Mittwoch, 23. Mai 2012

kosmonomisch kurz kommentiert (12): Merkwürdiges Demokratieverständnis


Das SPD-Mitglied Thilo Sarrazin schreibt ein kritisches Buch zur europäischen Währung und vermarktet es auch. Das ist sein gutes Recht.

Weil der umstrittene Autor einiges gegen den Mainstream vertritt, ruft er offenbar eine ganze Meute von scheindemokratischen Sittenwächtern auf den Plan, angefangen von diversen Parteimitgliedern, über Berufslobbyisten bis hin zum Mob der Straße. Man will dem Fernsehsender ARD klarmachen, was sein Bildungsauftrag sei und was nicht. Der Pöbel droht auf Spruchbändern „Halt’s Maul! Oder wir schlagen zurück!“ (Ungeahndete direkte Gewaltandrohung ?) Und sogar der sich zum Widerspruch herausgefordert fühlende Genosse und direkte Diskussionsteilnehmer argumentiert in der Talkshow mit „Bullshit“ in unqualifizierter Wortwahl.

Der Autor streue ausgerechnet jetzt in der Eurokrise Salz in die Wunde, argumentiere geschichtslos und gefährde den Bestand der EU. Er disqualifiziere die Südländer und schüre Vorurteile, indem er ihre Eigenarten im Geschäftsleben hervorhebe usw.
Auf diese Seifenblasen und Worthülsen kann man ernsthafterweise nicht eingehen, denn natürlich hat jede Gesellschaft ihre charakteristischen Parameter, die übrigens der kulturellen Reichhaltigkeit Europas zugute kommen.

Das sei doch alles von gestern, kokettiert der Politiker. Die Probleme der Finanz- und Eurokrise stellten sich jetzt und müssten jetzt gelöst werden!
Bei aller beeindruckenden Eloquenz allerdings bedarf es schon einer besonderen Gesichtseinengung, denn genau diese Vergangenheit ist von eben diesen politischen Lagern und teilweise jetzt noch amtierenden Politikern zu verantworten.
Die Währungs-Union ohne politische Union zu schaffen, war definitiv ein Fehler.
Demokratie in Europa, so scheint es, ist das erste und ärgste Opfer.


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