Dienstag, 27. Januar 2015

Kleingeisterhaus


Die Welt des Menschen verkommt zum gigantischen Kleingeisterhaus,
auf Sand gebaut zwar, aber hoch hinaus.
Es liegen Leichen im Keller und jede Menge Sprengsätze.
Fahrstühle fahren wie geschmiert,
doch die Energieversorgung des klotzigen Turms
ist windig und finster, Öl liegt in der Luft, es riecht nach Gas.

Die ärmsten Bewohner hausen ganz unten in Kemenatenlöchern,
davor noch, unterhalb der protzigen Treppen
schlafen die hungernden Obdachlosen.

Zum Mittelbau strampeln mit gespreizten Ellenbogen
die Mittelmäßigen und schauen durch ihre viel zu kleinen Fenster.

Nach oben fährt die Schickeria auf,
gestützt auf Lakaien und Speichellecker,
begleitet von sogenannten Journalisten,
geduldet und befehligt von Bankiers und Konzernzentralen.
Die Luxusappartements und Suiten erfreuen sich eigentümlicher
Eigentümer
aus ererbter und gestohlener futuristischer Gestrigkeit.
Helikopter landen auf den Terrassen des Geldes,
der Horizont versinkt in den Gewändern von fettleibiger Unbewegtheit.

Der Gipfel der Geistlosigkeit verjüngt sich zu einem spitzen Tempel
der multikulturellen ökumenisch-ökologischen Meditation
als Startrampe in die himmlischen Jenseitigkeiten von Geistern,
Engeln, Jungfrauen, Heiligen und Seligen, zu den Göttern und Teufeln
der weltfremden Enthobenheit.
Ein Heiligenschein kondensiert jedes Mal um diesen Tabernakel,
wenn es wieder einmal kracht im heiligen Zwist
der göttlichen Krieger,
die Leichenberge im Keller aufquellen
und die Sprengsätze aufgestockt werden müssen.

Das Klima, heißt es von gewöhnlich inspirierten Kreisen,
baue Spannungen auf,
die schon bald als tsunamiartige Sintflut das Ärgerniskonstrukt
einfach wegwaschen werden.
Auserwähltheit versinkt dann im Strudel anmaßender Dummheit
und boshafter Ignoranz.


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Dienstag, 20. Januar 2015

Eine frische Sonne


In der Distanz,
der Heimat meiner Gedanken, wache ich auf,
wo am Fuße des Berges salzklares Meerwasser die Felsen annagt und formt,
wo eine frische Sonne von Osten mich aufmuntert,
mit aufzusteigen zum Gipfel, zum Überblick des Unterschieds.
Oben dann, in warmem Schatten, ruhe ich aus, verinnerliche
die Evolution von Land, Meer, Pflanze und Tier – vom Universum.

Tief unten die anstrengende Parallelwelt des Menschen,
geistig getäuscht und verraten.
Ein zum Aufstieg unfähiger Krüppel,
der sich nach seiner ersten Vergewaltigung immer aufs Neue
selbst behindert und verletzt,
sich dem Tode weiht.

Wie gerne verweile ich hier oben!
Doch siedeln kann ich hier nicht.

Ich muss wieder hinab zu den Meinen und
den wenigen nicht Befallenen.
Den Glanz der frischen Sonne behalte ich im Auge,
habe selber Mut gefasst
und kann davon etwas abgeben –
zumindest Skeptikern und Aufgeklärten.




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Samstag, 17. Januar 2015

Szenario des Widersinns


Man mag fein gebildet daherphilosophieren, der praktische Wert relativiert sich immens,
solange vertrottelte, sich weise Nennende grenzenloses Wachstum auf einem begrenzten Planeten predigen,
solange man hemmungslos Schulden für die Nachfolgegenerationen auftürmt,
solange man sich mit kapitalistischer, durchpsychologisierter Dauerwerbung verblöden lässt,
solange religiöse, verdummende Indoktrinationen und Dogmen, sogar Jungfrauenschwangerschaft und Heiligenmärchen samt teuflischem Höllenspektakel als Lebenssinn vorgegaukelt werden und Empfängnisverhütung als „Sünde“ deklariert wird,
solange Schwachmaten mit Waffenlieferungen zu terroristischen Kriegen befähigt und angestachelt werden,
solange freiheitlich-demokratische Grundlagen durch eine fachidiotische Pädagogikideologie ausgehebelt, durch systemkonforme Kompetenzerwerbungen die eigentliche Menschenbildung verhindert wird.

Wissenschaft, längst kapitalgesteuert und mitnichten frei, lässt sich einspannen und unterstützt den Zersetzungsprozess, sodass die Mehrzahl der Dummschwätzer aufgrund der eigenen Verdämlichung nichts mehr davon merkt.

Das einst stolze Schiff der freiheitlich emanzipierten Aufklärung liegt bereits fest auf einer Sandbank, die Passagiere wähnen sich in ruhigen Gewässern, einige Besatzungsmitglieder und Reisenden ahnen Ungemach, die Schiffsführung wollte den Kahn sowieso elegant verschrotten. Man diskutiert über Terroristengefahr durch Gotteskrieger, denen man im letzten Hafen noch reichlich Waffen übergab.
Wo die Ausrüstung jetzt ist? Wer weiß?
Wir haben Arbeitsplätze und den Fortbestand unserer skrupellosen Dummheit gesichert.



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Donnerstag, 15. Januar 2015

Ich frage das Deutsche Volk


In der Präambel des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 heißt es:
„Im Bewusstsein ... hat das Deutsche Volk in den Ländern Baden, Bayern, ... und Württemberg-Hohenzollern, um dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine neue Ordnung zu geben, kraft seiner verfassunggebenden Gewalt dieses Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beschlossen.
Es hat auch für jene Deutschen gehandelt, denen mitzuwirken versagt war.
Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.“

Anlässlich der Vereinigung beider deutschen Staaten wurden am Grundgesetz Änderungen vorgenommen, so auch in der Präambel. Sie lautet nun „in der Fassung der Änderungs- und Ergänzungsgesetze einschl. des fünfunddreißigsten Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes und des Einigungsvertragsgesetzes vom 23. September 1990, zuletzt geändert am 21. Dezember 1992“:
„Im Bewusstsein ... hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassunggebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, ... und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet.
Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.“

Ich frage dich, Deutsches Volk: „Wann wurdest du gefragt, wann hast du in „freier Selbstbestimmung“ dieses Werk vollendet?“

Ich habe während des gesamten Zeitraums als Deutscher in Deutschland gelebt und wurde nie gefragt.
Die gewählten damaligen Parlamentarier hatten bei ihrer Wahl noch keinen blassen Schimmer, wie eine Verfassung aussehen könnte. Sie hatten nicht den von Bürgern erteilten Auftrag zur Entscheidung „in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden“.
Der Auftrag hätte durch Bürgerbeteiligung, durch Wahlen, erfolgen müssen.
Das unter dem Terminus „kraft seiner verfassunggebenden Gewalt“ zu kaschieren, betrachte ich als politische Trickserei.

Die Verantwortlichen selbst sprechen im Text nicht von einer „Verfassung“, sondern vom „Grundgesetz“, dem die neuen Bundesländer schlicht einverleibt wurden.

Es gilt jedoch aktuell auch Artikel 146: „Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

Warum wird eine solche Verfassung bisher von keiner Partei in Deutschland angestrebt?

Ich frage weiter: „Gibt es einen Zusammenhang mit dem Zwei + Vier-Vertrag?“
Artikel 7, Absatz 1: „Die Französische Republik, die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland und die Vereinigten Staaten von Amerika beenden hiermit ihre Rechte und Verantwortlichkeiten in bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes. Als Ergebnis werden die entsprechenden, damit zusammenhängenden vierseitigen Vereinbarungen, Beschlüsse und Praktiken beendet und alle entsprechenden Einrichtungen der Vier Mächte aufgelöst.“

Meine Frage: „Auf welcher vertraglichen Berechtigung befinden sich US-Truppen mit Atomwaffen auf deutschem Boden und führen von hier aus völkerrechtswidrige Kriege?“ – Ist das die „volle Souveränität“ in Artikel 7, Absatz 2 ?
„Das vereinte Deutschland hat demgemäß volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten.“

In Artikel 6 geht es um Bündnisse: „Das Recht des vereinten Deutschland, Bündnissen mit allen sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten anzugehören, wird von diesem Vertrag nicht berührt.“
Es ist nicht klar, ob es sich um bestehende oder zukünftige Bündnisverträge handelt. Daher ist zu fragen, ob es frühere, heute gültige Verträge gibt, die der in Artikel 7 zugestandenen „vollen Souveränität“ entgegenstehen.

Deutsches Volk, als Bürger – ich bin kein Jurist – bitte ich dich um Aufklärung, sachlich fundiert, demokratisch-freiheitlich, der Sache angemessen und würdig.
Auch internationale Kommentierungen sind willkommen, bitte in deutscher Sprache.
Anonyme Stellungnahmen finden keine Berücksichtigung.

(Alle Textquellen stammen aus: Kultusministerium NRW, Menschenrechte Bürgerfreiheit Staatsverfassung, Verlag Ferdinand Kamp Bochum, 1993
ISBN: 3-592-87010-6)




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Dienstag, 13. Januar 2015

Farbe ist Licht ...




Farbe ist Licht, benötigt Substanz, folgt der Physik des Auges, interpretiert sich erfahrungsgemäß individuell, Farbe ist und erzeugt Temperament. 

Copyright Bild: Claudia Wolf
Text:  Raymond Walden

Sprache bist du


Sprache bildet ab, dich und deine Bildung.
Der Mensch, mein imaginärer Freund, ist Sprache, denn er definiert sich über sie. Seine Kommunikation, der Informationsaustausch, Kenntnisein- und –ausgänge, die Verinnerlichung, Be- und Verarbeitungen, das eigene Denken, die Schaffung eines Selbstbewusstseins und einer Weltanschauung, das Erfassen des Seins beruhen auf dem Gebrauch von Sprache, einer grandiosen und faszinierenden Kulturleistung gegenüber den in der Tierwelt üblichen Verständigungsmöglichkeiten.

Du, mein Freund, bist Subjekt, Prädikat und Objekt mit all den adverbialen Bestimmungen des Ortes, der Zeit, des Grundes, der Art und Weise, des Zwecks und der Häufigkeit. Du selbst stehst in der Frage und Antwort, direkt, indirekt und suggestiv. Die Aufforderungen und Befehle betreffen dich wie die Erzählungen in allen Zeiten, in der indikativen Realität wie im Konjunktiv und im Konditional, du solltest folgern, erörtern, dialektisch argumentieren.

Dazu brauchst du einen Wortschatz, du bedarfst eines Satzbaus, einer Grammatik. Sprechen, lesen – auch zwischen den Zeilen – und schreiben – richtig schreiben – musst du können, zuhören und verstehen.
Deine Artikulation wird begleitet durch Mimik, durch Körpersprache, durch Tonfall, Lautstärke, Gefühle und Temperament.

Sprache motiviert dein Wissen, dein Üben, Lernen und Können, sie führt heran, verführt mitunter, ist Ausdruck von Liebe und Abneigung, von Freude und Kummer, von Leidenschaft und Begeisterung, von Leid und Trauer.
Sprache verbreitet auch Irrtum und Glauben, Ideologie und Hass, das muss man wissen. Sprachlosigkeit kündigt jeder Intelligenz, vor allem in Parlamenten und auf Parteitagen, aber auch im alltäglich Kleingedruckten.

Humanität, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Würde sind sprachliche Manifeste mit realer Über- und Umsetzung. In der Sprache erwächst die Dramaturgie der Freiheit. Ohne Sprache schlägt das Schicksal zu und führt widersinnig und sinnlos Krieg.

Glücklich die Mehrsprachigen, die den wahren Zauber von Sprache interkulturell begründen und erleben können!

Und du, mein imaginärer Freund?
Du „chattest“ und „twitterst“?
Trommelst auf Tastaturen?
Brauchst auch deinen täglichen „Tatort“ der Gewalt!
Hast du dich wirklich aufgegeben?
Zurück in Zeiten des Analphabetentums?

Belebe dich und die Sprache.
Erhebe dich vom Flachschirm, komm zurück aus deinen Netzwerken und schaue Menschen in die Augen!
Sprich mit ihnen! In ganzen, richtigen und schönen Sätzen.
Geborgenheit und Fähigkeit kommen im Verstehen.



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Montag, 12. Januar 2015

Spitzer Bleistift


Als ich vor einigen Tagen meine „Sequenzen von Skepsis“ auch mit dem Bekenntnis abschloss „Je suis Charlie“, ahnte ich aber nicht, welche gigantische Instrumentalisierung des Mottos einsetzen sollte.
Hunderttausende es ehrlich Meinende kamen in Bewegung.

Wer aber lief da an der Spitze mit?
Da waren Figuren zu sehen, die noch jeden spitzen Bleistift verhindern, ihn abbrechen und das Anspitzen verbieten, da liefen Waffenlieferanten einiger Terroristen unterstützenden Unrechtssysteme mit, da schritten Regenten des Hasses und des Terrors wie böse Karikaturen innerhalb einer Woge der Freiheitlichkeit.

Einige hatten sogar die Stirn, sich nach dem Auftritt in ihrem Auserwähltheitswahn zu Gebeten an ihre Götter zu versammeln, an jene Fantasiegebilde, welche die eigentliche Ursache der widerlichen Kulturkämpfe sind.

Und natürlich kommentiert das keines der Einheitsmedien.
Wissen die Verantwortlichen, weiß der Durchschnittsmensch eigentlich noch, was ein spitzer Bleistift ist? Was er können soll und muss?
Tritt wieder einmal die gnadenlose Gefangenschaft in Dummheit hervor oder ist es die Gerissenheit in ausgefeiltster Methode?

Es ist wohl beides.
Und „Charlies“ Opfer verwelkt in vordergründigem Aktionismus.

Charlie, ich weine um dich und halte unbeirrt an unseren Idealen fest.


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Donnerstag, 8. Januar 2015

Sequenzen von Skepsis (195)


Aphorismen zum Nachdenken und Zitieren:

2445
Eine bunte, multikulturelle Gesellschaft funktioniert ausschließlich auf der Basis von freiheitlich-demokratischer Emanzipation. Keine Religion erfüllt diesen Anspruch.
Glaubenspostulate gehören nicht in eine aufgeklärte Öffentlichkeit, die ihrerseits auf der Basis von Wissen, von Ursache und Wirkung für Gerechtigkeit und Gewaltfreiheit zu sorgen hat.

2446
Gutmenschen gefährden durch ihre Verharmlosung destruktiver Kräfte die Freiheit. Arglosigkeit aber ist Ausdruck von Weltfremdheit, jenem wuchernden Tumor, der jedes schöne Freiheitsideal zu Tode quält.

2447
Genuss ist sinnlich und herzlich.

2448
Die Interpretation erschließt der Welt den Ton, lässt sie erklingen, im Echo sich brechen und im Nachhall vergehen.

2449
Menschenwürdige Neugier ertastet einfühlsam Unbekanntes und Neues, um es zu bergen als klare Erkenntnis.

2450
Ahnung bedeutet Wissen und Nichtwissen zugleich im Bewusstsein des Unvollkommenen, der vollkommenen Endlichkeit.

2451
Politische Farbspiele mischen sich zu Schmutz, denn es fehlt der Farbenlehre reines Licht.

2452
Wo Sach- und Fachverstand zu Hause sind, wird es verbindlich und gemütlich. Ganzheitliche Schwafelei kühlt aus, denn sie scheitert am Detail.

2453
Symbolisch wird niemand satt, auch nicht gesund. Symbole töten aber ganz real.

2454
Im Patriotismus verbirgt sich der Fetischismus der Unterwürfigkeit unter das Kleinkarierte der bedeutsamen Bedeutungslosigkeit. Ersatzbefriedigung bis hin zu eigener zerstörerischer Aufopferung in mangelnder Kenntnis von der Welt.

2455
Das schärfste Kabarett dient in einer ignoranten Gesellschaft lediglich als scheindemokratische Alibiveranstaltung dafür, dass die Kritisierten noch unverfrorener weitermachen dürfen. Das lächerliche Publikum hat ausgelacht und doch nichts verstanden. Wie sollte es auch? Systematisch belogen, betrogen und aufgezogen! Es ist doch eigentlich alles gut ....

2456
Es ist davon auszugehen, dass Staatspräsidenten und Kanzler nicht das geringste Gespür für den laizistisch-demokratischen Staat aufbringen, wenn sie besonders bei feierlichen Ansprachen öffentlich den Segen ihres Gottes postulieren. Faktisch bedeutet diese Unsitte eine unverschämte Nötigung. 


Copyright: Raymond Walden,  www.raymond-walden.blogspot.de


Je suis Charlie


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Samstag, 3. Januar 2015

Schwelle des Unsinns


Merkelt ihr eigentlich nicht, wie man euch anmerkelt?
Ausgemerkelt merkelt sich Frau Merkel bei Mr. Obama ein, lässt sich klimatisch vormerkeln und bemerkelt zu manchen Problemen bemerkelnswert wenig. – Wirklich merkelwürdig!

Merkelwörter und Merkelsätze bedeuten oft unbemerkelt genau das Unmerkelbare.
Immer wieder umwerfend die religiösen Anmerkelungen und die Vermerkelungen auf Wachstum.
Besonders auffallend die stets stattfindende Abmerkelung der Demokratie durch merkelartige Beschleunigungsdebatten mit Beschlüssen, die nicht einmal die Abgeordneten vermerkeln.
Dabei geht es zumeist um Merkelrettungen südeuropäischer Unmerkelichkeiten und vor allem um die Merkelichkeit des Euro, einer inzwischen in der Tat merkelos verschuldeten Währung. Da kommt es offensichtlich auf Hunderte von Milliardenmerkel wirklich nicht an. Verbindlich zahlen werden das doch die kleinen Merkels.

Zum Merkelmachterhalt gehört merkelischerweise die Merkelwende, heute noch pro, jetzt schon antiatom, gepaart mit grünbiederer Klimavermerkelung, die allerdings nicht nur die Kleinmerkels zahlen müssen, sondern alle Vermerkelten.

Merkelsprüche als Merkelhilfe stehen auf zahlreichen Merkelblättern, auch in Merkelheften, und Monsieur Sarkozy findet die Dame so anmerkelnd, dass er sich vielleicht sogar mit ihr ein gemeinsames Merkelmal setzen möchte.
Das sollte dann aber in merkelischer Heimat, in Merkelnburg-Vorpommern eingemerkelt werden, abgemerkelt von seriöser Wahrnehmung.

Monsieur Hollande hingegen hat sich nicht in die Kanzlerin vermerkelt.
Putin merkelt an ihr herum, weil sie ihm die lupenreine Merkelei nicht abnimmt.
Die Chinesen spielen eine immer bedeutendere Merkelei für die merkelsche Wirtschaft, die auch gerne Waffenmerkelei mit anderen merkelwürdigen Despoten untermerkelt.
Wie dem auch sei, Merkel entscheidet und gilt vielen vor allem in ausmerkelischen  Landen als eiserner Besenreiterin.

Ganz anders in Merkelkreisen: Auf dem Bundesparteitag der Merkeldemokraten in Hannover 2012 schraubt sich die Zumerkelei auf fast 98 Prozent – wahrhaft merkelistische Verhältnisse!
Sogar der Seemerkel von der CSU will künftig nur ein schnurrender Merkelkater sein, um die Wohlgemerkeltheit der merkelhaften Königin nicht zu vermerkeln.

Zurück in die Wirklichkeit. Ich zitiere Nr. 173 aus meinen Sentenzen von Freiheit:

Wenn dir alle zujubeln, hast du die Schwelle des Unsinns überschritten.

*******

Diesen Text schrieb ich am 5. Dezember 2012 und zögerte damals etwas mit der Veröffentlichung; er erschien mir denn doch zu albern.
Nunmehr halte ich diese Witzelei endgültig für ernst genug und wiederhole sie hier, da sich Frau Merkel (wie auch ihr selbstzufriedenes Wahlvolk) anschickt, die Demokratie schlussendlich zu vernichten, außer Kraft zu setzen durch ein Freihandelsabkommen, das einem, je nach Blickwinkel, Ermächtigungs- oder Entmächtigungsgesetz entspricht: Dem Kapital, den Konzernen wird in dem Vertrag der Vorrang vor jeder Regierungspolitik eingeräumt, sogar mit eigener Rechtsprechung. Damit ist das Volk, ob nun eingeschläfert oder mündig kritisch, ausgeschlossen bei allen wichtigen Entscheidungen!
Demokratie ad absurdum.
Diesem Fanal begegne ich jetzt einmal bewusst sarkastisch, auch im Hinblick auf die demokratisch völlig unzureichende Zuverlässigkeit des amerikanischen Vertragspartners, der Kriegsverbrechen begeht, die Verantwortlichen frei herumlaufen lässt, Folterungen verübt  und nicht ahndet, der offensichtlich in seinem kapitalistischen Sumpf der Zusammenarbeit mit Despoten überall auf der Welt jegliche menschenwürdige Relation verloren hat.

Europa, beende endlich und noch rechtzeitig deinen Kriechgang: Merke auf!
Deutschland, du hast doch schon einmal das Unrecht ermächtigt! Merkst du wirklich nichts?
Ich bitte dich!



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Donnerstag, 1. Januar 2015

Wirklich bleiben


Nachts erfinde ich den Tag,
er bricht an und belächelt mich,
denn er ist heller als ich.
Ich weiß, ich muss nachbessern,
das heißt, wir gleichen uns an,
mein Tag und ich.

Zeit habe ich, die mir bleibt,
die mir Gelassenheit aus reichen Erfahrungen schenkt.
Kein Stundenplan, kein Kompetenzteam, kein Cyber Hype,
auch keine Spießigkeit,
kein Event, noch eine Location.
Gottlos!
Also doppelte Verneinung, ich weiß,
„Gott“ alleine ist doch schon das Nichts.
Das Nichts aber mit größtem Gefolge,
mit Folgen.

Sie fluten rundum;
wie schwimmt man da gegen den Strom?
Einsam,
nicht alleine,
denn auch andere Menschen können denken,
mit Verstand leben, nicht im Glauben.

Wissen fasziniert,
mehr noch vielleicht die Wissenssuche,
Bildung des Menschen, die über Kompetenzen steht,
sich nicht begnügt,
im kapitalistischen Habgierbetrieb zu funktionieren,
nicht durch praktizierte Unbildung in den
Massenkompetenzvermittlungsanstalten verhindert
und zugeschüttet.

Die Ignoranz merkt keine Verblödung durch Werbung,
erkennt keine uniforme Ausrichtung politischer und religiöser
Ideologien, keine Mediengleichschaltung und schon gar nicht
Desinformation durch Verschweigen und frankes Lügen.

Mein Tag ist freundlich,
lässt mich schauen, lernen, beurteilen.
Er wärmt mich, gibt mir Speisen und Trank,
lässt mich arbeiten und ruhen,
Ideen verwirklichen, regt an und inspiriert.

Denke ich dann an die Hungernden, die dekadent Reichen,
die Kriegstreiber, die Folterer, Gefolterten, Geschundenen,
die Sterbenden, bleibe ich gerne einsam
in meiner transparent aufgeklarten Welt.
Entdecke ich hin und wieder irgendwo einen wachen Verstand,
rufe ich in meinem Kalender einen Feiertag aus.

Senkt sich hernach die Sonne zur Nacht,
folge ich ihr zu neuer Kreativität,
nachts zwischen Schlaf und Traum
erfinde ich wieder einen Tag.

Eines Tages, das ist gut so,
werde ich nicht mehr erfinden,
weder Tag noch Nacht wird sein.
Alles Sein wird zum Kehrwert, zum Nichtsein.

Bis dahin aber bin ich, bleibe ich wirklich.



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