Donnerstag, 29. April 2010

Sequenzen von Skepsis (29)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

328
Kaum zu glauben, wie viele Menschen lediglich glauben.
Aber wen wundert’s wirklich?

329
Der „Klimarat“ wäre gut beraten, seinen Unrat zu entsorgen.

330
Amtsräte erraten ihr Amt, Geheimräte verraten manches, Oberräten ist nicht zu raten, Regierungsräte machen ratlos.

331
Nächstenliebe auf dem Umweg über einen Gott diffamiert sich selbst: Die kürzeste Verbindung zweier Punkte ist die Strecke, keine Dreieckskonstruktion!

332
Der Aachener Karnevals-Orden „Wider den tierischen Ernst“ findet sein Pendant mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen: Im Jahre 2008 belobhudelt der französische Präsident Nicolas Sarkozy die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er sogar „liebt“.
Aber Karl der Große, zu dessen Ehren der Preis gestiftet wurde in Erinnerung an seine gewaltigen Christenbekehrungen als Beginn einer Einheitlichkeit Europas, wurde sogar als Heiliger ausgezeichnet.
Sarkasmus beschwingt.
Europas grausame Geschichte gründet in christlicher Religion.

333
Lesen ohne Denkpause ist wie nicht lesen.

334
Die eleganteste und vornehmste Hilfeleistung ist die Befähigung zur Selbsthilfe. Entwicklungshelfer, aber auch Lehrer könnten sich auszeichnen.

335
Unangenehm berühren mich nihilistische Postulate in dem Sinne, dass ich nicht nachvollziehen kann, wie man ein konkretes Leben in der umfassenden Negation bewerkstelligen, ja aushalten sollte und wie man eine solche Philosophie mit welchem Wert für die Menschheit allgemein transferieren möchte. Sollte Letzteres aber gar nicht das Anliegen sein, handelt es sich doch nur um eitle Abschiedsbriefe der Verfasser aus der Mitmenschlichkeit.
Das Recht gestehe ich ihnen zu, solange sie nicht zu Brandstiftern werden.

336
„Globalisierung“ wird zum Fluch durch Hegemonialbestrebungen von mächtigen Egozentrikern und ihren naiven Andienern. Die Unreife des Menschen droht, Zivilisation ad absurdum zu führen.

337
Können Sie das, was geglaubt wird, unterschreiben oder beten Sie nach?

338
So kurz viele Sätze, doch vieles sagend, wenn die Sprache nicht zu kurz kommt.

339
Jede Liturgie eine Mumifizierung des Verstandes!


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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Dienstag, 27. April 2010

Der Nebel heißt Glaube

„Das Begriffsvermögen ..... war vernebelt, und der Nebel hieß Glaube.“, so charakterisiert Frank Schätzing die Situation des Mittelalters in seinem Buch „Tod und Teufel“, dessen empfehlenswerte Lektüre frappierende Einblicke in bis heute unveränderte Verhaltensweisen von Wesen gewährt, die ich in meiner gegenwärtigen Gesellschaftskritik als „Interimsmenschen“ bezeichne.
Die drastische Verrohung, Primitivität und die Diskriminierungen mögen heute in den so genannt zivilisierten Gesellschaftsordnungen abgemildert erscheinen, doch der wesentliche „Nebel“ heißt nach wie vor „Glaube“, durch moderne Kommunikationsmittel nur subtiler, subversiver, dadurch aber weniger einheitlich geschlossen, sondern ausfasernd in schillerndste Fransen orthodoxer, fundamentalistischer, esoterischer Spiritualitäten.

Allen gemeinsam ist die Abkehr von der Realität, von Logik und Verstand hin zu Mystizismus und Dogmatismus unter Einsatz sämtlicher Tricks zur Erzeugung von Verunsicherung und Angst, um irrwitzige Erlösungsversprechen anzupreisen, zu vermarkten und auch gewaltsam aufzuzwingen.
In diesem weltweiten Szenario spielt das Christentum keineswegs eine bessere Rolle als all die anderen Glaubensrichtungen, ganz im Gegenteil, in bestimmten Bereichen taktiert es menschenverachtend mit seiner Überlegenheit in Struktur und Organisation – und es schlägt vernichtend zu!
Freilich geschehen diese Frevel im Gesäusel von Friedensappellen und –gebeten sowie im Hinblick auf ein freies Wirtschaftswachstum zum Wohle aller gottgefälligen Reichen in der Welt.

Im Nebel ohne entsprechendes Instrumentarium zu stehen, bedeutet gemeinhin Orientierungslosigkeit, Spielball der Natur zu sein, irgendwie wird man durchkommen („Es hat noch immer gut gegangen.“), wenn nicht – ein Grund mehr zum Beten und sich in „Gottes“ unergründlichen Ratschluss zu fügen.
Zum Nebel gesellt sich Blindheit als feinste Voraussetzung für „Gottergebenheit“.
Eine solche Analyse gilt aber nicht für den praktizierenden Gottesanbeter, weil er sie aus seinem Glauben heraus nicht nachvollziehen kann.

Der verantwortungsbewusste Religionskritiker muss das erkennen, entsprechend taktvoll argumentieren – oder sich zurückziehen. Es kann nicht sein, dass Aufklärer in einen „Religionskrieg“ ziehen. Zumindest kennzeichnet das die kosmonomische Philosophie.
Sie gibt damit keineswegs klein bei, aber sie gießt kein Öl ins Feuer. Sie übernimmt Verantwortung für kultiviert friedlich-kritisches Nachfragen, weiß sie doch über die immer wieder aufbrechende Friedensunfähigkeit der Religionen.

Persönlich trage ich gelegentlich schwer an religiösen Beisetzungsfeierlichkeiten, denn ich nehme daran teil, um meiner lebenden Umgebung meine Wertschätzung des Verstorbenen, meine Verbundenheit mit den Hinterbliebenen auszudrücken. Was ich mir aber in diesem Rahmen an Religiösem zumuten lassen muss, ahnen nicht einmal diejenigen, die meine Weltanschauung einigermaßen kennen.
Das erklärt sich wiederum daraus, dass es in meinem weitläufigen Bekannten- und Freundeskreis kaum eine einzige konsequent bekennend religionsfreie Person gibt.

Damit stoße ich als „Freigeist“ fortwährend an meine Grenzen, denn über den Wolken und hinter dem Nebel gibt es Freiheit nur, wenn dort auch wenigstens ein paar freie Menschen sind.

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Dienstag, 20. April 2010

Sequenzen von Skepsis (28)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

316
Gäbe es Gott, hätte er seine Schöpfung vor allem mit der Dummheit gekrönt.

317
Naturwundern gleich erscheinen mir Menschen, die sich aufopfernd um Einzelschicksale kümmern. Gleichgültig welcher weltanschaulichen Motivation, ist ihre Hinwendung der evolutionäre Spross, der die Menschwerdung des Menschen erkenntnistheoretisch und moralisch eindrucksvoll untermauert.

318
Intelligenz schützt nicht vor Göttern und Teufeln.
Bildung hätte das Zeug dazu.
Doch was ist Bildung, woher kommt sie? Wie gelangt sie in die teuflische Kausalzirkulation?

319
Bildung ist Wissen, angewandt zur einfühlsamen Pflege, zur Achtung, zum Schutz des Lebens. Darüber hinaus ist Bildung gar nichts!

320
Partnerschaften mögen traumhaft erscheinen, bis einer erkennt, was die Zweisamkeit ausbremst. Neben dem machtvoll bigotten sexuellen Misstrauen gibt es das mangelnde Zutrauen, etwa in dem unbewussten Zusammenhang: Wer sich mit mir eingelassen hat, ist zu wirklich Außergewöhnlichem nicht fähig. Veranlagungen, Talente werden so ausgeknipst.

321
Zitatenreichtum hat etwas Blendendes.

322
Geister existieren in Form menschlicher Verhaltensmuster. Demnach ist der olympische Geist definitiv vor dem Ziel zusammengebrochen.

323
Unverständnis mag dich anklagen. Begegne ihm mit Verständnis, aber unverzagt.

324
„Let my people go.“
Ein freier Mensch geht.

325
So komplex die Gedanken, so geschätzt das prägnante Fazit.

326
Ein Zufall bin ich wie jede Struktur und Planung in der jeweilig aktuellen Bandbreite eben des Zufalls.

327
Ein gekünsteltes Nichts mag dennoch Millionen Preisgeld einstreichen – ist das nicht Kunst?

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Freitag, 16. April 2010

Nichts ist Ewigkeit

Mit den Begriffen „Nichts“ und „Ewigkeit“ stoßen wir philosophisch an die Grenzen des Verstehens, weil sie sich im dualistischen Alltag zwar ständig im Gebrauch finden, sich bei eingehender Betrachtung so oberflächlich aber nicht erklären oder ableiten lassen. Sie reichen quasi über die üblichen jeweiligen Gegensätzlichkeiten wie etwa hell – dunkel, kalt – warm, plus – minus etc. hinaus, berühren den Rand des Fassbaren.
Werden beide Termini, also „Nichts“ und „Ewigkeit“ in Relation gebracht, wie in der Überschrift geschehen, deutet sich gedanklicher Tiefgang an, sogar die Möglichkeit der Unlösbarkeit des Problems und damit auch gleichzeitig die lästige Tendenz zum Irrationalen, zu Transzendenz und Religion.

„Nichts“ gebrauchen wir gewöhnlich als eine Art Null-Mengenangabe von irgendetwas, es bezieht sich auf Lebewesen und Gegenstände im weitesten Sinne, aber ebenso auf Verhaltensweisen („man tut nichts“) und auf den Status von Wissen und Erkenntnissen. „Nichts von alldem“, sagt man, wobei „alldem“ etwas als bekannt Definiertes darstellt. Die häufig verwendete Floskel „es ist nichts“ bezieht sich sogar auf Unbekanntes, auf Eventuelles. In jedem Fall spiegelt sich das Fehlen einer Menge.

Komplizierter wird die Begrifflichkeit, sinniert man über das Nichts. Es schließt das Sein überhaupt aus. Alles, was das praktische und theoretisierende Leben ausmacht, ist nicht mehr, das heißt konkret: Das Nichts und das Sein wären Antipoden, doch das Nichts lässt als solches selbst das nicht zu, denn als Nichts kann es auch kein Gegenpol sein.
Es wird deutlich, dieses Gedankenkonstrukt ist untauglich, um als Jenseits zum faktischen Leben zu gelten. Selbst das buddhistische Nirwana muss deshalb eine negative und eine positive Seite entwerfen: negativ, das Erlöschen des unheilvollen Dranges zum Dasein und positiv, das nicht definierbare Erlöstsein nach dem Abfallen von der Körperlichkeit im Tode.
Das als Ziel zu propagieren, charakterisiert Religion und nicht Philosophie.

Ewigkeit meint strikte Zeitlosigkeit, ohne Beginn und ohne Ende. Auch eine derartige Erfahrung gibt es im praktischen Leben nicht, alles im Mikro- wie im Makrokosmos unterliegt Entwicklungen. Nicht minder zeichnet sich im scheinbar stabilen Gleichgewicht stets ein Ende ab. Der allererste Anstoß der Entwicklungsprozesse mag so weit zurück liegen, dass er sich menschlichem Verständnis wahrscheinlich für immer verschließt, und ebenso uneinsehbar bleibt die ferne Zukunft des Universums und damit auch die des Menschen.

Unter dem Leidensdruck der allgegenwärtigen eigenen individuellen Vergänglichkeit verbindet sich die allgemeine Zukunftsungewissheit drangvoll mit der persönlichen Sinnfrage, die jedoch keine objektive Antwort kennen kann – in einem Universum als Lebensraum, dessen Rahmenbedingungen, dessen Grenzen weder zeitlich noch räumlich zu definieren sind.

Der Wunsch liegt nahe, irgendwie in die Ewigkeit einzugehen, obgleich sie nur eine Teil-Ewigkeit wäre, indem die individuelle Zeugung und Geburt eindeutig den persönlichen Lebensbeginn markieren.
Ewigkeit wäre also die Antipode zu Zeit, doch beinhaltet Ewigkeit keine Zeitlichkeit, schon gar nicht als vergängliche Opposition.
Käme auch nur ein Mensch in die Ewigkeit, wäre sie mit dem zeitlichen Eintritt als Ewigkeit aufgehoben, vernichtet.
Wieder stellt sich das Gedankenkonstrukt als für das praktische Leben untaugliches Jenseits heraus oder ganz banal als Flucht aus dem faktischen Leben.

Kombinieren wir nun beide Begriffe „Nichts ist Ewigkeit“, so ergeben sich folgende Möglichkeiten:
1. Es gibt nichts, das ewig ist. Die Ewigkeit wird verworfen.
2. Das Nichts ist ewig, also zeitlos, damit vordergründig ein ideales Asyl aus der Lebensrealität. Gelangte aber auch nur ein Mensch ideell ins Nichts, wäre es kein Nichts mehr.
3. Im ewigen Nichts gibt es demzufolge auch keinen (ewigen) Gott. Die Gegensätze von Buddhismus und beispielsweise Christentum werden unüberbrückbar.
4. Ein ewiges Nichts wie eine nichtige Ewigkeit beschreiben so entsprechend unausgegorene Naivträume, die sich in Ermangelung von Logik und Kausalität und auch durch Bequemlichkeit zu Albträumen auftürmen, als Religion organisieren.

Es ist signifikant, wie ausgerechnet die Religionen, die auf Ausstiegsmechanismen von „Ewigkeit“ und „Nichts“ setzen, in ihrer Glaubensausübung umso mehr den ganz irdischen Dualismen verfallen: Gut und Böse, Licht und Schatten, jeweils nach eigener Auslegung und Interpretation, zur Entmündigung der Gläubigen, die man zum Glauben drängt, ja zwingt, denen man das Denken verbietet.

In diesem Sinne stirbt jeder Gotteskrieger für nichts.
Und ewig schon gar nicht lässt sich die Intelligenz unterdrücken, auch wenn es gefühlte Ewigkeiten (die eben keine sind) dauern wird, ehe der Interimsmensch epochale Ablösung erfährt. Auch er ist nicht „ewig“, und die Menschheit wird nicht ins Nichts fallen ohne Götter.

Erst eine Abkehr von den magisch-mystisch-religiösen Schein-Parallelwelten kann ein wirklich neues Kapitel der Kulturgeschichte einleiten: Die Konzentration auf ein würdiges „Hier und Jetzt“ in aufgeklarter, sogar leidenschaftlicher Hingabe an das Leben und nicht an den Tod.

Immens ist die Geduld, welche das 21. Jahrhundert den aufgeklärten Menschen abverlangt.

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Mittwoch, 14. April 2010

Wahl-Bekenntnis

Als Bürger Nordrhein-Westfalens erhielt ich jetzt die „Wahlbenachrichtigung zur Landtagswahl am Sonntag, dem 9. Mai 2010, von 8.00 bis 18.00 Uhr“.

Ich bin mir bewusst, welches Privileg mir im weltweiten Vergleich zuteil wird, und ich werde wählen: ungültig.

1. Das Wahrnehmen des demokratischen Wahlrechts betrachte ich als Verpflichtung innerhalb des hohen Gutes der Demokratie.

2. Als religionsfreier Kosmopolit und Pazifist kann ich keiner Partei meine Stimme geben, die Kriegseinsätze und Waffenhandel betreibt und in der täglichen Wirklichkeit Demokratie und Humanismus verrät, weil sie Handlanger definitiv skrupelloser Lobbyisten ist.

3. Von den effektiven Parteien käme also nur die „Linke“ in Frage, doch sitzen dort noch Kader, vor denen ich als Jugendlicher aus der DDR fliehen musste.

Mit dem Bekenntnis spreche ich niemandem eine Wahlempfehlung aus; wie käme ich auch dazu, es wäre Anmaßung.

Vielleicht animiere ich zu sachlichen, fundierten Kommentaren?

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Montag, 12. April 2010

Sequenzen von Skepsis (27)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

304
Ist es nicht frappierend, wie geistig und äußerlich die Nazi-Größen ihren Rassenwahn persiflierten: einfach hässliche Menschen! So viel Wahrheit ist unerlässlich gerade auch im Hinblick auf die Würde selbst von Verbrechern.

305
Losgelöst von Religion betritt man eine ganz andere Welt, ein annähernd reales Neuland, das den Gläubigen verdammt verschlossen bleibt, denn in Käfighaltung geborene Individuen träumen nicht von einer weiten Freiheit.

306
Wahlkampf made in USA definiert die Demokratur anrüchigen Geldes.

307
Olympia heute strebt pseudoreligiös nach Metallenem.

308
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus überfrisst sich der Kapitalismus.

309
Das Denken ist keine Massenveranstaltung.

310
Öl schmiert alles (an).

311
Die sexuelle Revolution der 68er zeugte die emanzipierte Prüderie, deren Selbstverwirklichung Kinder verhindert oder ins Nichts entlässt.

312
Das Geheimnis des Glaubens ist seine faktische Schizophrenie.

313
Ideologen schlachten sogar Leichen aus: Lenin, Padre Pio, etc.

314
Spätestens wenn sich die Menschheit auslöscht, stirbt Gott (an Langeweile).

315
Jeder Staat zeigt sein wahres Menschenbild im Verhältnis der Aufwendungen für die Rüstung zum Bildungs-Budget. – Man macht sich kein Bild!

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Donnerstag, 1. April 2010

Kosmonomie - ein weiterer Erläuterungsversuch

So wie Gedanken auftauchen, so vielfältig und abrupt, aber auch so eng entlang eines Themas, geplant oder spontan angestoßen, kommt dieses Blog daher, will beleuchten eine Figur, die es als solche noch gar nicht recht gibt: Den Menschen.
Man mag einwenden, den Menschen gäbe es bereits im Übermaße, milliardenfach. Doch gerade dieser Zustand scheint ein erster Hinweis dafür zu sein, dass „der Mensch“ evolutionär noch gesucht wird. Denn was menschlich sei, wird individuell ganz unterschiedlich ausgelegt, meist zum eigenen Vorteil, und stellt in der Gesamtübersicht ein Kolossalgemälde brutaler geistiger und physischer gegenseitiger Vernichtungen dar.

Wirtschaftlich aufblühende Zentren, Ferienparadiese, sozial geglättete Alltage spiegeln Menschlichkeit vor und sind dennoch nichts als scharfe Zähne im globalen Räderwerk der Ausbeutung und Unterwerfung von Mensch und Natur, hervorgerufen und abgesegnet durch Ideologien und Religionen, die es bisher verhinderten, den Menschen zum Menschen werden zu lassen.

Die meisten Religionen suggerieren eine übersinnliche Macht als Ursprung der Welt und damit auch als „Erschafferin“ des Menschen. Als Allmacht bestimmt sie angeblich die Geschicke jedes Einzelnen wie die von Volksgruppen und ganzen Völkern und dereinst in der Apokalypse, dem Weltende, das Schicksal in ewiger Freude oder Verdammnis – was immer das bedeuten mag. Mit derartig rigorosem Hintergrund sorgen sich die Religionen um jedes Individuum, kennen sie doch durch Prophetentum den exakten Willen ihrer Götter, die einen schier unendlichen Forderungskatalog an die Menschen in Form von Verboten und Geboten erstellten.

Um die Forderungen durchzusetzen, ist ein konsequent drastisches Strafen-Register erforderlich, das als Rechtsgrundlage ohne Alternative das Individuum unterwirft.
Darüber hinaus entwickeln die meisten Religionen ein überzogenes Sendungsbewusstsein, die eigene Sicht der Welt als die einzige Wahrheit aufzuzwingen (Mission, etc.) und bei jeder sich bietenden Gelegenheit auch in mehr oder weniger offen propagierte „heilige“ oder beispielsweise „freiheitlich-christliche“ Kriegsaktionen umzusetzen.
Dies alles zu erkennen und zu beschreiben, wird in Gläubigenkreisen entrüstet schon als Ungehörigkeit betrachtet und offen oder subtil bekämpft.

Mein Anliegen ist es, niemandem eine Meinung aufzuzwingen, stattdessen zu einem freien Denken anzuregen, den Mut aufzubringen, verkrustete menschenfeindliche Strukturen zu hinterfragen und die religiösen Tabus und Verlogenheiten zu verwerfen, denn sie wirken global als verklärte Machtinteressen skrupelloser oder einfach nur dümmlich verblendeter Hüter von Menschen missachtenden Unwerten.
Am Beginn des 21. Jahrhunderts derartig deutlich Bilanz zu ziehen, ist ebenso riskant wie im Mittelalter, denn jede Art von Inquisition besteht fort, das heißt: Die gewaltsamen Vernichter im Namen irgendeines Gottes wurden keineswegs weniger, und sie nutzen alle modernen Hilfsmittel.

Als einziges Wesen auf der Erde hätte der Mensch die Möglichkeit, alle Naturgewalten, die sich gegen ihn richten, abzumildern, das Leben zu humanisieren vor allem durch intelligente Anwendung der erforschbaren Naturgesetze. In diesem Kontext steht die Forderung der Gewaltlosigkeit der Menschen untereinander als „Minimalhumanismus“. Angesichts der tatsächlichen Verhältnisse im Großen wie im Kleinen eine derzeit futuristische Schwärmerei!

Aber ausschließlich die Kraft der Aufklärung besitzt die Option zu humanen Veränderungen. Auf sie nur zu hoffen, statt selber in ihrem Geiste aktiv zu werden, meint Opportunismus – die allgegenwärtige Lähmung, die der freie Geist unter sorgfältigen Abwägungen immer wieder neu zu überwinden trachtet.

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Denk mal! Nr. 11

Wer auf Sachargumente mit persönlichen Angriffen reagiert, ist kein adäquater Gesprächspartner, sondern ein erklärter Gegner.

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Die Erde dreht sich in zwei Minuten ein halbes Grad um ihre Achse, entsprechend etwa dem scheinbaren Sonnen- oder Monddurchmesser, gleichzeitig eilt sie um die Sonne mit ca. 30 km/s, die Sonne ihrerseits umrundet das galaktische Zentrum mit ca. 250 km/s, die Galaxis bewegt sich ..... usw.

Dagegen nimmt sich die Menschheit aus wie der Fliegenfleck auf einer Christbaumkugel, allerdings ein ziemlich ekliger, denn sie verschmiert facettenreich zunehmend die gesamte Oberfläche des Globus. Doch was bedeutet es schon universal, wenn der Glanz der Kugel erblindet, wenn der Verursacher an seinen sorglosen Ausscheidungen selbst zugrunde geht? – Es ist bedeutungslos!
Das Individuum aber lebt in dem Milieu, für jeden Einzelmenschen hat der „globale Fliegenschiss“ existenzielle Bedeutung.

Bleiben wir im Bildlichen: Die Hygiene, die geistige Abfallentsorgung ist eine wesentliche Herausforderung, der die Menschheit bisher noch weniger gewachsen ist als der biologischen und technologischen Schmutz- und Müllentsorgung weltweit.
Wer je das absolut zuverlässige Gleichmaß der Drehung des Himmelsgewölbes, von Auf- und Untergang verinnerlichte – das kann man, mit einigen Wettereinschränkungen, täglich -, der weiß, dass kleinkarierter Götterglaube, dass Göttergeschwätz stets den Tod und keineswegs das Leben zum Inhalt hat.

Erst wenn sich die Menschen ihres individuellen Wertes bewusst werden, die Werte eines gewaltfreien Humanismus aus sich heraus erkennen, die Ethik als Prinzip der Menschenachtung und der Menschenrechte aus sich heraus verstehen, wird es Menschen geben. (Friedrich Nietzsche wusste, wovon er sprach.)

Die Voraussetzungen dafür sind 1. Bildung, 2. Gleichberechtigung und 3. Geburtenkontrolle. Trotz oder gerade wegen der gängigen Sonntagsreden werden alle drei Kriterien nicht nur missachtet, sondern massiv verhindert – und zwar oft von sich „Demokraten“ Nennenden, aber konsequent Mächtigen in allen Ländern der Erde.

„Ein halbes Grad ....“, welcher Prozentsatz der Erdbevölkerung kann sich überhaupt etwas darunter vorstellen? Und wie viele von diesen Unwissenden hantieren täglich mit modernen Waffen, die ihnen Halbwissende im Interesse von Geschäftemachern und Kriegsgewinnlern allgemein in die Hände drücken?
„Ein halbes Grad ....“, Sonne und Mond etc. waren einst Götter; bei Milliarden (!) Menschen heute noch!
Dank der sogenannten „G-8-Staaten“ in ihrer Zerstrittenheit aufgrund von Wirtschaftsinteressen und militärischen Positionsspielen verfügen „Hinterwäldler“ über Nuklearwaffen.

So mag dieses Blog (es wird auch ausgedruckt hinterlegt) vielleicht ferneren Generationen als Zeugnis dafür dienen, in welch hoffnungslosen Glaubenszuständen sich die Menschheit im sogenannten Atom- und Technologiezeitalter wirklich befand.

Der „Mensch“ also wird zu einer unwahrscheinlichen Option der Entwicklungsgeschichte? – Falsch!
Unter freilich rigorosen Verlusten kommt er da heraus.

Wenn Hoffnung scheinbar endet, bedeutet das keinen evolutionären Stillstand, sodass sich die Möglichkeit eröffnet, innerhalb der langen geologischen und kosmologischen Veränderungen auch die humane Verwirklichung des Menschen in vergleichsweise wesentlich kürzeren Zeitbegriffen zu beginnen. Dann käme natürlich das Ende bisheriger Religionen und esoterischer Verwirrungen.

Es gibt nicht erst seit heute, sondern es gab auch schon früher Menschen mit kosmonomischem Selbstverständnis. Und die Kosmonomie ist keine Erfindung meinerseits, vielmehr ein Naturprinzip, das jeder von Religion freie Geist zu jeder Zeit erkennen kann. Ich verlieh dem Prinzip lediglich einen Namen.

Ich traue der Evolution des Humanismus Optimales zu. Denn so funktioniert die Evolution, ausgerichtet zum Überlebensfähigeren. Der religiös und ideologisch indoktrinierte und dabei auch gedankenlose, aktuelle Massenmensch ist definitiv eine entwicklungsgeschichtliche Sackgasse, täglich in den gegenseitigen Abschlachtungen – real wie virtuell – zu beklagen.

Wir brauchen Hoffnung durch Religionsentmachtung, meint frei zu sein von Göttern und ihren siechen Dämmerungen.

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