Mittwoch, 22. August 2012

Sequenzen von Skepsis (112)


Aphorismen zum Nachdenken und Zitieren:

1452
Ein Herz zu berühren, ist ein tiefes geheimnisvolles Glück,
Herzen zu erobern, erzeugt Euphorie und dennoch Oberflächlichkeit,
vielleicht auch modische Eitelkeit.

1453
Während ich über die intensive Gestaltung meines Lebens nachdenke, zerrinnt mir die Zeit wie Sand durch die Hände, zerfließt wie sonniger Wein aus einem zerbrochenen Glas.

1454
Hektik als totalitäres System zieht Trennlinien, errichtet Mauern und spannt Stacheldrähte, kappt Verbindungen.

1455
Wie Kommunismus, Kapitalismus, Faschismus und jegliche Diktatur widerlegt sich jedes Gottes-System auf schmerzlichste Weise selbst.
Die Frucht menschlicher Güte wird nicht erkannt.

1456
Lobe dein Kind immer wieder.
Zeige ihm deine Liebe,
indem du ihm Grenzen aufzeigst,
damit es nicht andere unfreundlich tun.

1457
Der tatenfrohe Morgen deckt sich auf, erfrischt sich und tritt in den Tag ein.
Der angeschlagene Morgen vergräbt sich in sein Kissen und steigt aus dem Tag aus.
So rollt der Zug der Jahre, auch versäumte Tage zählen.

1458
Täglich in Arbeit zu versinken, entwirft die Pläne der Gleichgültigkeit, die Sackgassen der Teilnahmslosigkeit.

1459
„Mit allen modernen Mitteln bauen sie in der Nachbarschaft ein Altenheim aus Stahlbeton – und hoffentlich aus Einfühlsamkeit“, denke ich und schaue von einem Balkon aus den kräftigen Arbeitern mit freiem Oberkörper in der sommerlichen Morgensonne zu. – Ich bin jetzt 66. Düsseldorf, im Juli 2012.
Meine Eltern starben in ähnlichen Anlagen der Fürsorglichkeit, die ja unweigerlich ein persönliches Ende bedeutet.

1460
In seiner beängstigenden, auch gewaltsamen Ratlosigkeit erschafft der Interimsmensch seinen Gott und damit sich selbst in seiner Erlösungsbedürftigkeit, die nichts anderes meint, als die Notwendigkeit der Ablösung durch aufgeklärte und verbindliche Humanitas.

1461
Wer gegen den Strom schwimmt, muss mit viel Treibholz und manchem Unrat rechnen.

1462
Der tierische, biologisch sinnvolle Trieb, stets zu wachen und zu kämpfen, futterneidisch zu agieren, muss durch den Menschen in seinem aufgeklärten Selbstverständnis sublimiert, das heißt veredelt werden.

1463
Spiegelbilder und Fotos verdeutlichen und dokumentieren, was dennoch der interpretierenden Betrachtung unterliegt.

1464
Die Freiheit der Beweglichkeit ruht auf der Möglichkeit des Verweilens wann und wo immer.


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