Donnerstag, 26. November 2009

Sequenzen von Skepsis (14)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:


148
Nie wieder Krieg von deutschem Boden aus!
Die amerikanische Basis Ramstein gehört nicht zu Deutschland?
Die Bundeswehr scheint aus dem Niemandsland zu kommen.
Aber wo liegt schon Niemandsland?

149
Wenn Demokratie ihre Feinde gemäß demokratischer Gepflogenheiten duldet, sie sogar in naiver Toleranz aufbaut, dann ist das die Vorbereitung eines Selbsttötungsversuchs.
Der Patient braucht Hilfe.

150
Staaten, Organe, Weltanschauungen zeichnen sich selbst aus: Orden, Urkunden, Preise bis hin zu ganz "noblen". Die Freiheit lässt dabei Federn.

151
Der Adler als Staatswappen, Symbol wofür? – Der Vogel ist ein Raubtier.

152
Demokratie aktuell: Halbbildung, irrationales Glauben, beides auf Geheiß des Kapitals, damit alle Kraft vom Volke ausgehe, vor allem die Kaufkraft.

153
Werbung heißt das neuere Credo. Sollte man es (ihr) glauben!

154
Auch die Justiz ist gefangen im politischen System und im Zeitgeist.
Was also ist Recht?

155
Von Attichy, dem amerikanischen Gefangenenlager 1945 in Frankreich, bis Guantanamo weben sich die Fallstricke für Ahnungslose und Nichtwissenwollende, für Verdrängende und Geblendete.

156
Die Kürze des Gedächtnisses mancher Konferenzteilnehmer lässt sich nicht einmal mit Nano-Technik erschließen.

157
Das Alter? – Zeit der Wertschöpfung.

158
Das christlich-jüdische Wirtschaftsgebaren und Lebensverständnis ruiniert den Planeten auf so schillernde Weise, dass andere Kulturkreise ebenso klangvolle Lichtorgeln konstruieren, um in das Feuerwerk zum jüngsten Erlösungstag farbenprächtig und donnernd hineinzuschießen.
Unwillkürlich sehnt man sich nach einer anderen Welt, an die aber ganz offenbar keiner glauben will, soll, darf.

159
Wenn Bürokratie durch immer mehr von derselben abgeschafft werden soll, nennt man das in gewöhnlich nicht unterrichteten Kreisen Reform.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Dienstag, 24. November 2009

Die kosmonomische Nische

Wer das Kosmonomische Manifest (Archiv Mai 2008) wirklich aufmerksam liest, erkennt unmissverständlich, dass sich die Kosmonomie von einer Welt distanziert, die der Kabarettist gern mit einem Augenzwinkern als „Irrenhaus“ bezeichnet.
Die Philosophie belässt es aber nicht bei einem Belächeln oder vorübergehendem Aufbrausen, sondern bietet Alternativen an, die allerdings bisher so ungewöhnlich erscheinen, dass sie leichtfertigerweise mitunter als weltfremd empfunden werden.
Darüber hinaus stehen sie im Gegensatz zu traditionellen und längst als untauglich erwiesenen Gesellschaftsmodellen, sodass neben der Akzeptanzunfähigkeit für viele Zeitgenossen auch eine eigene politische Bedrohung erwächst, sollten sie kosmonomischen Gedankengängen öffentlich zustimmen.

In keinem gelebten Gesellschaftsentwurf auf dem gesamten Globus existiert eine ähnlich konsequent eingehaltene freiheitlich-demokratische und gewaltfreie Grundordnung, welche die Menschenwürde und nicht irgendeine Ideologie oder Religion als höchstes Gut der Humanität fordert. Aus diesem einfachen Grunde wird die Kosmonomie auch in den sogenannten Mainstream-Medien weitgehend ausgeklammert.

Es steht keineswegs der von Nietzsche erdachte Übermensch zur Diskussion, sondern die Unantastbarkeit der individuellen Menschenwürde, die jedoch seit jeher nach Belieben unter vorgeschobenen Götter- oder Staatsprinzipien verletzt wird.

Diesen Opportunismus bezeichnet die Kosmonomie als Charakteristikum des Interimsmenschen, der sich erst noch in der Entwicklung zum eigentlichen Menschen befindet, zu einem humanen Wesen, das seinen Sinn in der Erleichterung der Lebensumstände durch sinnvolle Nutzung der Naturgesetze für alle Menschen, das heißt, besonders auch in der emanzipierten, humanen Hinwendung zum Mitmenschen empfindet.
Keine einzige Religion und keine politische Partei kann mit dieser umfassenden Ethik konkurrieren.
So erklärt sich auch, warum die Kosmonomie nicht anstrebt, Volksmassen hinter sich zu versammeln. Denn kosmonomische Erkenntnisse werden nicht propagiert oder indoktriniert, sondern müssen sich bei entsprechender ideologiefreier Bildung durch eigenes Denken einstellen. Denken zu lernen, ist der entscheidende Bildungsauftrag!

Die Kosmonomie kann nur allmählich Freunde gewinnen, denn sie passt in keine Parteienschemata, weder links noch rechts, nicht irgendwelche Farbkombinationen von Koalitionen, nicht neoliberal, weder kommunistisch noch kapitalistisch.
Und sie verträgt sich nicht mit Übersinnlichem, wenngleich sie jedem Menschen das Recht dazu einräumt, allerdings beschränkt auf seine freie Entscheidung in seinem privaten Leben.

Es wird immer vorkommen, dass beispielsweise ein Atheist manche kosmonome Sichtweise teilt, aber vielleicht nicht dem Pazifismus zustimmen kann. Der Naturschützer mag sich angesprochen fühlen, jedoch nicht die exakte naturwissenschaftliche Sicht nachvollziehen. Menschenrechtler sehen sicher Gemeinsamkeiten, folgen aber nicht der durchgängigen Kritik an der Doppelmoral.

So spiegelt auch dieses kosmonomische Blog die Verhältnisse: Zwar im Internet präsent, aber das Echo überaus vorsichtig (oder anonym).
Ich erwarte kaum Änderungen, denn es kommt hinzu, dass ich als Blogbetreiber auf keinerlei unbedarfte oder missionierende Diskussionen eingehe.

Immerhin ist das Kosmonomische Manifest (auch in englischer Version) Tausenden von Menschen in vielen Ländern der Erde begegnet. Aus „Sentenzen von Freiheit“ (Angelika Lenz Verlag) findet man hin und wieder im Alltag Zitate, ebenso aus den „Sequenzen von Skepsis“ dieses Blogs.
Es gelingt also nicht, die kosmonome Philosophie totzuschweigen, obgleich mein Buch „Menschliches Glauben“ (Novumverlag 2008) immer noch der Nichtbeachtung unterliegt.

Die Menschheit ging immer „schweren Zeiten entgegen“; durch die sich rasant entwickelnden Technologien verändert sich nun aber dramatisch die Geschwindigkeit, mit der Herrscherkonzepte gemäß ihrer wahnsinnig gestrigen, glaubensmäßigen Prinzipien bei zunehmender Weltbevölkerung zuschlagen.
Nur noch wenige Nischen öffnen sich für Menschlichkeit abseits vom Wachstumswahn und Geschwätz über menschenverachtend eingefädelte Bedrohungsszenarien.

Bleiben wir ehrlich in der Denkart gegenüber uns, gegenüber allen Individuen und der Natur!
Verweigern wir uns dem Destruktiven, dem Götterpalaver- und Personenkult!

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Donnerstag, 19. November 2009

Der "Urknall" löst die "flache Scheibe" ab

„Der Mensch denkt, Gott lenkt.“ heißt ein Sprichwort, das ich entschieden ablehne. „Gott“ lenkt, weil der Mensch nicht denkt. Denn „Glauben“ und „Denken“ werden üblicherweise zwar in ähnlichem Sinne verwendet, bedeuten jedoch Verschiedenes, ja sogar Entgegengesetztes.
Wer sich zum Glauben bekennt, kann oder will nicht weiter denken, als es ihm die Glaubensdogmen vorschreiben beziehungsweise gestatten. Anerzogene Opportunität mag außerdem eine Rolle spielen wie auch eine bequeme Gleichgültigkeit, gar Interessenlosigkeit, die andererseits eine unkritische Leichtgläubigkeit mit sich bringt, vor allem wenn es um das eigene Schicksal, etwa im Gesundheitsbereich, geht.

Das Glauben an Wunder basiert auf anspruchslosen Denkgewohnheiten und stellt im weitesten Sinne Wunschdenken dar. Erfüllt sich ein solcher Wunsch auf wundersame Weise, verstärkt sich der Effekt als psychologisches Placebo und der Heiler, Prophet oder Guru hat selbst dann noch Recht, wenn auf die scheinbare Genesung der rasche Rückfall eintritt.
Nicht konsequent zu Ende zu denken, markiert eine der wesentlichsten Verhaltensweisen des Menschen. Entwicklungsgeschichtlich scheint das „abgebrochene Denken“ sogar die Voraussetzung für den heutigen Status der Menschheit zu sein, denn zweifellos wäre die Geschichte ganz anders verlaufen, hätten die Menschen keine Götter ersonnen. – Eine utopische Voraussetzung natürlich, denn nichts liegt näher, als höhere Mächte zu vermuten, wenn man nicht mehr weiter weiß. Deshalb gibt es ja auch keine götterlosen Kulturen und selbst der Kommunismus wie der Faschismus benötigt den götterähnlichen Personenkult des Führers und der Partei, die immer Recht hat.

Das Prinzip ist stets das gleiche: Weltbilder werden von jeweils prägenden Zeitgenossen propagiert und durch rigorose Strafandrohungen und Vollstreckungen der kritischen Hinterfragung entzogen.

Betrachten wir das antike Bild von der Erde als Scheibe. Ist es nicht signifikant, wie die Frage nach dem Scheibenrand, dem Horizont, und dem Jenseits des Horizonts über Jahrtausende ausgeklammert oder mit irgendwelchen Fabeln zum Beispiel von einem Sonnenwagen, über Planetengötter, Unterwelten und Sphären phantasiereich, aber völlig unzutreffend beschrieben wurde?
Wer Zweifel äußerte, war Außenseiter, zumindest nicht ganz zurechnungsfähig oder einfach kriminell.

Bis zur Gegenwart hat sich kaum etwas an der geistigen Gefangenschaft verändert. Mit anderen Worten: Die Menschheit verharrt in Unreife, sie repräsentiert mehrheitlich den „Interimsmenschen“, vergleichbar dem Pubertierenden auf seinem Weg zum Erwachsenwerden.
Demokratische Gesellschaftsstrukturen bilden da keine Entlastung, denn Meinungen werden sogar durch Mehrheitsbeschlüsse, aber ohne objektive Beweisführungen wiederholt, bis sie schließlich dogmatischen Charakter annehmen, sogar als unangreifbares Tabu überhöht werden.

Bemerkenswert erscheint immer wieder das Denken in völlig unsinnigen Zirkelschlüssen, die noch jede Religion prägen, hier einmal demonstriert am christlichen Glauben.
Wenn es einen persönlichen Gott gäbe, der alles weiß und alles geschaffen hat und weiterhin schafft, dann wäre er ebenso die einzige Ursache für jedes Übel, für den Teufel in Person, denn auch den hat er kreiert. Die Menschheit von diesem Sündenbock und vor allem von dem systemimmanenten sinnvollen Tod zu „erlösen“ durch den qualvollen Tod eines eigenen „Gottessohnes“, gezeugt mit einer eigenen Kreatur sogar auf „jungfräuliche“ Weise, stellt eine abenteuerliche Logik dar. Der geistige Verzehr von Leib und Blut des „Gottessohnes“ in Form der Kommunion, um dem tatsächlichen Lebensende und all den Krankheiten dennoch nicht zu entgehen, ist die deprimierende Fehlleistung von an sich potenten Gehirnen, zu erklären vor allem durch die Angst vor der Sinnleere im Leben.

Diese Leere allerdings mit einer komplex verwobenen höheren Sinnlosigkeit einer Gottheit zu überbieten, die auch in einer „dreieinigen“ Gestalt jeden Verstand überfordert, scheint das eigentliche „Geheimnis des Glaubens“ zu sein.
Zugespitzt: Welchen Sinn hätte es für ein allmächtiges Wesen, ohnmächtige Wesen zu erschaffen, um sie in „Gute“ und „Böse“ einzuteilen, zu belohnen, zu verdammen, obwohl der „Allmächtige“ doch von vornherein wüsste, wer wo landete? Zirkelschluss wie ein Kurzschluss!

Menschlichkeit wird ganz andere Wege beschreiten müssen. Doch leider bedient sich auch die Musterdisziplin der Aufklärung, die exakte Wissenschaft, besonders in den Grenzarealen fortschrittlicher Erkenntnisse esoterikähnlicher, dogmatischer, pseudoreligiöser Postulate.

Es mögen noch so umfangreiche mathematische Berechnungen einen „Urknall“ als Entstehungsmoment des Universums stützen, es bleibt die häufig schon als Ketzerei diffamierte Frage: Was war vor dem „Urknall“?
Mit dem „Big Bang“ eine Singularität zu konstatieren, die sich mit aller herkömmlichen, bewährten Wissenschaft nicht vereinen lässt, gleicht der Ausrufung einer Religion, sic!
Abgesehen davon, dass sich bei der Rückwärtsberechnung des „Urknalls“ alle möglichen Probleme von Beobachtungen, Messungen, Deutungen und Interpretationen gewaltig häufen, sorgt – wie gehabt – die permanent Wiederholung durch bestimmte Protagonisten im medialen Verbund für eine allgemeine, völlig unverstandene, ja konfuse Akzeptanz. Nur wenige Fachausdrücke mögen dem physikalisch versierten Leser Gedankenanreize bieten: Expansion des Universums, Hubble-Konstante, spektrale Rotverschiebung, Hintergrundstrahlung, pulsierendes Universum, Isotropie, Raumkrümmung, Gravitationslinsen, Schwarze Löcher, Wurmlöcher, Dunkelmaterie, Antimaterie, Vielfachdimensionen etc, etc.

Was hat man sich bitte unter einem „gekrümmten Raum“ vorzustellen, wenn wir zunächst einmal die Sprache als Verständigungsmittel gelten lassen? Ein Raum ist definiert durch seine Begrenzungen und durch sein Volumen. Die Orientierung im Raum unterliegt drei Dimensionen (Koordinaten), die sich von seinen Grenzen ableiten, im einfachsten Falle Länge , Breite, Höhe. Sind die Begrenzungen „krumm“, wird der Raum etwa einer Kugel dadurch so wenig „gekrümmt“ wie er sonst „gerade“ sein kann. Linien, nicht Räume, mögen krumm sein, es sei denn, ich will etwas ganz anderes behaupten, das mit herkömmlichem Raum nichts gemeinsam hat. Dann sollte ich das Wort Raum ehrlicherweise so nicht verwenden, es nicht missbrauchen.
Lichtstrahlen verlaufen bekanntermaßen absolut gerade, zum Beispiel verwendet man in der Technik Laserstrahlen zur exakten Geradeaus-Justierung. Andererseits lässt sich Licht, wissenschaftlich exakt bewiesen, durch starke Gravitationsfelder ablenken.
Gemäß der Raumkrümmungs-Behauptung soll ein entsprechend intensiver Lichtstrahl, theoretisch der Krümmung folgend, wieder am Ausgangspunkt anlangen.

Stellt man sich das konkret vor, wird schnell deutlich, wie physikalisch alles andere als „exakt“ solche Theorien lediglich Ansichtssachen, das heißt Glaubensäußerungen vor allerdings mathematischem Hintergrund beschreiben.
Der Lichtstrahl verlässt also die Erde und schwenkt auf eine „Raumkrümmung“ nach links, rechts, oben, unten und unter beliebigem Winkel ein. Der Krümmungsradius ist nicht bekannt, denn man kennt weder das Zentrum, noch die Grenzen des Universums, nimmt aber an, dass es „expandiert“. In diesem schwammigen Gedankenkonstrukt gibt es keine Koordinaten, keine Geschwindigkeitsangaben außer der Lichtgeschwindigkeit und dennoch trifft der hypothetische Lichtstrahl irgendwann ebenso hypothetisch wieder seinen Ausgangspunkt.

Die Qualität der Spekulation bleibt indiskutabel und erinnert zwangsläufig an die alte „Erdscheibe“, an den erwähnten „Urknall“ – oder auch an „Christi Himmelfahrt“; sie avancierte aber zum „Weltbild“.

Nun, durch exakte Naturwissenschaft wurde die Scheibengestalt falsifiziert, widerlegt durch replizierbare Messungen und Beweisführungen, durch jene Methoden, die einzig und allein zur Ergründung zuverlässiger Fakten führen.
Fehlen entsprechend sichere Erkenntnisse, sollte dies für jeden verantwortlichen Wissenschaftler der Grund sein, entweder zu schweigen oder aufrichtig das Nichtwissen einzugestehen.

Nach wie vor indes hängen Wissenschaft und Forschung von Spekulation und Prophetie ab, diskreditieren sich selbst, reihen sich ein in den Esoterik-Markt, in das religionsähnliche Nachbeten von fixen Ideen.
Was als „Aufklärung“ zunächst begeistert begrüßt wurde, verstrickt sich bisweilen in orientierungslose Phantastereien auch unter dem Pseudoanspruch von „Glaubenswahrheit“ und der tatsächlichen und traditionellen Hingabe an den Wahnwitz. Er ist inhuman, erzeugt Verunsicherung, macht dem Menschen Angst vor der Wissenschaft, die im Gegensatz zu Göttern das Zeug hat, das Leben objektiv zu erleichtern. Dazu müsste Wissenschaft, wie so häufig schon in früheren Zeiten gefordert, frei sein. Ideologien stehen dem kompromisslos entgegen, malen ein Bild von drohenden Auswüchsen freier Wissenschaft aus, um die Kontrolle über alles Forschen zu behalten, Forschung und Forscher subjektiv nicht zuletzt durch Finanzierungen zu steuern.

Wir erleben den wenig Hoffnung vermittelnden Zustand, dass Regierungen hilflos zwar den Ratschlägen von völlig unfähigen, weil unfreien Wirtschaftswissenschaftlern folgen, den Warnungen der exakten Wissenschaften jedoch untergeordnete Aufmerksamkeit schenken, mehr noch, unter dem Deckmantel von exakter Wissenschaft blühen Pseudowissenschaften wie beispielsweise das unverantwortliche, Intelligenz verhöhnende Klima-Szenario.

Ständiges Angsterzeugen und ebenso permanentes Wegschauen, um penetrant schönzureden, Bildung und soziale Bindungen zu vernachlässigen, gewaltig aufzurüsten und gleichzeitig über den Frieden zu lügen: Das ist der unmittelbar bevorstehende „Urknall“.
Vielleicht wird er ja einfach verschlafen oder eben doch in göttlichem Delirium besungen werden.

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Mittwoch, 18. November 2009

Sequenzen von Skepsis (13)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

136
Seine untertänigste Liebe zur Religion lässt der Mensch als Rache an allem aus.

137
Brutpflege wäre tierisch gut.

138
Im Bildungssystem wird der Gesellschaftszustand gnadenlos öffentlich.

139
Die Geologie bewirkt aus Menschensicht eine Abfolge von Katastrophen, zu denen letztlich der Mensch zählt – als Sequenz zur Intelligenz.

140
„Ebenbild Gottes“! Entweder mindere Kopie oder wahres Abbild eines fragwürdigen Entwurfs. Wie auch immer: Gott ist ohne Mensch nicht denkbar.

141
Der saturierte Tourist scheut keine Entfernung, seinen Liegestuhl per Handtuch zu reservieren. Mehr Platz beansprucht sein bild-schöpferisches Gehirn nicht; tagein, tagaus bis zum Abflug.

142
Zeitgeist liefert starre Uferpromenaden für den Lebensfluss, der noch jede Einzwängung fortspült. Schonungslos nimmt er die Verursacher mit.

143
Der Klügere gibt nach, und Dummheit regiert.

144
Fassadenschmierereien und zerkratzte U-Bahnfenster kennzeichnen den Expressionismus eines lebendigen Todes, der im Schädel - wo sonst? - der so Ausdrucksvollen wie der geduldig Wegschauenden dahinwabert.

145
Sex! Oh, welche Lust, ihn zu verteufeln, dadurch zu vermarkten, ihn dennoch zu denunzieren, einfach zu missbrauchen, damit geile Gerichtsbarkeit die Regeln normiere.

146
Klappern gehöre zum Handwerk; es wird aber immer lauter, während das Handwerk stirbt.

147
Ein Muslim fliegt mit zur hochtechnisierten Raumstation. In welcher Aus-Richtung soll er aber beten? Es fällt schwer, darauf keinen ironischen Stoß zu seufzen.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Dienstag, 17. November 2009

Dummheit versteht nicht

Das Wort Dummheit wirkt banal, sodass man sich scheuen möchte, überhaupt noch darauf zurückzugreifen, allerdings wäre das bereits eine weitere Dummheit.
Es scheint so einfach, im allgemeinen Umgang miteinander Dummheit zu beklagen, andere ihrer zu bezichtigen, seltener sich selbst einzugestehen. Und allzu oft werden die so Missbilligten verurteilt aufgrund irgendeiner Schuld-Fata Morgana, die sich in Ideologien oder sogar „Werte-Gemeinschaften“ reflektiert.
Sondieren wir einmal: Kein Tier ist dumm, denn es reagiert gemäß seiner Empfindungen und Instinkte. Und ebenso gilt:
Kein Mensch ist dumm, denn er reagiert ........ .
Irrtum: Das Bewusstsein eröffnet uns die „Qual der Wahl“, wir entscheiden uns gemäß unserer Denkfähigkeit, so unterschiedlich sie individuell ausgeprägt ist. Und darin besteht eine Wurzel von „Dummheit“ – als Abwertung durch die sich denkfähig Wähnenden gegenüber den schlichter konstruierten Menschenwesen.

Dennoch: Dummheit ist objektivierbar, das heißt, sie tritt in „Qualitäten“ zu Tage. In einfachster Ausgabe erscheint das Phänomen als naive Unbelecktheit, Erfahrungslosigkeit, Ahnungslosigkeit, im zunehmenden Alter als Bildungsdefizit.

Unter kosmonomischen (kosmopolitischen) Kriterien betrachte ich die zweite Qualität, die primitive Dummheit, die sich in Ermangelung von Bildung, aber mit Cleverness und Skrupellosigkeit in großem Stil über Kultur, Ethos und Menschenwürde hinwegsetzt.

Bedrohlicher entwickelt offenbart sich die dritte Qualität als selbstherrlicher Auftritt von selbst- und sendungsbewussten Personen, die ihre Macht selten auf wirkliche innere Größe stützen, aber auf mitlaufende, gehirngewaschene Lakaien und eine verdummte, opportunistische Bevölkerung.

Solche „Sorten“ Mensch halten sich für berechtigt, die eigenen Ziele unter Einbringung von Menschenopfern, in Form von gängiger Lüge und Gewalt, auch durch Kriege zu realisieren.
Sie verkörpern die menschenunwürdigen Prinzipien, die seit jeher den evolutionär unfertigen Menschen kennzeichnen.
Unsere Welt ist krank: Ein inzwischen medialer Flächenbrand an ausufernder Sensationsgier, Gewaltverherrlichung, aber mit doppelmoralischer Verdammung, mit gezielt gesteigerter Verunsicherung, dabei sogar wissenschaftlichen Anschein erweckend zugunsten von Unterwerfung, Ausbeutung und Übervorteilung. Eine menschliche Katastrophe.

Gewaltlosigkeit ist kein Allheilmittel, aber eine Grundvoraussetzung, die nicht tötet!

Gewalt jedoch baut die ideologischen Mauern, welche die Menschwerdung des Menschen verhindern. Glaubenszugehörigkeiten, Rassismus und Rache-Hass-Szenarien, antiquierte Ehrbegriffe entfachen ihre tödlichen Zerstörungen gegenüber jeder Gleichberechtigung, jeder Demokratie, jeder Humanität.

Die Duldung, gar Integration solcher Gesinnungen unter dem Deckmantel von „Religionsfreiheit“ untergräbt das freiheitliche Weltbild, erstickt die Hoffnung auf Friedfertigkeit, auf Achtung und Respekt des Mitmenschen.
Doch Dummheit versteht das nicht.
Welcher von den zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am Brandenburger Tor sprechenden amtierenden Politikern kommt ohne Waffenhandel und Krieg aus?

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Donnerstag, 12. November 2009

Kosmonomisches Manifest jetzt auch in "Contemporary Horizon"

Das Kosmonomische Manifest in englischer Sprache wurde jetzt auch von dem bilingualen Magazin „Contemporary Horizon“ (Rumänien) im Internet veröffentlicht.

Während deutsche Medien bisher das Manifest weitgehend verschweigen, eröffnet sich nun vielleicht ein Weg über internationale Medien, was der kosmonomen Philosophie durchaus entspricht.

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Mittwoch, 11. November 2009

Sequenzen von Skepsis (12)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

124
Geld regiere die Welt? – Also ist Demokratie das Opferlamm an den Gott Mammon, den Einzigen, den es wirklich gibt.

125
Loslassen zu können, ist immer auch eine Übung für den eigenen, einsamen, nicht minder sinnvollen Tod. Begleitet dich dann wachend ein lieber Mensch, muss dein Leben einen Sinn gehabt haben. Stirbst du verlassen, wird es dich nicht länger kümmern, nimmst du dir selbst dein Leben, beendest du ein Trauma, sicherlich nicht leichtfertig.

126
Politiker gibt es im Doppelpack: Das Original und seine Lüge oder umgekehrt, motiviert durch Lobbyisten und Berater.

127
Religionsfreiheit ist nicht Gedankenfreiheit, denn welche Religion ist so frei? Sie wäre am Ende.

128
Deine Reise mag sonst wohin führen, irgendein Gott war schon da und begrüßt dich in seinem Sinne. – Sei freundlich.

129
Mit den gleichen Worten reden sie aneinander vorbei. Das ist die eigentliche Sprachverwirrung.

130
Größte Freiheit ist Angstfreiheit.

131
Angst als Schutzreflex ist eine evolutionäre Stärke. Ihre Spontaneität aber verengt den Blick, mindert Urteilskraft, läuft panisch auf und erstarrt in Lähmung. Andauernde Angst peitscht Regenten voran in der Kreation von Bedrohungen und Feindbildern, sie weiden sich an der Angst des Volkes so wie Gott sich fürchten lässt.

132
Wer Wind macht, erzeugt lange noch nicht Energie. Das Licht wird manchem nie aufgehen.

133
Die Verflachung des Denkens planiert sich mit der zunehmenden Masse an ungebildeten Gehirnen.

134
Dass ich so wenig weiß, begleitet mich, wo ich stehe und gehe.
Resignation und Ansporn zu gleichen Teilen für mein Verweilen.

135
Tägliche Sonnenauf- und -untergänge zu erleben, ist Reichtum für denjenigen, der damit etwas verbindet, zum Beispiel Kenntnis und Gefühl.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Montag, 9. November 2009

"Mauern"

Die Mauer fiel.
Oh, welch grenzenlose Freude,
man koste sie aus, man reiche nach,
ein Taumel bis zum Morgen!

Das bisschen Freiheit
ist längst umzingelt
von Köpfen, die einen anderen Beton mischen:
Pandemische Panikmache in einem Wahn von Klima,
Entwürfe von Feindbildern,
Aufbau und Folterung von Terroristen,
Milliarden Finanzgeschiebe,
Kriege für den Frieden,
Ausspähung rundum.

Neue Mauern wurden höher,
versperren Horizonte,
über die nur Kirchtürme, Synagogenkuppeln und Minarette hinausragen
als Wachtürme des gestrig Ewigen.

The wind of change (Scorpions)
ist abgeflaut.
Doch schon ein Hauch von Freiheit
treibt Sand in die Tyrannis
und facht das Leben an.

Raymond Walden

So empfunden, geschrieben und veröffentlicht, da wo ich wohne, am 9. November 2009, dem 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer.

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Freitag, 6. November 2009

The Cosmonomic Manifesto

The right for freedom of thought is manifested in twelve Cosmonomic Theses.
They are an invitation to respect reasonably every single person. In addition dignity demands for a firm stand against destructiveness that is ruling archaically over the globe as a selfish power struggle of single persons, cliques or even misled peoples.



Preamble

Nature is following evolutionary developments according neutral laws. This means that there are life protecting as well as life destroying principles. In this view nature is without mercy and without compromise. But human brains are enabled by education to humanize the laws of nature and gain profit from them to enjoy life and ease the natural and convenient dying. This is a particular understanding that egoism can’t be the basis of humanity. Instead an individualism is needed, which is bound to an improving human society that regards the human being superior to any created ideal.



1st Cosmonomic Thesis: Human Dignity

There is no higher value than the human dignity. It is unimpeachable.



2nd Cosmonomic Thesis: Equal Rights

All people have equal rights from the very beginning of life. Peerage is anachronistic, clerical and military rankings as well as academic degrees give information about functions within the world of labour, but don’t play any roll in public life. Complete gender emancipation does not indicate equalization of men and women but the appreciation of their supplementary gender-specific differences.



3rd Cosmonomic Thesis: Non-killing Commandment

Nobody has the right for killing a person except in the case of self-defence.



4th Cosmonomic Thesis: Dying with Dignity

Everybody is entitled to dying in dignity by choosing ease of pain and death grant preferably after early decree during lifetime.



5th Cosmonomic Thesis: Sexuality

Human sexuality is original private affair and depends only from human dignity under free control by the involved partners.



6th Cosmonomic Thesis: Social Care

The society is obliged to grant health-care, education and labour to every person.



7th Cosmonomic Thesis: Personal Success

There is a fair competition of talent and ability for professional success. Cartels and combines take advantage without justification.



8th Cosmonomic Thesis: Economy of Participation

Properties and merits that were established by honest work must be respected. The laws of inheritance have to be put into perspective in order to avoid big landowners and to encourage in any concerns the middle-classes. Honesty stands for provability and transparency of the whole economic system and rejects the exploiting capitalism to establish a human economy of participation that reduces and finally defeats poverty.



9th Cosmonomic Thesis: View of the World

There might be democratic discussions about the views of the world, they have to be tolerated as far as they are free from violence. Indoctrination and missionary work come into conflict with the individual development of intellectual mind.



10th Cosmonomic Thesis: Environment

The enviroment belongs to all people in the same way as all people belong to the environment. The result of that is: Protection of animals, plants and landscape and the condemnation of the exploitation of natural resources just for the benefit of some individuals.




11th Cosmonomic Thesis: Causality

Considering all methods of thinking, it is to say that the causal-logical, scientific method is by far the most reliable one to support human dignity and to give respect to the individual. Religion and esoteric faith are well-known patterns of subduing and oppressing the believers via man-made “Gods” and their representatives.



12th Cosmonomic Thesis: Democracy

Comparing the systems of states, democracy is the most favourable constitution, nevertheless there is an urgent need for further developments. Parliaments must get rid of any lobbies of the various groups. Members of parliament, elected democratically, have to follow their own conscience and must be free from compulsion of party-spirit. The state and the churches (religions) have to be separated. Public media must be independent from political control, from influences taken by editors. Media concentration, forced by mighty editors, are not compatible with democratic societies. Election campaigns are nothing better than subtile manipulations. Money is absolutely no reason for coming into any political position.

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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

Remarks in addition:

Life is following natural laws which are present everywhere in the universe. The new philosophy of Cosmonomy is based on this: Cosmos = universe, nomos = law.
The world can be explored, evaluated and explained without the necessity of any “Gods” or wonders. So Cosmonomy stands for cosmopolitan, pacifism and democratic humanity – possible only by adequate education.
It is very obvious that by far the most people in the world cannot share these views because of traditional and political reasons.
When discussing, cosmonomers should be sensitive and careful.

Dienstag, 3. November 2009

Sequenzen von Skepsis (11)

Aphorismen zum Nachdenken und zum Zitieren:

112
Vernunft wird überstrapaziert, vor allem in ihrer Ermangelung.

113
Öl verschmiert die Ideale von Freiheit und Würde. Gleichsam wartet die Menschheit auf ein messianisches Ereignis: Die Entwicklung einer Energiequelle, die sich aufgrund ihrer dann allgemeinen Verfügbarkeit nicht durch Kartelle bündeln lässt. Ein „Wunder“ muss geschehen.

114
Freiheit heißt „Befähigung dazu“ , und sie gelingt nicht ohne Erziehung und Anleitung. Doch wer, wenn nicht Eltern, könnte Maßstäbe setzen? Stattdessen versagen jetzt Elterngenerationen, bedingt durch ihre eigenen Scheinorientierungen.

115
Rauchte früher der Schornstein des in der Weite und Einsamkeit des Landes entlegenen Nachbarn, war dies ein Lebenszeichen. Bei dichter Besiedelung heute und medialer Vernetzung hegt man ganz andere Interessen.

116
In der Demokratie bestimmen Mehrheiten, gleichgültig, wie sie zustande kommen, sodass die Qualität der Massenentscheidung nicht verbürgt ist.
Wählermanipulationen, etwa durch banalisierende Wahlkämpfe, können die demokratische Fortentwicklung aus der bisherigen Stagnation nicht befreien. Die Bindung des Stimmrechts an Bildungsmindeststandards ist unerlässlich. In keinem Unternehmen werden Unwissende als Entscheidungsträger akzeptiert, allein der Staat räumt noch jedem Trottel Mitbestimmung ein. Wobei gar nicht zu leugnen ist, dass auch Gebildete sich erschreckend leicht, ihrem Niveau nicht entsprechend, manipulieren lassen.

117
Werbung sprudelt aus einer ergiebigen Quelle wie die Lüge, die Täuschung, die Verblödung, die Desillusionierung. Konsumenten zahlen Milliarden für den vermeintlichen Sekt und schielen glasig auf ihr freies Leben.

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Anzeige

Mein Buch „Menschliches Glauben“ (Siehe Monats-Archiv August 2008), erschienen im österreichischen Novumverlag, wird von allen Medien in demokratischer Geschlossenheit totgeschwiegen: Keine Rezensionen, keine Interviews, keine Reaktionen.
Ich hoffe auf Verständnis, wenn ich immer wieder einmal durch diese „Kleinanzeige“ auf die mediale Gepflogenheit hinweise.
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118
Was nützt die Kenntnis der Leidensursache, kann man sie nicht beseitigen?
Zu radikal gedacht?

119
„Gott liebt den, der ihn fürchtet.“ - Ist das nicht fürchterlich?

120
Nach M.s Beerdigung saßen wir in trauter Runde, als ich anmerkte: „Der Herr rettet unser Leben.“ (Zitat aus dem Totengottesdienst) M. war zeitlebens ein treuer Christ gewesen und nach langjährigem qualvollem Leiden noch nicht alt verstorben.
Dazu gehöre eben ein fester Glaube, war die einhellige Meinung. „Und“, fügte B. hinzu „eigene Gedanken darfst du gar nicht erst aufkommen lassen. Sonst wirst du verrückt.“ – Wir wechselten das Thema.

121
Sicherheitsfanatiker agieren als Ableger des Terrorismus.

122
In einer Kirche kritisiert man nicht, um die Einheit im Glauben nicht zu stören.
Man tritt erst aus.

123
Durch Schweigen mag man Ruhe begünstigen. Freiheit jedoch mag das Wagnis der Sprache gleichsam als Wurzel und Frucht der Gedankenfreiheit.


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© Raymond Walden, www.raymond-walden.blogspot.com

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Montag, 2. November 2009

Carpe diem

Gebete basieren auf Emotionen, nicht auf Dummheit oder Intelligenz, denn sie werden formuliert aufgrund von Einübungen, die praktisch mit der Taufe beginnen und jede kritische Komponente auch des intelligentesten Gehirns lahm legen, sodass mehr oder weniger zufällig nur wenige Menschen den Täuschungen des Gebets entkommen.

Man vergegenwärtige sich einmal den indoktrinierten „Gott“, „Jahwe“, „Allah“, etc., an dessen „Ohr“ ständig Milliarden(!) Gebete dringen: Israelis flehen um das Wohl ihres Landes, die Palästinenser ebenso, der Celtic Glasgow-Fan bittet um den Sieg gleichzeitig wie der Glasgow-Rangers-Freund, die deutschen Christen beteten mehrheitlich für Hitler, die Menschen in den anderen Nationen jeweils für ihre Regierungen und Soldaten. Alle zogen mit Gottes Segen in das größte menschliche Inferno. Und der Marsch setzt sich fort.
Das wäre Gott, wenn er denn wäre!

Die imaginäre Nichtgestalt hätte in ihrer Allwissenheit die Welt bis ins letzte Detail geplant und erschaffen, also Gut und Böse gegenüber dem Menschen zu verantworten, den sie quält bis zu seinem Tod, die Gläubigen meinen sogar darüber hinaus, vielleicht auch belohnt.
Stirbt ein Mensch gemäß dieses Weltenplans an einem konsequent ablaufenden Krebsleiden, bilden sich tatsächlich die Gotteskinder ein, der höhere „Lenker“ hätte sich nur vertan, und man könnte ihn mit dem Stammeln von Gebeten umstimmen, damit der Kranke genese. Dabei müsste Gott vorher sowieso schon „wissen“, dass für den Sterbenden gebetet wird.
Sogar ein seniler Papst wird im Sterben von Millionen Gebeten begleitet. Wozu? Soll er niemals enden, „ewig“ auf Erden wirken? Oder schätzt man ihn so sündig ein, dass die Gebetsorgien ihn vor der „Hölle“ retten sollen, die Gott im Falle eines Falles auch für ihn angefeuert hätte, obwohl der „Stellvertreter Christi“ sich zu Lebzeiten sogar dem Ritual von Teufelsaustreibungen hingab? (Frühere „heilige Väter“ veranstalteten ganz andere Orgien.)

Der Ablauf des gesamten katholischen Gottesdienstes erinnert unwillkürlich an Szenarien von Sportveranstaltungen, wo sich Mannschaften vor Spielbeginn eng versammeln, um sich gegenseitig durch Gesten und laute Schlachtenrufe anzuspornen. Nichts anderes stellen die sich häufig wiederholenden Gebete und Anrufungen Gottes in der Messe dar. Ist der „Schöpfer“ schwerhörig oder vergesslich, dass man ihn immer wieder neu loben, ihm den Glauben an ihn bekennen und dieselben Bitten bis zum Überdruss replizieren muss, sich sogar bedankt, dass man an „Ihn“ glauben darf, auserwählt ist?
Die Funktion ist eindeutig, die Glaubensbrüder und –schwestern sollen durch das Gebetsmühlenhafte, durch die Religion gefesselt werden, denn wenn der für alle unausweichliche Tod eintritt, hilft kein Gott: Der Tote ist tot und die Gläubigen sind so erschüttert, in ihrer Verlassenheit müssten sie doch eigentlich jubeln über das Glück des Verstorbenen. Aber so weit reicht der Glaube trotz aller Litaneien nicht. Offensichtlich bewahrt die Natur selbst dem getäuschtesten Gehirn noch einen Rest Skepsis, die im Focus menschlicher Endlichkeit aufkocht und um so dramatischer wirkt, je weniger der Geist zuvor an aufgeklarten Gedankengängen teilnehmen konnte.

Leid legitimiert jede Suche nach Linderung.

Allein, das Gebet verstärkt das Leid durch seine Lebensabgewandtheit und die faktisch regelmäßig folgende Enttäuschung, die wiederum durch Gebete verkraftet werden soll.
Bis auf die begrenzte Wirkung als Placebo im Einzelfall bezeugt das Gebet die geistige Kindlichkeit des Menschen, denn das Erwachsenwerden wird verhindert durch Unlogik, die man als „Geheimnis des Glaubens“ tarnt und ideologisch eintrichtert.

Wenn die Aufklärung, die es ja gibt, nicht endlich wacher wird, mag bei wachsender Zahl der Menschen das letzte „Amen“ immer wahrscheinlicher aufkeimen. Der Irrsinn unterbräche aber nur einen Teil der Evolution, übrigens nicht untypisch.

Deshalb ist Optimismus auch über weitere Generationen angeraten, lohnt es sich doch, auf Verstandesebene den Religionen zu begegnen, und zwar in allen menschlichen Bereichen.

Ein eher oberflächliches, aber dennoch viel Wahrheit enthaltendes Sprichwort heißt:
„No risk, no fun. – Ohne Risiko kein Spaß.“
Das Leben bietet einen solchen Reichtum an Schönem, dass der naturalistische, religionsfreie Denker mutig sein Risiko eingehen kann, das bei genauer Betrachtung keineswegs Leichtsinn, gar Waghalsigkeit birgt, denn es beschreibt nichts anderes als das uralte „Carpe diem!“ – Vierundzwanzig Stunden Helligkeit und Nacht, zum Verstehen, zur ethischen Wertschätzung und zum Genießen.

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