufen haben, noch sie heilen können.

Transferiert auf die Politik, ergibt sich ein erschlagender Beweis für das Fehlen von Ganzheitlichkeit.
Hat der Zahnarzt beim Sanieren des Kariesschadens doch einen „ganzen“ Menschen vor sich, dem er zur Lebensqualität verhilft, besitzt die Politik nur ideologische Trugbilder, kein geschlossenes Menschenbild und doktert regional in überheblicher Selbsteinschätzung und ohne Zusammenhang an Einzelphänomenen herum, dem Opportunismus ergeben, zu Täuschung und Betrug stets bereit.

Wenige Lichtblicke auf gesellschaftlicher Ebene bieten sich durch großartige Werke der Literatur, Musik, Malerei, Gestaltung, Architektur als beständige Vermächtnisse. Auch überzeugen einige aufrichtige humanistische Aktivisten und mutige Menschenrechtler.

Die kosmonomische Philosophie versteht sich als Bezugnahme zum Makro- und Mikrokosmos bei der alltäglichen Lebensbewältigung, als Orientierung an kosmischen Gesetzen bei gleichzeitigem Eingeständnis, dass wir längst nicht alles wissen (können).
„Ganzheitlichkeit“ avanciert da zum Aberwitz.

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