Montag, 30. Mai 2011

kosmonomisch kurz kommentiert (2)

„Größte Freiheit ist Angstfreiheit.“

Dreht man diese meine „Sequenz von Skepsis“ Nr. 130 im rechtsstaatlichen aktuellen Sinne, lässt sich formulieren: „Angst baut die unüberwindlichsten Kerker.“ Oder einfach: „Angst ist Gefangenschaft.“

Was wird nicht alles in dieser freiheitlich-demokratischen Gesellschaft inszeniert und behauptet, um Angst zu erzeugen, um auch bei nicht ganz so Leichtgläubigen wenigstens Verunsicherung und Ratlosigkeit zu hinterlassen!

Die Methode hat ihre uralten Wurzeln in allsichtigen strafenden Gottheiten, die sich seit jeher mit der herrschenden geistigen und gelegentlich auch biologischen Inzucht-Kaste vereinigen.
Im Zustand der Angst lässt sich das Volk leicht gegeneinander aufbringen (teilen) und beherrschen, übervorteilen und im umfassenden Begriff zur Kasse bitten bis hin zum zu entrichtenden Blutzoll.

Angstpropheten („Feindbild“-Erzeuger) sind heute in üblicher und bewährter Weise irgendwelche Kartelle, auch phantasievolle Institute mit scheinwissenschaftlichen Kompetenzen.
Der kurze Draht führt direkt zu den medialen Demagogen und ihren vorauseilend loyalen Nachbetern, die dafür sorgen, dass aus jedem Anlass, sei er begründet oder aus der Luft gegriffen, zumindest ein epochaler Medientsunami entsteht.

Der allein schon spült reichlichst Geld in die gewünschten Kanäle und Macht in manch zweifelhafte Zentrale.

Heute ist der 30. Mai. – Weltuntergang!
Wir sprechen uns. – Bis morgen!
Ohne Angst.

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Samstag, 28. Mai 2011

Sequenzen von Skepsis (67)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

836
Nichts da mit Ewigkeit, einer verklärenden Fata Morgana!
Ich schöpfe Kraft aus der Zeitlichkeit, lebe jetzt und hier,
reifend bewusster und gelassener.
Niemand muss mich fürchten,
aber auch ich fürchte immer weniger.
Es ist meine Zeit, solange ich bin.

837
Angst geht gerne grundlos auf Flugreisen.

838
Ein wirklich schöner Abend kostet aus,
schmeichelt der Nacht und vergoldet das Morgenrot.

839
Über Jung und Alt wird so viel philosophiert, dass ich mich enthalte.
Aus Neutralität.

840
Größe komponiert sich aus Kleinigkeiten.

841
Urlaub genießt die Arbeit der anderen.

842
Es braucht verdammt viel Weisheit, den Tag als Sekunde des Lebens zu begreifen. Meist gelingt das erst in der erinnernden Rückschau, um einzusehen, dass man die Uhr zu oft flüchtig, sogar falsch abgelesen hat.

843
Nicht nur man selbst, alles Umfeld altert.
Das will verkraftet sein, Alter!

844
In der gängigen Pornografiertheit stellt sich die ungenierte Abwertung des Körpers zur Schau, lebt sich die gestaute Sexualfeindlichkeit aus.

845
Wahrnehmen, erkennen, gestalten; das ist Perspektive.
Sie scheitert oft schon am ersten Kriterium.

846
Eines der einträglichsten Geschäfte ist das des Angsteinflößers.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com


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Evolutionär gesellschaftskritisch, kosmonomisch weltoffen:

Raymond Walden: Menschliches Glauben

Novumverlag, 220 S. 16,90 €, überall im Buchhandel

Siehe auch Monatsarchive August 2008 und Februar 2010.

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Donnerstag, 26. Mai 2011

Sequenzen von Skepsis (66)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

822
Das Leben ist ganz anders.

823
Wissen alte Freunde vorwiegend Altes zu berichten, ist das die Herausforderung an das eigene Alter.

824
Naturgemäß sehen wir uns vor allem subjektiv. Das verhindert zu oft die Selbstheilung.

825
Im Entdecken und Verstehen immer neuer Funktionen neigt das Leben bedenklich zum Funktionalismus. Es funktioniert nicht mehr.

826
Sie spielen Golf? – Dann haben Sie mindestens ein Handicap.

827
Verfolgt man im Geschichtsatlas die politischen Veränderungen während nur der letzten hundert Jahre, zeigt sich krass die Schnelllebigkeit der Veränderungen und glasklar, dass alle Kriegsopfer völlig umsonst, das heißt, sinnlos sind.

828
Wann immer ich in ein Altenheim schaue – intensiv, habe ich den Beweis, dass man mit „Gott“ sehr viel Erbarmen haben muss, sehr viel ....!

829
Integration ist eine religiöse Unmöglichkeit.

830
Die Natur betet nicht, sie lebt freudenvoll und stirbt würdevoll wie grausam. Der Mensch hätte das Zeug, die Natur für ihn milde zu stimmen.

831
Am Sternenhimmel erkennst du den Ort und die Zeit und entdeckst vielleicht dich.

832
„Freie Presse“: das Blatt vorm Mund, das den Balken vor dem Kopf nicht zu tarnen vermag.

833
Das Alte passte früher schon nicht in die Zeit – und heute erst, da es immer mehr Alte gibt und weniger Zeit!

834
Wer naiv nichts durchschaut, mag sich freuen, Unsinn unterstützen und sich alsdann wundern. Deshalb erscheint Banales oft so wunderbar.

835
Im Umfeld irrealer Lichtgestalten realisiert man bald finstere Schlagschatten.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Mittwoch, 25. Mai 2011

kosmonomisch kurz kommentiert (1)

Friedensprozess in Nahost?

Friedlich nebeneinander, besser noch, miteinander zu leben, setzt gegenseitige Achtung, Respekt und Gleichberechtigung voraus. Im Nahen Osten sucht man auf beiden Konfliktseiten vergeblich danach; die hinlänglich bekannte Historie liefert die Gründe, die vorwiegend im Irrationalen von Religionen und Ideologien liegen.
Frieden auf der Basis zweier gleichberechtigter unabhängiger Staaten wäre eine Option unter der Voraussetzung von Rückgabe widerrechtlich besetzter Gebiete bei beidseitiger Entmilitarisierung unter internationaler Kontrolle.
Alles andere ist nichts als die seit Jahrzehnten praktizierte Vertuschung eines aggressiven, aber durch gar nichts zu rechtfertigenden „Rassismus“.

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Montag, 23. Mai 2011

Sinnvolle Vergegenwärtigung

Objektiv gibt es keinen Sinn des Lebens. Das Werden und Vergehen in seinen umfassenden evolutionären Entwicklungen lässt keine Schlüsse auf einen Sinn zu.

In diesen zunächst deprimierend leeren Rahmen gestellt, kann sich der Mensch seinen eigenen Sinnbegriff skizzieren und ihn vielleicht als ein mehr oder weniger gelungenes Gemälde vollenden.

Weitaus die meisten Sinnsucher aber gehen den naiven und dümmlichen Weg, sich eine Religion als sinnstiftend schon im Kindesalter vorsetzen zu lassen – wie sollte man sich auch wehren? – und nie im Leben eine Alternative zu erwägen.
Vor der geistigen Herausforderung, die Leere kreativ zu überwinden, geht der Mensch förmlich auf die Knie, betend seine weitreichende Abkehr von der Realität hin zur göttlichen Jenseitigkeit als „das Leben überhaupt“ zu preisen.
Solche „Auserwähltheit“ hier funktioniert zwingend nur vor dem Phänomen der „Verdammnis“ dort: Leid en masse wird produziert.

Der kosmonomisch orientierte Mensch maßt sich nicht an, den einzig wahren Gott zu kennen.
Er gesteht vielmehr seine Unwissenheit über Herkunft und Ziel des Universums, ist sich aber sehr sicher, dass angesichts der Erhabenheit des Kosmos im Großen wie im Kleinen ein kleinlich krämernder, persönlicher Gott die absolute Unmöglichkeit darstellt: Der „Schöpfer“ wäre kleingeistiger als sein Werk!

Im Bewusstsein dieses klaren Bildes von der Natur und vom Menschen, beide zunehmend wissenschaftlich und emotional erlebbar, meidet die Kosmonomie religiöse Dispute. Gegen das und den Glauben stechen keine Argumente, zu verschieden sind die Denkebenen.

In der Faszination des Lebens und der unbelebten Welt zeigt sich unter anderem, wie sinnvoll das Ende jedweder Abläufe ist, wie logisch der Tod das Leben begrenzen muss. Diese Akzeptanz verdrängt der noch unreife Interimsmensch, statt sich dem Faktum Tod zu stellen und vermehrt den Blick auf Leidenslinderung, sogar auf Leidverhinderung zu konzentrieren.
Mit Engagement, Fleiß und Verstand wird die Welt in alltäglichen Angelegenheiten immer durchschaubarer, in die oft grausam erscheinende Natur kann der Mensch zu seinem Wohle im Sinne von mehr Menschlichkeit, von effizienter Humanität eingreifen.

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DENK MAL! Nr. 30

Je medialer politische Lügen, desto geringer die Wahlbeteiligung: Die Rechnung geht auf, Demokratie erstickt an Schulden und ihrem Terrorismus.

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Nicht ein imaginäres ewiges Leben im Jenseits gibt Sinn, sondern die Hinwendung zum realen Leben; die Erarbeitung von angenehmen Umständen, von Genuss und Freude, das Erringen von Erleichterungen der täglichen Lasten bis hin zur Sterbehilfe werden zu einem lohnenden Ziel für die Gemeinschaft wie für das Individuum.
Die Rede ist von Verantwortung, Aufrichtigkeit, Achtung vor Mensch und Natur. Der Sinn erschließt sich jedem intelligenten Menschen auch ohne aufdringliche Missionierung, man muss allerdings bereit sein für einen Abschied aus indoktrinären Lebensgewohnheiten, die da basieren auf zügellosen Ausbeutungen, Unterwerfungen und Missbrauch von Wissenschaft und Technologie, auf der Missachtung des Lebens hier und jetzt.

Kein Mensch kann die Welt ändern, die Mehrzahl der Erdenbürger kann nicht einmal sich selbst ändern, weil sie unter Zwang leben muss.
Da aber, wo die Aufklärung einige Nischen behauptet, keimt Hoffnung.
Lebensfreude ist Sinn, ebenso die Lebensbetrachtung in humaner Leidenserleichterung. Eigenständiges Denken ist Voraussetzung für einen Sinn des Lebens, der sich aus Wissbegier, Interesse und Anteilnahme an der Umgebung mit weitesten Horizonten realisiert. Konstruktive Kritikfähigkeit und ihre praktische Umsetzung gegen alle religiös-okkulten und ideologischen Hauptströmungen fordern auch Spiritualität, jedoch eindeutig als geistige Vergegenwärtigung und nicht als vergeistigte Entrücktheit gemäß bevormundender geistlicher Merkwürdigkeiten.

Der Mensch existiert seit Jahrtausenden – ein kosmischer Wimpernschlag – Menschlichkeit indes entfaltet sich erst noch als sinngenerierende Perspektive in einer kosmonomen Welt.

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Donnerstag, 19. Mai 2011

Nazi-Totalitarismus

Immer wieder habe ich mich gefragt, wie es zum nationalsozialistischen Totalitarismus in Deutschland kommen konnte. In meinen Augen war Hitler eine so lächerliche Person, dass ich die ganze Geschichte nicht glauben könnte, doch sie war Realität.
Als Nicht-Historiker will ich versuchen, einige Erklärungen zu finden.

Am Ende des Ersten Weltkriegs stand die Lüge von der alleinigen deutschen Kriegsschuld. Tatsächlich waren die Sieger von gleicher nationalistischer Ignoranz.

Entsprechend gestaltete sich der Friedensvertrag von Versailles als ein tiefgründiges Dokument der Rache, um das deutsche Volk – weniger seine Politiker – mit utopischen Reparationsforderungen zu bestrafen, die schwerwiegende Not für die Bevölkerung zur Folge hatten. Das Volk galt nun als der Sündenbock, obgleich es genauso unerbittlich zum Kriegsdienst gezwungen worden war wie die Bürger der Sieger.

Viele dieser armen und gebrochenen Menschen zogen sich in die Privatsphäre zurück und kämpften ums Überleben, vielen gelang es nicht. Arbeitslosigkeit breitete sich rasch aus und bereitete den Anstieg von Kriminalität und Illegalität.
Dennoch hatte das allgemeine Volk eine ziemlich effektive Schulbildung und Disziplin aufzuweisen, aber natürlich war es wie die neuen Politiker nicht mit Demokratie vertraut, welche nun die offizielle Philosophie der Weimarer Republik darstellte.

Es war eine sehr schwache Demokratie voller inneren Konflikte, mit wenig Fortschritt und Perspektive. So fanden Extremisten ihre Bühnen, um ihre seltsamen Ideen und einfache Lösungen für komplexe Probleme vorzustellen.

Die Menschen sehnten sich nach Arbeit und nach Recht und Ordnung, viele von ihnen waren in preußischen Traditionen verwurzelt, im Militarismus, in Akkuratesse und Nationalismus, und sie waren geprägt durch konservative religiöse Bräuche und Werte.
Indem Hitler vermehrt oppositionelle Stimmen ausschaltete, konnten er und seine Gefolgsleute ihr totalitaristisches System sehr effektiv und in einer bemerkenswert kurzen Zeit etablieren. Das machte Eindruck auf viele der so durch den Ersten Weltkrieg geschlagenen Massen.

Hitler selbst und einige seiner Leute waren exzellente demagogische Redner, die wussten, die Mikrofone am Pult und besonders über das Radio (Volksempfänger) zu nutzen. Die Presse und die öffentliche Meinung wurden gleichgeschaltet und Feinbilder wurden konstruiert, welche angeblich das Übel der Welt verkörperten: Die Juden als die ewigen Feinde. Und es gab genügend Wissenschaftler, die den bekannten Unsinn des Rassismus lehrten, hier der „Herrenmensch“, dort die minderwertigen, nicht lebenswerten Rassen.

Sein eigentliches Ziel der Weltherrschaft verfolgend, belebte Hitler die industrielle Infrastruktur und fand begeisterte Unterstützer aus allen Teilen der deutschen Bevölkerung, fleißige Menschen überall, die neue Einkommensmöglichkeiten (Arbeit), kulturelles und sportliches Leben schätzten. Sogar die Kirchen kooperierten mit den Nazis.
Diejenigen, die nicht mit dem „Führer“ übereinstimmten, weil sie wussten, wohin diese Politik führen würde, mussten emigrieren oder verschwanden in den Konzentrationslagern.

Hitler brach den Versailler Friedensvertrag ohne jede Sanktion durch die früheren Siegermächte. Sie wussten sehr genau, was in Deutschland vor sich ging, aber sie reagierten nicht. Permanentes Verstoßen gegen die Menschenrechte, gigantische militärische Aufrüstung, der Anschluss Österreichs, die Annexion des Sudetenlandes usw. usw., die ausländischen Politiker waren genauso blind, so feige, so opportunistisch wie so viele Deutschen.
Das ist das „Geheimnis“ des steilen Aufstiegs der Nazis.
Darüber hinaus gab es interessierte Leute, die ebenso den nächsten Krieg wollten. Einer von ihnen war Winston Churchill, der die Deutschen hasste – nicht ihre Politiker. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich glaube, es war die enorme Geschwindigkeit der Nazi-Erfolge (Hitler regierte nur 12 Jahre!), dass so viele Deutsche Gefolgsleute wurden. Aber man sollte nicht vergessen, wieviele Menschen nicht diese grausame Weltsicht teilten, die im Verborgenen, sogar innerhalb der Wehrmacht in Opposition standen.

Heute ist es leicht, Widerstand gegen Diktatoren einzufordern, zur Zeit des Naziterrors war jede Opposition ein Lebensrisiko – wie es auch heute in ähnlichen totalitaristischen Ländern der Fall ist, die sehr oft durch kapitalistische Regierungen stabilisiert werden im Hinblick auf Öl, Gas und andere Rohstoff-Ressourcen.

Bedauerlicherweise gehört Deutschland zu diesen opportunistischen Pseudo-Demokraten.

(In englischer Übersetzung erschien der Artikel auch im internationalen Magazin Contemporary Litarary Horizon, Nr. 2/2011, Bukarest.)

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Samstag, 14. Mai 2011

Sequenzen von Skepsis (65)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

806
Desillusionierungen bereichern als Verluste den Erfahrungsschatz, sind Reifungsprozesse der Persönlichkeit.

807
Viele vergessen die Zeit im Alltag und wundern sich sodann, wo sie geblieben ist.

808
Sirrend leise senkt sich der Abend,
labt sich an farbenprächtiger Schönheit,
verströmt Ruhe, atmet Stille
und schläft ein.

809
Alles altert
von Jugend an,
jede Jugend
von alters her.

810
Die höchsten Gipfel und schroffsten Schluchten
formen das Zentralmassiv der Dummheit.

811
Gewohnheiten, die man nicht mag,
lassen sich dennoch schwerlich nur abgewöhnen.

812
Blendend sanierte Münder schweigen,
denn es ist alles gesagt, erörtert,
auch das Ungesagte.

813
Sie fliehen vor sich, vor ihren Kindern
ins Geld, in die Werbung, in den Konsum,
vor den Fernseher, in die Trivialliteratur
und halten sich für selbstbestimmt.
Ihre Bestimmung jedoch ist,
dem eigenen Leben zu entkommen.

814
Kristallisationskerne der Freiheit müssen keineswegs einer Meinung sein. Diskussionskultur folgt aber klarer Gitterstruktur, entwickelt Transparenz und Berechenbarkeit.

815
Nicht nur dem Leben,
auch dem Tod einen Sinn geben!

816
Konflikte beginnen trotz guten Willens auf beiden Seiten. Das zu bedenken, kann Diskussionen moderieren, ihre Entgleisungen gar verhindern.

817
Zu denken ist eine Variante des Alleinseins. Die Masse denkt nicht.

819
Überbordender Reichtum Einzelner ist der Anachronismus überhaupt, subversiver noch als Religion.

820
Papst und Queen, zwei Kirchenoberhäupter, treffen sich in der Sackgasse der unversöhnlichen Gegensätze über ein und denselben „Gott“. – Zwei zerklüftete Urgesteine vor der Küste einer Menschheit, die ihre Strände längst freizügig und lebensfroh, frei von vergeistigtem Treibgut kultiviert.

821
Nachrichten gleiten ab in Werbung und umgekehrt, zugunsten von Einschalt- und Verkaufsquoten, jenen zuverlässigen Indikatoren des Intelligenzverlustes.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Montag, 9. Mai 2011

Sequenzen von Skepsis (64)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

795
Frieden hat Vorrang gegenüber jedweder Bündnistreue.

796
Den eigentlichen Schein der Sonne und den Zauber des Himmels verleiht die Erde.

797
Denkmalpflege beweist eher selten Denkvermögen.

798
Auf Truppenübungsplätzen übt man das Morden auf Befehl mit erlogener Rechtfertigung.

799
„Und bist du nicht willig, gebrauche ich Gewalt“, sagt der Despot, der Terrorist.
„Und glaubst du nicht an mich“, sagt ‚Gott’ „wirst du in der Hölle Qualen leiden.“
Koalitionäre demonstrieren Einigkeit.

800
Knochen und Blut als „selige“ oder „heilige“ Reliquien zu verehren, sie zu küssen und anzubeten, halte ich für eine ekelerregende Geschmacklosigkeit. Die Beweggründe liegen abseits jeder Intelligenz.

801
„Erneuerbare Energien“ gibt es nicht einmal im Glauben
und schon gar nicht in der Physik.

802
„Grüne Nachhaltigkeit“ wächst sich aus zu unverhohlener Diktatur.
Die Funktionäre organisieren ihre Horden.

803
Pantoffelpädagogik hinterlässt genau solche Helden.

804
Wer glauben will, verlangt nach Diktatur.
Oder ist „Gott“ etwa Demokrat?

805
Niemand zerredet mir diesen Mai!

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Samstag, 7. Mai 2011

Ungereimt

„Gott“ wäre kein überzeugender Poet, hätte er doch eine beispiellose Ungereimtheit auf die Beine gestellt, den Menschen.
Mit Vernunft begabt begibt sich der Mensch in Widrigkeiten, die er dennoch in Ermangelung von Vernunft sogar selbst erzeugt, die er aus eben diesem Grund auch nicht beseitigen kann. Er ist gespalten, jedoch weniger im Sinne von „zwei Seelen in einer Brust“, als vielmehr in Form einer inneren Ausfransung von Orientierungslosigkeit und in sich ausfaserndem Gedankenwildwuchs, der in schlichter Unwissenheit bei oft durchaus gepflegter Halbbildung wurzelt.

Nichts ist dem Durchschnittsmenschen so wichtig wie sein Anspruchsdenken. Keine Realität, noch ein begründeter Konjunktiv können ihn maßgeblich beeinflussen, wenn er für seine auch so kurze und scheinbare Zufriedenheit die Weichen bereits gestellt hat. Aufkeimende Unzufriedenheit liefert lediglich den Ansporn, auf dem eingeschlagenen Irrweg fortzufahren. Wer trotz oder gar wegen seines Glaubens Leid erfährt, muss eben noch mehr Buße tun, noch inbrünstiger beten.

Im kleinen überschaubaren Alltäglichen macht der Mensch vieles richtig, korrigiert wirkungsvoll etwaige Fehler, er gelangt zu Erfolgen.
Auf der Ebene des globalen Miteinanders allerdings strauchelt das unvernünftige Vernunftwesen Mensch seit Generationen in menschenunwürdige Verhältnisse, die sich nur durch die überreichliche Anzahl von Menschen so effektiv verdrängen und vertuschen lassen.
Ein satter Bauch hier kennt keine Verwandtschaft zum aufgeblähten Leib des Hungers dort. So und nicht anders beschreibt sich die kapitalistische Ethik.
Schnäppchenpreise im Supermarkt regenerieren sich aus dem Schweiß der Arbeitnehmer in Gesellschaftsordnungen mit geringsten Lohnzahlungen und basieren sogar auf den Krankheiten der irgendwo Ausgebeuteten. Die „freie Marktwirtschaft“ verhöhnt sich selbst.
Weder „frei“ noch „Markt“ kennzeichnen die Interessenlage, sondern allein kartellkonforme Gewinnoptimierungen. Dass bei solchem Wirtschaften neben Menschen auch die Umwelt etwa durch sinnlose Massengütertransporte belastet wird, lässt sich mit einem hilflosen Achselzucken bereinigen, wenn überhaupt zur Kenntnis genommen.

Es ist die übliche Eingeschränktheit des Denkens, die vor allem durch Gewohnheit von Kindheit an nicht empfunden wird. Die oft so hoch geschätzte Welt der Märchen entpuppt sich bei näherer Betrachtung zwar als nachvollziehbares Kulturgut, das aber aus aufgeklärter Sicht als ein banaler Erziehungsmechanismus erscheint. Der ganze Unsinn aus Zauberei, Grausamkeitsfetischismus, Obrigkeitsverherrlichung und Wunderglauben dient keinem Menschenkind zu wirklich positiver Phantasieerweiterung, wohl eher zur Angsterzeugung und Verunsicherung, zur Furcht vor fremden, imaginären Mächten und Klischees. Der gesamte biblische Komplex fällt übrigens genauso in die Kategorie entfesselter Gruseligkeit, in das simplifizierte Schema von Strafe und Belohnung, dem sich auch der Erwachsene möglichst systemgerecht unterwerfen soll.

Das neue Zeitalter der Wissenschaft und Technologie konnte seit den Anfängen der Industrialisierung an den Denkbeschränkungen nichts ändern, ganz im Gegenteil eskaliert die Stupidität automatisierter Vorgänge durch weltweite elektronische Vernetzungen und begünstigt Abstumpfungen, denen vermehrt durch propagierte Angstszenarien und Sensationsdramaturgie die tödliche Langeweile genommen werden sollen.
Den überhaupt nicht freien Medien fällt in dem Szenario die zweifelhafte Aufgabe zu, Nachrichten so schnell wie möglich zu vermelden, durch Nachrichtenauswahl und -präsentation sowie durch farbige Kommentierungen den Prozess der Mainstream-Verblödung bis hin zu politischen Entscheidungen anzuheizen.
Schnelllebiger Aktionismus bezieht daraus seine sinnlose, destruktive Verpuffungsenergie. Am Ende jagt eine Reform die andere, die Reformflut überspült den Menschen. Reformen, so zahlreich, endlos und konzeptionslos, fressen wie Revolutionen ihre Kinder, nicht so blutig zwar, aber nicht minder ungerecht.

So mache man sich einen Reim auf den Menschen,
· wie er sich nach Frieden (zumindest verbal) sehnt und ständig aufrüstet, um hemmungslos verlogene Kriege zu inszenieren,
· wie er Freiheit propagiert und sie rigoros unterdrückt, erstickt,
· wie er von Liebe und Treue schwärmt und voller Neid, Eifersucht und Hass lügt und betrügt,
· wie er Gerechtigkeit predigt und willkürlich verhaftet, foltert und scharfrichtet,
· wie er Emanzipation einfordert und sie nationalistisch und religiös-traditionalistisch verhindert,
· wie er Menschenwürde und Menschenrechte auf Fahnen schreibt, die er nach dem Wind von skrupellos Mächtigen hängt,
· wie er die Freiheit der Wissenschaft preist und missbraucht,
· wie er Naturschutz vorgibt und Naturgesetze nicht versteht oder ignoriert.

Auf der Basis der Widersprüchlichkeiten agiert der Mensch in der Praxis chaotisch,
+ bringt immer mehr Frachtgut auf die Straße statt auf die Schiene,
+ überzieht das Land mit einem unverhältnismäßig dichten Netz konkurrierender Flughäfen,
+ erfindet eine „Klimakatastrophe“ und Pandemien,
+ unterschätzt bei der Nutzung von Kernenergie die menschliche Unzuverlässigkeit, nimmt sie wahrscheinlich bewusst in Kauf,
+ entwickelt mit „erneuerbaren Energien“ – einem physikalischen Aberwitz – genau das Geschäftsgebaren wie die Atom-Lobby,
+ begründet sein Wirtschaften auf Zinswucher, Spekulationen und Monopolstellungen,
+ etabliert eine kapitalistische Zwei-Klassen-Medizin, sogar in Krankenhäusern christlicher Trägerschaft,
+ ermöglicht unverschämte Pharma-Gewinne und Arzthonorare,
+ erklärt alternativen Hokuspokus zum Heilmittel,
+ ermuntert die Nahrungsmittel-Chemie zu wahrhaft abgeschmackten Schadstoffkreationen,
+ degradiert Ackerbau und Viehzucht zum industriellen Fließband,
+ erhebt grün-alternatives Körnerpicken zum Statussymbol oder zur moralischen Pflicht.

Die Reihe ist beliebig erweiterbar.
Ungereimt bei dem Ganzen: Es lässt sich nicht einmal sagen, wer will was und wer nicht. Und wer wäre wer?
Unzweifelhaft erkennt aber der aufmerksame Beobachter, wer jeweils das Sagen hat, sodass deutlich wird, welche Bedeutung Ideologien und ihre gewaltsamen Durchsetzungen für eine Menschheit haben, die ihren technologischen Fortschritten in der geistigen Entwicklung deprimierend weit hinterherhinkt.
Diese Menschheit kann nur ein Interimsstadium darstellen, denn der wissenschaftlich-technologischen Entwicklung müssen erst noch entsprechend geistig reife Standards mindestens ein Gleich-, besser ein Übergewicht gegenüberstellen.
Mit Göttern, Märchen und Leidensverherrlichungen wird das nie gelingen, wie der Geschichtsverlauf bisher beweist.

Der Mensch hat aktuell keinen zerstörerischen Feind als sich selbst, mächtiger noch als Naturkatastrophen.
Man mache sich einen Reim daraus! In der deutschen Sprache reimt sich übrigens auf „Mensch“ kaum etwas. Das Englische bevorzugt für „Mensch“ eher eine Umschreibung: „human being“.

Man mache sich einen Reim auf all die bewundernswürdigen kulturellen Fähigkeiten, Errungenschaften und Werke einer Menschheit mit hehren ethischen Ansprüchen, die dennoch all dieses nur schaffen kann, weil sie einen unüberschaubaren Anteil der globalen Bevölkerung in Unbildung, in Armut und in gewaltsamer Entmündigung hält.
Die Erkenntnis daraus ist so einfach wie ernüchternd:
Der Reifungsprozess zur Humanität hat noch gar nicht begonnen, sondern wartet schon seit einigen tausend Jahren auf eine wirkungsvolle Initialzündung. Es reicht nicht aus, dass immer wieder einzelne Denker adäquate Wege weisen. Die Ideale der Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit müssten die Menschheit erfassen wie eine Thermikbewegung, die zu höherem Niveau aufsteigt.

Allein, die Thermik wird nicht erkannt, sie bleibt somit ungenutzt.
„Ich heiße euch hoffen“, bedeutet nur eine vage, eine leere Hoffnung. Sinnvoller ist die Aufforderung: „Begründet euer Hoffen! Gebt der Hoffnung ein Fundament.“
Der Weg aus der eigenen Sklaverei muss erst noch entdeckt werden.

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Freitag, 6. Mai 2011

Sequenzen von Skepsis (63)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

780
Osama bin Laden
gilt als bekannteste Fata Morgana,
gezielt projiziert,
„in Öl porträtiert“,
schließlich sogar ermordet.

781
Hochzeit bei Königs.
Tiefes Mitgefühl!

782
Die Zeit vereinnahmt und sie teilt aus,
ganz unbeteiligt,
sie ist kein Mensch.

783
Tagein, tagaus, über Jahre, Jahrzehnte sogar
im Anzug mit Krawatte, oder Kostüm und Blüschen,
in Uniform vielleicht, Robe und Talar?
Müssen Sie Ahnung vom Leben haben!

784
Eine der schwierigsten menschlichen Übungen verrenkt sich im Verstehen, dass man nicht verstanden wird.

785
Das Glück, frei zu denken, strebt die Masse als etwas Unbekanntes und Unverfügbares nicht an.
Freidenker, bedenke das!

786
Individualität, ohne die Gemeinschaft zu benachteiligen, wird ein Maßstab werden unter der Bedingung, dass die Gesellschaft nicht dem Totalitarismus anheimfällt.

787
Die Natur lädt ein zur Bewunderung.
Bringe Zeit mit als Geschenk an dich.

788
Das Glockengebell vom Turm ist und bleibt mir ein Ärgernis:
Die unreflektierte Mahnung an eine skurrile Religion,
die dreiste unzeitgemäße Interpretation des Zeitenlaufs.
So lästig wie ein den Vollmond ankläffender armer Kettenhund.

789
Nietzsches Nihilismus verneint keineswegs den Menschen, sondern markiert den fälligen Übergang zu neuen Werten und haut natürlich die Hostie aus der Monstranz.

790
Alle bisherigen Religionen und Philosophien müssen sich daran messen lassen, wie sie den Menschen unter welchen Opfern voranbrachten.
Unter einem dürftigen Fazit stellt sich als freiheitliche Herausforderung die Frage nach ihrer Zukunftstauglichkeit.

791
Wissenschaftler mutieren zu Ideologen und Medien-Clowns, wenn sie ihre Theorien auf Furchtszenarien und allgemeine Verunsicherung stützen. Schreiten sie zum Experiment, zieht tatsächlich Gefahr auf, zumindest aber wird es teuer.

792
Feuer und Flut bereinigen manchen auch geistigen Wildwuchs.

793
Bei der Presse ist stets Druck im Spiel, erst recht im digitalen Zeitalter.

794
Die Seele ist das Produkt aus Körper mal Geist. Wird einer der Faktoren Null, gibt es kein Produkt mehr.


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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Dienstag, 3. Mai 2011

Das letzte Mal

Immer kann es das letzte Mal sein,
dass ich dich sehe,
dass wir uns begegnen,
miteinander sprechen, lachen, singen,
essen und trinken,
uns freuen, gemeinsam trauern.

Überall sind wir stets auf Abruf
und vergeuden dennoch unsere Zeit mit Banalitäten,
die wir, selbstvergessen, wie wir dahergehen,
zu Wichtigkeiten deklarieren.
Wir verteidigen sie wehrhaft
und folgen doch nur in die Gefangenschaft der Sinnentleerung,
weil wir karrierebesessen zur nächsten Selbstinszenierung hasten
auf einem an sich herrlichen Wanderweg,
dessen grandiose Panoramen wir aber nicht wahrnehmen
auf der Flucht vor uns selbst,
beim Eintauchen in die Fremdbestimmung der Indoktrination.

Keines der propagierten Trugbilder kommt demjenigen Menschen gleich,
der jeweilig „das letzte Mal“ in klarem Bewusstsein nicht verpasst,
im Bewusstsein, dass jedes Datum einzigartig ist
und dass individuelles Leben eine zufällige Gleichzeitigkeit bedeutet
zu anderen Lebewesen und zur aktuellen unbelebten Natur
innerhalb so langer evolutionärer Epochen.
Mag sich auch sein eigenes Ende vielleicht bei getrübtem Verstand vollziehen,
so hat ein solcher Mensch doch reichlich gelebt.

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