Dienstag, 27. Januar 2015

Kleingeisterhaus


Die Welt des Menschen verkommt zum gigantischen Kleingeisterhaus,
auf Sand gebaut zwar, aber hoch hinaus.
Es liegen Leichen im Keller und jede Menge Sprengsätze.
Fahrstühle fahren wie geschmiert,
doch die Energieversorgung des klotzigen Turms
ist windig und finster, Öl liegt in der Luft, es riecht nach Gas.

Die ärmsten Bewohner hausen ganz unten in Kemenatenlöchern,
davor noch, unterhalb der protzigen Treppen
schlafen die hungernden Obdachlosen.

Zum Mittelbau strampeln mit gespreizten Ellenbogen
die Mittelmäßigen und schauen durch ihre viel zu kleinen Fenster.

Nach oben fährt die Schickeria auf,
gestützt auf Lakaien und Speichellecker,
begleitet von sogenannten Journalisten,
geduldet und befehligt von Bankiers und Konzernzentralen.
Die Luxusappartements und Suiten erfreuen sich eigentümlicher
Eigentümer
aus ererbter und gestohlener futuristischer Gestrigkeit.
Helikopter landen auf den Terrassen des Geldes,
der Horizont versinkt in den Gewändern von fettleibiger Unbewegtheit.

Der Gipfel der Geistlosigkeit verjüngt sich zu einem spitzen Tempel
der multikulturellen ökumenisch-ökologischen Meditation
als Startrampe in die himmlischen Jenseitigkeiten von Geistern,
Engeln, Jungfrauen, Heiligen und Seligen, zu den Göttern und Teufeln
der weltfremden Enthobenheit.
Ein Heiligenschein kondensiert jedes Mal um diesen Tabernakel,
wenn es wieder einmal kracht im heiligen Zwist
der göttlichen Krieger,
die Leichenberge im Keller aufquellen
und die Sprengsätze aufgestockt werden müssen.

Das Klima, heißt es von gewöhnlich inspirierten Kreisen,
baue Spannungen auf,
die schon bald als tsunamiartige Sintflut das Ärgerniskonstrukt
einfach wegwaschen werden.
Auserwähltheit versinkt dann im Strudel anmaßender Dummheit
und boshafter Ignoranz.


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