Dienstag, 16. August 2011

Sequenzen von Skepsis (76)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

970
Wie ein Tsunami spült Massenhysterie alles hinweg; der geistige Schaden ist verheerend und zieht eine Spur ideologischen und materiellen Unrats nach sich.

971
Nicht zu bezifferndes Leid, das Menschen im Namen eines Gottes seit jeher zugefügt wird, untermauert moralisch die Hinterfragung von Religion und kann intelligenterweise nur zu ihrer Ablehnung führen.

972
Wer Waffen produziert, ob als Fließbandarbeiter oder Boss, muss den Tod im Hinterkopf haben. Waffenexporte stiften zum Morden an.

973
Der Frühling erfindet sich immer neu und möchte den Menschen mitnehmen.

974
Ruhe ist Teil des Lebens, nicht des Todes.

975
Eine gepflegte Fassade verschont innere Risse wenigstens vor äußeren Einwirkungen.

976
Alt geworden, plötzlich krank, gestorben und die unausweichlich einfühlsame Mahnung: „Er ging ja nie zum Arzt!“

977
Das Volk der Interimsmenschen will getäuscht werden, denn es scheut die Anstrengungen der Wahrheit. Je entschiedener, rigoroser und skrupelloser die Wortverdrehungen, desto weniger Zweifel hegt der Naive, desto überzeugter weiß er, dass er nicht hintergangen wird.

978
Evolutionäres Unterscheidungsmerkmal des Menschen vom Tier: Er lügt.

979
Was der Mensch erfasst und was er schafft, verblasst im Gegensatz zu dem, was er nicht begreift und was er anstellt.
Auf der Suche nach sich selbst scheitert er durch reale Gewalt in seiner Scheinwelt aus Göttern, Dämonen und Einbildungen.

980
Der mündige Bürger, falls es ihn je gab, mutierte durch Kernspaltung, Genmanipulation, Ozonloch, Waldsterben und Kohlendioxidmärchen zu einem Grünschnabel, der keinem Klima gewachsen ist.

981
Burgen und Schlösser sollen von Macht und Reichtum erzählen und sind doch nur Ausdruck von Angst und Aggression. Von Primitivität.

982
Nebenwirkungen, oberflächlich nicht einkalkuliert oder bewusst verharmlost, entwickeln dramatische Effizienz als ungeahnte Wechselwirkungen.

983
Das provenzalische Licht hinderte Nostradamus nicht, obskur seine dunkle Sicht der Zukunft aufzuzeichnen.
Van Gogh hingegen sog das Licht auf und bannte es auf die Leinwand als immer währende Gegenwart – und wurde farbentrunken.

984
Werbung verzerrt das Fernsehprogramm wie das Bild vom Menschen.

985
Kapitalismus stilisiert mit Gewalt den quälenden Todeskampf der Menschenwürde und verzinst die Ethik verdummender Doppel- und Antimoral.

986
Nicht die Kleidung trägt den Körper,
nicht die Frisur den Kopf.

987
Der Nutzen von Wasser und Öl basiert auf Reinheit.

988
Wie Treibgut schwimmt die öffentliche Meinung ohne Tiefgang an der Oberfläche.

989
Freiheit interpretiert individuell den persönlichen Näherungswert an das Absolute, das es in einem endlichen Sein nicht gibt.

990
Vollkommenheit ist nur nach den Bedingungen der Evolution denkbar, unterliegt also Entwicklungen.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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