Donnerstag, 19. Mai 2011

Nazi-Totalitarismus

Immer wieder habe ich mich gefragt, wie es zum nationalsozialistischen Totalitarismus in Deutschland kommen konnte. In meinen Augen war Hitler eine so lächerliche Person, dass ich die ganze Geschichte nicht glauben könnte, doch sie war Realität.
Als Nicht-Historiker will ich versuchen, einige Erklärungen zu finden.

Am Ende des Ersten Weltkriegs stand die Lüge von der alleinigen deutschen Kriegsschuld. Tatsächlich waren die Sieger von gleicher nationalistischer Ignoranz.

Entsprechend gestaltete sich der Friedensvertrag von Versailles als ein tiefgründiges Dokument der Rache, um das deutsche Volk – weniger seine Politiker – mit utopischen Reparationsforderungen zu bestrafen, die schwerwiegende Not für die Bevölkerung zur Folge hatten. Das Volk galt nun als der Sündenbock, obgleich es genauso unerbittlich zum Kriegsdienst gezwungen worden war wie die Bürger der Sieger.

Viele dieser armen und gebrochenen Menschen zogen sich in die Privatsphäre zurück und kämpften ums Überleben, vielen gelang es nicht. Arbeitslosigkeit breitete sich rasch aus und bereitete den Anstieg von Kriminalität und Illegalität.
Dennoch hatte das allgemeine Volk eine ziemlich effektive Schulbildung und Disziplin aufzuweisen, aber natürlich war es wie die neuen Politiker nicht mit Demokratie vertraut, welche nun die offizielle Philosophie der Weimarer Republik darstellte.

Es war eine sehr schwache Demokratie voller inneren Konflikte, mit wenig Fortschritt und Perspektive. So fanden Extremisten ihre Bühnen, um ihre seltsamen Ideen und einfache Lösungen für komplexe Probleme vorzustellen.

Die Menschen sehnten sich nach Arbeit und nach Recht und Ordnung, viele von ihnen waren in preußischen Traditionen verwurzelt, im Militarismus, in Akkuratesse und Nationalismus, und sie waren geprägt durch konservative religiöse Bräuche und Werte.
Indem Hitler vermehrt oppositionelle Stimmen ausschaltete, konnten er und seine Gefolgsleute ihr totalitaristisches System sehr effektiv und in einer bemerkenswert kurzen Zeit etablieren. Das machte Eindruck auf viele der so durch den Ersten Weltkrieg geschlagenen Massen.

Hitler selbst und einige seiner Leute waren exzellente demagogische Redner, die wussten, die Mikrofone am Pult und besonders über das Radio (Volksempfänger) zu nutzen. Die Presse und die öffentliche Meinung wurden gleichgeschaltet und Feindbilder wurden konstruiert, welche angeblich das Übel der Welt verkörperten: Die Juden als die ewigen Feinde. Und es gab genügend Wissenschaftler, die den bekannten Unsinn des Rassismus lehrten, hier der „Herrenmensch“, dort die minderwertigen, nicht lebenswerten Rassen.

Sein eigentliches Ziel der Weltherrschaft verfolgend, belebte Hitler die industrielle Infrastruktur und fand begeisterte Unterstützer aus allen Teilen der deutschen Bevölkerung, fleißige Menschen überall, die neue Einkommensmöglichkeiten (Arbeit), kulturelles und sportliches Leben schätzten. Sogar die Kirchen kooperierten mit den Nazis.
Diejenigen, die nicht mit dem „Führer“ übereinstimmten, weil sie wussten, wohin diese Politik führen würde, mussten emigrieren oder verschwanden in den Konzentrationslagern.

Hitler brach den Versailler Friedensvertrag ohne jede Sanktion durch die früheren Siegermächte. Sie wussten sehr genau, was in Deutschland vor sich ging, aber sie reagierten nicht. Permanentes Verstoßen gegen die Menschenrechte, gigantische militärische Aufrüstung, der Anschluss Österreichs, die Annexion des Sudetenlandes usw. usw., die ausländischen Politiker waren genauso blind, so feige, so opportunistisch wie so viele Deutschen.
Das ist das „Geheimnis“ des steilen Aufstiegs der Nazis.
Darüber hinaus gab es interessierte Leute, die ebenso den nächsten Krieg wollten. Einer von ihnen war Winston Churchill, der die Deutschen hasste – nicht ihre Politiker. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich glaube, es war die enorme Geschwindigkeit der Nazi-Erfolge (Hitler regierte nur 12 Jahre!), dass so viele Deutsche Gefolgsleute wurden. Aber man sollte nicht vergessen, wieviele Menschen nicht diese grausame Weltsicht teilten, die im Verborgenen, sogar innerhalb der Wehrmacht in Opposition standen.

Heute ist es leicht, Widerstand gegen Diktatoren einzufordern, zur Zeit des Naziterrors war jede Opposition ein Lebensrisiko – wie es auch heute in ähnlichen totalitaristischen Ländern der Fall ist, die sehr oft durch kapitalistische Regierungen stabilisiert werden im Hinblick auf Öl, Gas und andere Rohstoff-Ressourcen.

Bedauerlicherweise gehört Deutschland zu diesen opportunistischen Pseudo-Demokraten.

(In englischer Übersetzung erschien der Artikel auch im internationalen Magazin Contemporary Litarary Horizon, Nr. 2/2011, Bukarest.)

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